Unternehmen Luckey aus Haaren übernimmt wichtige Aufgabe bei Sanierung des Berliner Wahrzeichens an der A 115

AVUS-Kanzel kommt aus Haaren

Bad Wünnenberg-Ha...

Mit einem ungewöhnlichen Millionenauftrag ist das Team des Haarener Unternehmens Luckey zurzeit beschäftigt: Der Betrieb, der sonst vor allem Wintergärten und Terrassenüberdachungen herstellt, fertigt spezielle Glaselemente für eines der Wahrzeichen der Hauptstadt Berlin an: die AVUS-Tribüne.

Von Hanne Hagelgans

Haben mit der gläsernen Kanzel der AVUS alle Hände voll zu tun: (von links) Christian Müller (Projektinitiator bei Luckey), Geschäftsführer Hans-Werner Luckey und Bauleiter Marvin Zumdick in der voll digitalisierten Produktion in Bad Wünnenberg-Haaren. Foto: Dirk Kleeschulte

Historische Rennstrecke

Wer aus Richtung Westen über die A 115 in Berlin einfährt, kennt die historische Tribüne direkt an der Autobahn. Das markante Gebäude wurde vor 100 Jahren als Zuschauerraum zur Rennstrecke an der ersten Autobahn der Welt errichtet. Nun wird ein Wahrzeichen Berlins von einem Investor aufwendig saniert und ausgebaut. Und für das Highlight des denkmalgeschützten Prestigeprojektes – ganz besondere Glaselemente in einer Kanzel – ist das Unternehmen Luckey verantwortlich.

Die 1921 Berlin, Bezirk Charlottenburg, eröffnete AVUS-Rennstrecke und ihr Mythos sind ungebrochen. Ihre Geschichte ist weltbekannt und nicht nur die Berliner haben sie ins Herz geschlossen. Dennoch verfällt die 240 Meter breite Tribünenanlage, seit der Rennbetrieb an der bekannten Strecke vor mehr 20 Jahren eingestellt wurde.

Ehrgeiziger Investor

„Es war ein Schandfleck“, meint Investor Hamid Djadda. Nun ist er froh, dass durch sein Engagement ein Wahrzeichen Berlins gerettet werden kann.

Das Bauwerk reicht bis weniger als 50 Zentimeter direkt an die Autobahn heran. Verkehrseinflüsse wie extremer Lärm, Sog- und Druckluftkräfte sowie Verkehrsablenkung forderten das Fachwissen von Luckey Metallbau heraus.

Denn der Investor ist in seiner Vision vom „AVUS Mobility Center“ unbeirrbar und will mit einer 400 Quadratmeter großen Glasfront und -Kanzel das Gebäude einzigartig machen.

Europaweite Suche

Die Architekten suchten europaweit den richtigen Partner für solare Architektur, der diese Herausforderung erfüllen kann. Denn bekannte Lösungen wie Lamellensysteme kamen nicht in Frage. Die Verantwortlichen holten Hans-Werner Luckey, sein Team und damit die technische Expertise ins Boot. Denn das Unternehmen ist in der Branche für innovative Konzepte und Digitalisierung bekannt.

Einzigartiger Auftrag

„Der einzigartige Glasaufbau besteht aus vier unterschiedlichen Scheiben­ebenen, die zu einer Isolierglaseinheit verklebt werden. Eine Scheibe hat eine Schicht aus Flüssigkristallen, die steuerbar sind. Damit können innerhalb einer Sekunde Verdunkelungen und Sonnenschutz bis 98 Prozent erreicht werden. Die äußere Scheibe wurde mattiert, damit sich die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Fahrzeuge nicht spiegeln und andere Fahrzeuge blenden können“, beschreibt Hans-Werner Luckey die entwickelte Lösung. Die innere Scheibe ist mit speziellem Siebdruck versehen, dadurch wird ein zusätzlicher „Gardineneffekt“ erzielt. Insgesamt hat die Verglasung eine Stärke von 60 Millimetern und wiegt 100 Kilogramm pro Qua­dratmeter, also rund 40 Tonnen Glas, nur für die Kanzel. Nur so kann die Konstruktion den extremen Sog- und Druckkräften standhalten und den notwendigen Lärmschutz garantieren.

„Der Glasaufbau wird eigens für dieses Bauvorhaben hergestellt und in dieser Konstellation wahrscheinlich nie wieder benötigt. Der Aufbau wurde in vielen Gesprächen abgestimmt, mehrfach modifiziert, bemustert und am Ende von Vertretern des Berliner Senats abgenommen“, weist Hans-Werner Luckey auf die Einzigartigkeit des AVUS-Projektes hin.

Jubiläum im September

Künftig werden in der Kanzel, in der sich in der Vergangenheit die Rennleitung, VIPs und Presse aufhielten, Events veranstaltet. Während die Besucher den rastlosen Betrieb auf der Autobahn beobachten können, werden die Autofahrer von außen keinen Einblick ins Gebäude habent. Jährlich sind auf der Strecke etwa 34 Millionen Fahrzeuge unterwegs.

Zum 100-jährigen AVUS-Jubiläum im September 2021 ist die Fertigstellung geplant. Bis dahin werden 50 Mitarbeiter und Partner des Haarener Unternehmens an der Umsetzung beteiligt sein. Unter Corona-Bedingungen nicht immer einfach, denn so fanden beispielsweise alle Strategietermine online statt. Hier bewährt sich der hohe Digitalisierungsgrad und die moderne Ausrichtung von Luckey sowohl im Backoffice als auch in der Produktion des im Jahr 2000 gegründeten Unternehmens mit rund 50 Mitarbeitern.

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