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Herbstbelebung schwächer als in Vorjahren – 5430 ukrainische Staatsbürger arbeitslos gemeldet

Arbeitsmarkt trotzt der Krise

Nürnberg/Bielefeld

Der Arbeitsmarkt zeigt sich bundesweit und auch in OWL trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen weiterhin sehr robust. Die Zahl der Arbeitslosen sank in Deutschland zum Stichtag 12. September gegenüber dem Vormonat um 62.000 auf 2,49 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Freitag mitteilte. Die Arbeitslosenquote verbesserte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent.

Der Andrang in den Arbeitsagenturen ist größer als im Vorjahr – das liegt vor allem an ukrainischen Flüchtlingen. Foto: imago

In OWL verringerte sich die Arbeitslosenzahl gegenüber August um 734 auf 61.489 Menschen. Die Region weist damit ebenfalls eine Quote von 5,4 Prozent auf nach 5,5 im Vormonat und 5,3 Prozent im Vorjahr. In NRW bedeuten 681.795 Arbeitslose eine Quote von 7,0 Prozent.

Die Herbstbelebung fiel zwar bundesweit und regional schwächer aus als üblich, weil Firmen bei Neueinstellungen vorsichtiger geworden sind. Aber im Unterschied zu früheren Krisen versuchten sie, ihre Arbeits- und Fachkräfte zu halten, sagte BA-Chefin Andrea Nahles. Das sei eine gute Nachricht für Beschäftigte, aber eine schlechte für Arbeitslose. „Das Risiko, aus Beschäftigung arbeitslos zu werden, ist im langjährigen Vergleich sehr niedrig“, sagte Nahles. „Es wird aber für Menschen, die arbeitslos sind, eher wieder schwieriger, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.“ Angesichts der sich abzeichnenden Rezession jedoch „ist das alles immer noch sehr gut“.

Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosigkeit um 14.000 zu, im Vergleich zum Vorjahr um rund 21.000. Die Anstiege hängen laut BA auch mit der Erfassung der arbeitslosen ukrainischen Geflüchteten zusammen, von denen im September fast 205.000 arbeitslos gemeldet waren. Inzwischen seien aber auch 60.000 Ukrainer in Arbeit oder geringfügig beschäftigt und 72.000 in Integrationskursen, betonte Nahles. Die Entwicklung habe sich zuletzt stark beruhigt.

Eher Sorgen macht ihr, dass die bislang hohe Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt. Im September waren noch 873.000 offene Stellen bei der BA gemeldet. Nun stelle sich die Lage aber „pessimistischer“ dar. Nahles: „Bei Einstellungen scheinen die Betriebe vorsichtiger zu werden.“ Zugleich seien die Anfragen zu Kurzarbeit gestiegen, vor allem aus der Industrie, ebenso wie die Anmeldungen. Das geschehe aber „auf niedrigem Niveau und ist kein alarmistisches Zeichen“, betonte Nahles. Durch den Konjunktureinbruch dürfte der Arbeitsmarkt zwar unter Druck geraten und die Arbeitslosigkeit ansteigen. Aber wegen des Personalmangels habe sich der Arbeitsmarkt ein Stück weit von der Konjunktur abgekoppelt und dürfte recht stabil bleiben.

Diese Einschätzung teilen auch die Arbeitsagenturen in OWL: Der Bestand an offenen Stellen sei im September zwar zurückgegangen auf noch 26.596 Stellen. „Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch zu einem großen Teil nicht zurückgezogen werden,  zeigt, dass Arbeitgeber trotz aller Risiken grundsätzlich an der Einstellung passender Kräfte, vor allem auf Fachkraftebene, interessiert sind.“

Viele arbeitslose Ukrainer in OWL

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