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Dr. Wolfgang Avenhaus, Vorsitzender des Gesundheitsnetzes, spricht von Konzeptlosigkeit und Zumutung

Arzt kritisiert Testpflicht in Praxen

Höxter

Der Höxteraner Arzt Dr. Wolfgang Avenhaus, Vorsitzender des Gesundheitsnetzes im Kreisgebiet, kritisiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressemitteilung scharf – weil niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sowie deren Personal ab sofort und grundsätzlich tagesaktuelle Antigentestes vorlegen müssen. Er habe dies zunächst für einen „verspäteten Aprilscherz“ gehalten.

Von Dennis Pape

Laut Infektionsschutzgesetz müssen Ärzte, Psychotherapeuten sowie deren Personal tagesaktuelle Antigentests vorlegen Foto: dpa

„Am vergangenen Freitag war ich bereits fassungslos angesichts des Sabotageakts unseres Bundesgesundheitsministers mittels Ankündigung einer Kontingentierung des Biontech-Impfstoffs“, so Avenhaus. Und dann das: „Infolge der grundverkehrten Beendigung der epidemischen Lage tritt das überarbeitete Infektionsschutzgesetz in Kraft. Hier wird vorgeschrieben, dass niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sowie deren Personal tagesaktuelle Antigentestes vorlegen müssen – unabhängig davon, ob diese bereits geimpft oder sogar geboostert sind. In unserer Praxisgemeinschaft arbeiten drei Ärzte und zwölf Medizinische Fachangestellte. Zu dem zeitlichen Mehraufwand kommt, dass die Kostenübernahme der Tests völlig ungeklärt ist.“

Seit Beginn der Pandemie habe seine Praxisgemeinschaft erhebliche Anstrengungen unternommen, um Infektionen zu verhindern. Alle hätten mittlerweile bereits ihre Boosterimpfung erhalten, grundsätzlich würden FFP2-Masken getragen. „Dass wir jetzt de facto auf eine Stufe mit hartnäckigen Impfverweigern gestellt werden, ist für mich schlichtweg unverschämt und ausgesprochen demotivierend. Besonders bizarr ist, dass Patienten, die möglicherweise ungeimpft oder infiziert in unsere Praxis kommen, wie bisher ohne verpflichtende Testung behandelt werden müssen“, so Avenhaus.

Er habe festgestellt, dass seine Tätigkeit als Facharzt von gesundheitspolitischer Seite schon seit längerer Zeit wenig geschätzt, „ja teilweise regelrecht sabotiert“ werde. Ob Terminservice- und Versorgungsgesetz, Digitalisierung, Budgetierung relevanter Leistungen oder ständig steigende Hygienekosten – „immer wieder verursachen teils populistische, teils unausgereifte oder völlig zur Unzeit verordnete Maßnahmen Frust und Ärger, wohingegen eine Verbesserung der Patientenversorgung hierdurch keineswegs erreicht wird. Die jüngsten Fehlgriffe setzen dem nun die Krone auf“.

Das Team vor Ort habe in den Praxen erhebliche Anstrengungen zur Bewältigung der Pandemie unternommen. „Dass wir uns aktuell in einer historischen Krise befinden, liegt ganz sicher nicht an dem mangelnden Engagement der Beschäftigten im Gesundheitswesen, sondern, insbesondere während der vergangenen Wochen, an einer teils unbegreiflichen politischen Konzeptlosigkeit – gerade im Umgang mit der viel zu großen Zahl an Ungeimpften“, sagt Avenhaus. Die Zumutung, die das überarbeitete Infektionsschutzgesetz für Ärzte und Personal bedeute, stelle in einer Phase maximaler Belastung eine massive Brüskierung dar – „die, falls sie nicht zurückgenommen wird, nicht ohne Konsequenzen bleibt“.

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