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Bürener Unternehmer und Agentur für Arbeit werben für Nachwuchs-Gewinnung

„Ausbildung gegen den Fachkräftemangel“

Büren

Die Corona-Krise ist ein akutes Problem für die Wirtschaft. Ein mittel- bis langfristiges Problem ist der Fachkräftemangel. Darauf weist erneut die Agentur für Arbeit in Paderborn hin. „Eine Ausbildung hat viele Vorteile – für Betriebe und Auszubildende“, betont sie.

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Deutliches Plädoyer für die Ausbildung (von links): Dietmar Papenkordt (Poe), Justin Dolecki (Poe), Kadir Y. (Poe) und Vanessa Rohde (Arbeitgeber-Service). Foto: Agentur für Arbeit

Das weiß auch Dietmar Papenkordt, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens Poe aus Büren. Sein Unternehmen entwickelt und vertreibt seit 1997 kaufmännische Softwarelösungen für den Handel und ist einer der IT-Ausbilder im Kreis Paderborn. Nach mehr als 20 Jahren Selbstständigkeit stellt er fest: „Das, was wir für die Zukunft brauchen, sind top motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Die Ausbildung im eigenen Haus ist da die größte Chance, gutes Personal zu entwickeln. Wer während der Krise die Ausbildung für den eigenen Betrieb aus den Augen verliert, der denkt zu kurz.“ Die Corona-Pandemie sei eine Situation, mit der man umgehen müsse und Ausbildung nach wie vor wichtig, um für die Zeit danach gut aufgestellt zu sein.

Kadir Y. (Name geändert) und Justin Dolecki sind zwei seiner aktuellen Auszubildenden, die er 2020 während der Corona-Krise eingestellt hat. Justin Dolecki ist einer der ersten Auszubildenden zum Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse in Ostwestfalen – einem neuen Ausbildungsberuf. „Ich habe mich schon früh für Computer und IT interessiert und mein Abitur auch mit dem Schwerpunkt Technische Informatik gemacht. Mir gefällt insbesondere die Abwechslung, denn man wird mit verschiedenen Kundenwünschen konfrontiert und muss unterschiedliche Probleme lösen. Diese Rätselarbeit macht mir Spaß.“

Branche mit Zukunft

Kadir Y. kam vor einigen Jahren nach Deutschland, um hier einen neuen Anfang zu wagen – als Auszubildender zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Er hat ein abgeschlossenes Physik-Studium, das ihm auch in Deutschland auf Bachelor-Niveau anerkannt wurde. Er sieht die Schnittstellen zum Bereich IT: „Mathematische, technische, multimediale Bereiche, das ist auch in der Physik mein Fachgebiet. Es ist eine Branche mit Zukunft, das war mir wichtig.“ Kadir Y. ist nicht der einzige geflüchtete Mensch, den Dietmar Papenkordt in sein Team aufgenommen hat. Zwei weitere haben ihre Ausbildung bereits erfolgreich absolviert und arbeiten weiterhin im Betrieb.

„Für uns ist wichtig, dass Motivation da ist und jemand in unser Team passt. Deshalb ist ein Praktikum vor Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags bei uns auch Pflicht“, so Papenkordt. Der Aufwand lohne sich, denn: „Gerade im Bereich Software-Entwicklung haben wir seit Jahren einen starken Fachkräftemangel und konnten dem nur mit der eigenen Ausbildung entgegenwirken. Hinzu kommt: Unser Unternehmensstandort befindet sich in Büren. Es ist zwar eine schöne Kleinstadt mit tollen Angeboten und vielfältigen Möglichkeiten, leider aber keine Großstadt oder ein IT-Hotspot. Aber wir haben sehr namhafte Kunden aus ganz Europa in unserem Portfolio und sehr interessante Aufgaben. Trotzdem bekommen wir aktuell deutlich weniger Bewerbungen als noch vor einigen Jahren. Corona macht die Situation nicht einfacher.“

Chance auch für Studienabbrecher

Der Unternehmer gibt gerne auch Studienabbrechern eine Chance. Doch auch hier ist die Anzahl der Bewerbungen rückläufig. Dass die Ausbildungssuche momentan für Jugendliche nicht einfach ist, können auch Justin Dolecki und Kadir Y. verstehen. Dennoch raten sie dazu, nicht aufzugeben. „Es lohnt sich nicht, die Zeit, die man jetzt sowieso zuhause ist, einfach „abzusitzen“. Im Lebenslauf ist eine Lücke mit der Begründung „Corona-Pandemie“ keine gute Ausrede. Man sollte die Zeit lieber für Bewerbungen nutzen, damit man am Ende trotzdem etwas erreicht hat.“ Kadir Y. meint: „Im Leben stößt man immer wieder auf schwere Zeiten. Menschen können dabei ihre Hoffnung verlieren. Aber wir müssen unsere Träume im Blick behalten und sie weiterverfolgen.“

Auf Arbeitgeberseite ist die Situation sehr unterschiedlich, weiß Vanessa Rohde vom gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters im Kreis Paderborn. Sie betreut das Unternehmen Poe und hat auch bei der Vermittlung von Kadir Y. tatkräftig unterstützt. „Manche Unternehmen haben schon seit Monaten Ausbildungsstellen ausgeschrieben und fragen sich, wo die Bewerbungen bleiben, andere fangen erst an.“

Durch sein Engagement für die Ausbildung hat Dietmar Papenkordt sich die „Ausbildungsprämie plus“ sichern können. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Team bietet Vanessa Rohde Arbeitgebern umfangreiche Beratung zu den Ausbildungsprämien, aber auch zu anderen Fördermöglichkeiten an.

Auch Dietmar Papenkordt hat für sein Unternehmen wieder Ausbildungsstellen im Bereich Informatik für einen Start im August 2021 zu vergeben. „Bewerbungen sind immer willkommen. Wie erwähnt gerne auch Studienabbrecher“, betont er.

Offene Ausbildungsplätze

Offene Ausbildungsplätze gibt es noch einige. Stand Ende April waren es 1500 im gesamten Hochstift. Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind oder weitere Perspektiven für die Zeit nach ihrem Schulabschluss suchen, können sich bei der Berufsberatung telefonisch unter 05251/120301 oder per E-Mail unter Paderborn.151-Berufsberatung-vor-dem-Erwerbsleben@arbeitsagentur.de melden. Gemeinsam suchen die Berater nach den individuell besten Möglichkeiten auf dem Weg in das Berufsleben. Unternehmen, die noch Ausbildungsstellen ausschreiben möchten, können sich unter Tel. 0800/4555520 oder paderborn.arbeitgeber@arbeitsagentur.de an den lokalen Arbeitgeber-Service wenden. Betriebe können unter bestimmten Bedingungen eine Ausbildungsprämie beantragen. Die Bedingungen sind noch einmal angepasst worden und auch die Prämienhöhe hat sich verdoppelt, heißt es vom Arbeitgeber-Service

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