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Fachwerkhaus an der Sertürnerstraße in Paderborn-Schloß Neuhaus

Auch nach 350 Jahren noch ein Schmuckstück

Paderborn-Schloß Neuhaus

Vor genau 350 Jahren wurde es errichtet: das Haus Sertürnerstraße 30. Sein Alter ist dem Längsdielenhaus kaum anzusehen, es wurde gehegt und gepflegt. Wäre es nicht ein schmuckes Fachwerkhaus, kaum einer würde das Alter des geschichtsträchtigen Hauses vermuten.

Das Fachwerkhaus Sertürnerstraße 30 im Fahnenschmuck im Jahr 1997. Foto: Stadt und Kreisarchiv Paderborn/Sammlung Pavlicic

Die Hausinschrift nennt die Bauherren und das Jahr: „Ach Herr helff vns erwerben ein ehrliches Leben vun sehliges Sterben Johan Vahlen [und] Engel Dierkes Anno 1671.“ Als Kirchenvorsteher war der Landwirt Johann Vahlen ein angesehener Bürger. In den dreieinhalb Jahrhunderten seines Bestehens wurde der ehemalige Meierhof mehrfach den jeweiligen Wohnbedürfnissen angepasst. Nach 1675 erhielt es als Altenteil ein Nebenhaus, in dem 1783 einer der berühmtesten Neuhäuser das Licht der Welt erblickte, der Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner.

In der Cramerschen Hofapotheke am Paderborner Marktplatz gelang ihm zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Isolierung von Morphin aus Opium und die Entdeckung der schmerzstillenden Wirkung des Morphiums. An der Schlossmauer setzte ihm die Gemeinde Neuhaus 1937 ein Denkmal, 1984 am Standort des 1945 abgebrochenen Geburtshauses der Heimatverein Schloß Neuhaus.

Haupthaus überstand Zeitläufe

Allein das Haupthaus überstand die Zeitläufe. Im 18. Jahrhundert kam es in den Besitz der Familie Schröder. Aus dieser Familie stammt auch Maria Schröder, die Ignatz Vockel heiratet. 1892 kommt auf ihrem Hof in der Wilhelmshöhe 2 Sohn Heinrich zur Welt, der unter anderem nach 1945 der erste Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland in Berlin, der so genannte Berlinbeauftragter, wird und 1962 Ehrenbürger der Gemeinde Schloß Neuhaus.

1986 kam das Gebäude in den Besitz der Familie des Neuhäuser Ortsheimatpflegers Michael Pavlicic, die es von Grund auf sanierte und zukunftsfest machte. In seiner 2018 erschienenen Denkmaltopografie der Stadt Paderborn resümiert der Architekturhistoriker Heinrich Otten: „Trotz Erneuerung besitzt das Gebäude mit der Tor- wie mit der Rückseite städtebauliche Relevanz und baulichen Zeugniswert.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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