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Gartenschau Bad Lippspringe: Sandwelten-Ausstellung „Starke Kinder“ erwischt einen Start nach Maß

Aus Sand gebaut

Bad Lippspringe

Die Gartenschau in Bad Lippspringe setzt ihre Erfolgsgeschichte fort: Bis Anfang Juni lockte das Großereignis immerhin 50.000 Besucher. Das sind 10.000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Und dabei stehen so publikumsträchtige Veranstaltungen wie das Waldleuchten oder das Kürbisfestival noch aus“, gibt sich Pressesprecher Matthias Hack sehr zufrieden. Einen Start nach Maß hat am Wochenende bereits die Sandwelten-Ausstellung „Starke Kinder“ erwischt.

Von Klaus Karenfeld

Wickie der Wikinger gab sich zur Eröffnung der Skulpturen-Ausstellung die Ehre und posierte ein um das andere Mal vor seinem Ebenbild aus Sand. Foto: Klaus Karenfeld

Vor drei Wochen noch in Kaiserslautern, heute in Bad Lippspringe und bald schon in Ludwigsburg: Der Niederländer Jeroen van de Vlag ist ein gefragter Künstler. Zusammen mit drei befreundeten Kollegen aus Irland, der Schweiz und Italien lässt er die Gartenschaubesucher noch bis zum 25. Juli in die wunderbare Welt ihrer Kindheit eintauchen.

Wer erinnert sich nicht an die fantastische Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen? Oder an das Kinder- und Hausmärchen „Hänsel und Gretel“ aus der Feder der Gebrüder Grimm?

Insgesamt zehn Skulpturen verteilen sich von der großen Kurpromenade aus über das weitläufige Gartenschaugelände. Einige Figuren sind Helden längst vergangener Kindheitstage. Andere haben über die folgenden Jahre und Jahrzehnte ihren Platz eingenommen wie Prinzessin Peach, der Drache Zogg oder der kleine Ritter Trenk.

Von der Konzeption bis zur Ausführung einer einzigen Skulptur dauert es im Schnitt eine ganze Woche. Beim „Speed-Carving“ am Samstag ging alles deutlich schneller. In nur wenigen Stunden konnten interessierte Besucher die Entstehung von vier einzelnen Figuren live miterleben und auch Fragen an die Künstler stellen. Dabei erfuhren sie unter anderem, dass in Dänemark momentan ein Rekordversuch für eine 20 Meter hohe Sandskulptur läuft.

„Entscheidend ist die Qualität und Zusammensetzung des Baumaterials“, verrät Jeroen van de Vlag im Gespräch mit dieser Zeitung. „Für unsere Sandskulpturen benötigen wir relativ jungen Sand, der nicht älter als 100.000 Jahre alt ist und einen hohen Schlammanteil hat. Er besteht aus eckigen Körnern, die sich gut ineinander verkeilen und die Skulpturen selbst über viele Monate bei Wind und Wetter zusammenhalten.“

Der Sand, der am Strand liegt, kommt für Jeroen van de Vlag zum Bau der detailverliebten Skulpturen nicht in Frage: „Die Körner sind durch den Wechsel der Gezeiten nach und nach abgeflacht und abgerundet worden. Das erklärt auch, warum eine Sandburg an der Meeresküste oft nur ein sehr kurzes Leben von wenigen Stunden hat.“

In der Gartenschau kamen etwa 150 Tonnen Spezialsand aus der Kiesgrube Delbrück-Boke zum Einsatz. Das Baumaterial hatten die Künstler bereits einige Zeit zuvor selbst ausgewählt.

Es folgt der eigentliche Arbeitsprozess: Im ersten Schritt werden aus dem Sand feste Klötze geformt. Mit Hilfe hölzerner Verschalungen lässt sich das Material danach Schicht für Schicht auftürmen, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. Anschließend kommt ein Vibrationsstampfer zum Einsatz, der den Sand von oben und von der Seite zu einem festen Block zusammengepresst. Es folgt der wichtigste Teil, der handwerkliches Geschick und Können voraussetzt: Schritt für Schritt wird der Quader mit Spachtel, Kelle und Pinsel in ein künstlerisches Unikat verwandelt.

Zur Eröffnung der Skulpturenausstellung gab sich einer der bekanntesten Kinderlieblinge leibhaftig die Ehre. Wickie der Wikinger zog bei einem Rundgang die neugierigen Blicke der großen und kleinen Besucher auf sich, ließ sich umarmen und streicheln und avancierte den Tag über zum beliebten Foto-Motiv.

Der Blick der Verantwortlichen um Gartenschau-Geschäftsführerin Rehana Rühmann ist derweil bereits nach vorne gerichtet. Denn zwei große Veranstaltungen warten in diesem Jahr noch und wollen gut vorbereitet sein. Und zwar das Waldleuchten (13. bis 29. August) und das Kürbis-Festival (10. September bis 31. Oktober).

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