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„Tag der Reserve“ in Höxter: Bundeswehr hat frühere Zeitsoldaten angeschrieben und will mehr Reservisten gewinnen

Aus der Schweiz zurück in die Kaserne

Höxter

Bundeswehr-Reservisten müssen nicht nur die Familie und ihren Dienst als Soldat, sondern auch ihren zivilen Beruf miteinander in Einklang bringen. Dafür brauchen sie die Unterstützung ihres Chefs: Die Unternehmen müssen bereit sein, ihre Mitarbeiter für den Reservistendienst freizustellen. Über solche Themen wurde beim „Tag der Reserve“ gesprochen.

Von Michael Robrecht

Shadi Gadallah (rechts) und Justus Landsiedel interessieren sich für einen Einsatz als Reservisten. Oberfeldwebel Julien Kruck, Stabsunteroffizier Mirco Heitmann und Oberstabsgefreiter Dominik Scharf informieren (von links) über Kompaniechef Oberleutnant Danny Breitenstein (rechts) zeigt Ronald Pälmke, welche neue Dekontaminationstechnik es gibt. Oberst Kai-Uwe Strupp begrüßt die Teilnehmer des Tages der Reserve beim ABC-Abwehrbataillon 7 in der Kaserne in Höxter. Foto: Michael Robrecht

Der ABC-Abwehrtruppe fehlen Reservesoldaten. Keine einfache Aufgabe in Zeiten ohne Wehrpflicht (seit 2011 ausgesetzt) und großen Enttäuschungen – wie durch den überhasteten Afghanistan-Rückzug – an Personal zu kommen. Wie sollen die ehemaligen Soldaten gewonnen werden?

Oberst Kai-Uwe Strupp, (Reservistenbeauftragter des ABC-Abwehrkommandos) berichtete, dass er und die Kasernen Höxter und Bruchsal 600 ehemalige Zeitsoldaten der vergangenen zehn Jahre angeschrieben haben, um ihnen Reserveübungsplätze anzubieten. Und tatsächlich kamen zwei Dutzend Interessierte in die Kaserne Höxter. Justus Landsiedel reiste extra aus der Ost-Schweiz 800 Kilometer an die Weser, um über eine Verwendung als Reservist zu sprechen. „Ich war beim Bund und kann mir gut vorstellen, wieder einzusteigen“, sagte der Schweizer. Shadi Gadallah aus Bad Driburg ist ebenso aufgeschlossen. Er sei 2011 in Höxter gewesen und denke über Reserveübungen nach. Den Mangel an Fachpersonal könne die Bundeswehr oft nur durch Reservisten ausgleichen, so Oberst Strupp. Er bestätigte, dass viele Soldaten durch die Afghanistan-Entwicklung enttäuscht seien. Man müsse hier aber auch sehen, was die Deutschen neben den militärischen Aufgaben in Schulen, beim Aufbau einer kommunalen Verwaltung und für die Menschen in den Orten Positives geleistet hätten. In den 20 Jahren Bundeswehr in Afghanistan habe sich für die Menschen konkret etwas verbessert.

Höxters Kommandeur, Oberstleutnant Michael Gorzolka, sagte einen wichtigen Satz: „Wir brauchen Sie als Reservisten.“ Er hoffte, dass viele Gefallen an der Reservistenarbeit gefunden hätten. Auf dem Appellplatz der Kaserne zeigte die 2. Kompanie des ABC-Abwehrbataillons 7 Gerät wie den Spürpanzer Fuchs. Soldaten staden zum Gespräch bereit.

Neu ist übrigens, dass ab 1. Oktober 2021 alle aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Soldaten für sechs Jahre in die Reserve beordert werden. Der Reservedienst bleibt jedoch außerhalb des Spannungsfalles freiwillig.

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