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Ermittlungen wegen Bandendiebstahls – Polizei Paderborn sucht Mittäter – ADAC: immer mehr Katalysatoren werden gestohlen

Angestellter und Chef eines Autohauses fassen Tatverdächtigen

Paderborn

Wieder einmal haben es Kriminelle auf Katalysatoren abgesehen: In Paderborn ist ein Mann am Montagabend auf frischer Tat erwischt worden. Ein Angestellter und der Chef eines Autohauses fassten den Flüchtenden. Ein Ermittlungsverfahren wegen Bandendiebstahls wurde eingeleitet, teilte die Polizei am Dienstag mit.

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Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Der Mitarbeiter verließ gegen 21.05 Uhr das Autohaus, um nach Hause zu fahren. Als er im Hof auf sein Auto zuging, wurde er auf einen Mann aufmerksam, der neben einem anderen Auto hockte. Der Mitarbeiter sprach den Unbekannten daraufhin an. „Dieser versuchte sofort, mehrfach mit der Faust auf den Zeugen einzuschlagen. Anschließend flüchtete der Tatverdächtige in Richtung eines angrenzenden Feldes“, schildert Polizeisprecherin Corinna Koptik weiter.

Der Angestellte (34) nahm die Verfolgung auf und rief seinen Chef, der noch im Autohaus war, lautstark zur Hilfe. Beiden gelang es, den Mann auf dem Feld festzuhalten und am Boden bis zum Eintreffen der Polizei zu fixieren. Der Beschuldigte ist 57 Jahre alt und stammt aus dem niedersächsischen Holdorf (Landkreis Vechta).

Die Einsatzkräfte fanden bei der Durchsuchung des Mannes Werkzeug, einen Wagenheber und ein Funkgerät. Da die Polizei bei diesem Fund davon ausging, dass mehrere Täter gemeinschaftlich handelten, wurden umfangreiche Fahndungsmaßnahmen eingeleitet, die jedoch erfolglos verliefen.

Verdächtiger hatte Einkaufstrolley dabei

Im Innenhof des Autohauses stellten die Polizisten fest, dass der Beschuldigte versucht hatte, den Katalysator eines Autos auszubauen und dabei von dem Zeugen auf frischer Tat ertappt worden war. Entsprechende Gegenstände hatte der Mann in einem Einkaufstrolley dabei.

Der Tatverdächtige wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Koptik: „Da er sich bei seiner Flucht leicht verletzt hatte, wurde er mit einem Rettungswagen zunächst in ein Krankenhaus gebracht.“ Anschließend ging es für ihn zur Polizeiwache.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Bandendiebstahls wurde eingeleitet. Die Polizei geht davon aus, dass der 57-Jährige als Teil einer Bande handelte, die gemeinsam den Diebstahl an dem Fahrzeug geplant hatte und umsetzen wollte.

Deshalb bittet die Polizei Zeugen, die Hinweise auf verdächtige Personen oder Fahrzeuge geben können, die sich am Montagabend im Bereich der Bielefelder Straße in Sennelager aufgehalten haben, sich zu melden: Telefon 05251/3060.

ADAC: immer mehr Katalysatoren werden gestohlen

Nach Angaben des ADAC werden in Deutschland immer mehr Katalysatoren gestohlen. 2020 zählte die ADAC-Straßenwacht 420 Kat-Diebstähle. 2021 waren es bis Juli bereits 448. Katalysatoren sorgen dafür, dass der Luftschadstoff Kohlenmonoxid (CO) in Kohlen­dioxid (CO2) umgewandelt wird.

Dass sie inzwischen begehrtes Diebesgut sind, liegt am wertvollen Innen­leben. Katalysatoren enthalten kleinste Mengen der Edelmetalle Palladium, Platin und Rhodium. Da diese Edelmetalle sehr teuer sind und die Rohstoffpreise in jüngster Zeit stark angestiegen sind, lohnt sich das Recycling eines Katalysators, der bis zu fünf Gramm der Edelmetalle enthält. Für einen gebrauchten Katalysator bekommen die Diebe laut ADAC beim Recycler teilweise mehrere hundert Euro.

Nach bisherigen Erkenntnissen sind vor allem ältere Fahrzeuge mit Benzinmotoren betroffen, bei denen der Dreiwege-Katalysator gut zugänglich in der Mitte des Wagenbodens verbaut ist. Bei Fahrzeugen jüngeren Datums wird der Katalysator sehr nah am Motor montiert, damit er sich nach dem Kaltstart schneller aufheizt und auf Betriebstemperatur kommt. Dort ist er für die Diebe deutlich schwerer zu erreichen.

Der ADAC rät Betroffenen, unverzüglich die Versicherung zu informieren und prüfen zu lassen, ob der Diebstahl des Katalysator vom eigenen Kasko-Vertrag abgedeckt ist. In der Regel übernimmt den Schaden nach einem Diebstahl die Teilkasko, allerdings abzüglich der Selbstbeteiligung. Wer nur haftpflichtversichert ist, bleibt auf den ­Kosten sitzen.

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