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Paderborner digitaler Bürgerdialog: Experten analysieren Fake News und sehen in den Sozialen Medien die größte Gefahr für Desinformation

Bei Informationen immer kritisch sein

Paderborn

Über Zeitungen, das Fernsehen oder auch über Social Media – die Anzahl der Informationen, die uns täglich erreichen, wird immer größer. Bei ihrer Beurteilung sind wir meist auf uns allein gestellt. Wie wichtig es ist, Falschmeldungen als solche zu erkennen, zeigten erfahrene Journalisten in Paderborn beim digitalen Bürgerdialog „Fake News“ auf.

Zum Thema „Fake News“ diskutierten unter anderem (von links) Hans-Günter Lind, Andreas Bruck (Gesellschaft für Sicherheitspolitik), Christiane-Boschin-Heinz (Chief Digital Officer Stadt Paderborn), Andreas Schnadwinkel (Politikredakteur WESTFALEN-BLATT) und Bürgermeister Michael Dreier. Foto: Stadt Paderborn

Christiane Boschin-Heinz, Chief Digital Officer (CDO) der Stadt Paderborn, begrüßte rund 100 Zuschauer im Livestream zu der Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Paderborner Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik.

Mit Blick auf das Thema „Fake News“ stellte Bürgermeister Michael Dreier die Wichtigkeit der Medienkompetenz eines jeden Menschen in den Fokus, da diese besonders im Zeitalter der schnelllebigen digitalen Medien von hoher Bedeutung sei. Jeder solle sich kritisch mit Informationen auseinandersetzen und Verantwortung für das übernehmen, was er selbst in die Sozialen Medien stellt.

An­dreas Bruck von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik betonte: „Falschnachrichten müssen nicht verbreitet werden, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden.“ Das Unterscheiden von Fakten und Meinungen sei dabei besonders wichtig, jedoch für viele Menschen auch schwierig. Da wir von Emotionen geleitet seien, könne dies zu einer Spaltung der Gesellschaft und zu Lagerbildung führen – So­cial Media mache sich dies besonders zunutze.

Der WESTFALEN-BLATT-Politikredakteur Andreas Schnadwinkel gab einen Einblick in den Alltag einer Tageszeitung, die die Aufgabe hat, abgesicherte Fakten zu liefern und Nachrichten auch einmal nicht zu bringen, wenn der Wahrheitsgehalt zweifelhaft ist. Für die Redaktionen sei es am wichtigsten, dass die Quelle seriös ist. Zeitungen seien auf die Seriosität der Presseagenturen angewiesen. Als Beispiel nannte Schnadwinkel einen Fall, bei dem, trotz genutzten Konjunktivs in dem Artikel, ein Strohfeuer entbrannte, das kaum zu löschen war. Die Quelle der Information stellte sich im Nachhinein als falsch heraus. Besonders Social Media sei hier ein Beschleuniger für viele Informationen: „Von den Usern der Sozialen Medien würde ich mir wünschen, weniger reflexhaft zu agieren und nicht alles zu liken oder zu teilen – einfach skeptischer sein“, so Schnadwinkel.

Anschließend wurde David Schraven von Correctiv digital dazugeschaltet. Correctiv ist ein Recherchezen­trum, das durch ein Monitoring herausfindet, welche Desinformationen derzeit viral sind und diese prüft. Hierfür wird tief in die Recherche gegangen, Studien werden gelesen und Fachleute werden gefragt, um angebliche Fakten zu widerlegen.

Schraven stellte heraus, dass „Fake News“ ein schwieriger Begriff sei, da er politisch konnotiert sei und auch eher als Oberbegriff für viele Phänomene verwendet werde. Deshalb solle besser der Begriff Desinformation genutzt werden. Diese gezielt eingesetzten Falschinformationen nutzen immer dieselben Narrative, die tief in den Menschen verankert seien. Das funktioniere, weil ein Grundprinzip aufgegriffen würde. „Wir sind auf neu und gefährlich getrimmt“, sagte Schraven.

Nach seiner Einschätzung dringen Desinformationen über die klassischen Medien eher selten durch, das Problem seien die Sozialen Medien, da die Menschen ihren Freunden, die diese Informationen verbreiten, vertrauen würden. Das frühere Vertrauen in die Medien werde durch das grundsätzliche Vertrauen in eigene soziale Kontakte verdrängt.

Auch Martin Fehrensen von Watchblog blickte nochmal sehr deutlich auf die Sozialen Medien. Watchblog berichtet über die Sozialen Medien nicht inhaltlich, sondern strukturell. Fehrensen erklärte, dass die meisten Nutzer nicht direkt auf die Websites der Medienhäuser zugreifen würden, um sich Informationen zu holen, sondern Social Media nutzen, um sich zu informieren.

Social Media sei jedoch kein freies Internet, welches die Gesellschaft bilden und Wissen verbreiten wolle, sondern eines mit dem Ziel, die Menschen auf der genutzten Plattform zu halten. Je mehr Zeit sie dort verbringen, desto mehr Geld verdienten die Plattformen. „Als Gesellschaft müssen wir lernen, bei allem, was wir sehen, hören und lesen, erstmal kritisch zu sein und zu hinterfragen. Denn alles, was wir konsumieren, hat ein Ziel – unterhalten, informieren und womöglich steuern“, erklärte Fehrensen.

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