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Mitglieder des Paderborner Ausschusses für Mobilität kritisieren erneut die Pläne des Nahverkehrsverbundes

Bekenntnis zum Schnellbus

Paderborn

In gut 40 Minuten bringt der Bus Fahrgäste vom Paderborner Hauptbahnhof nach Bad Driburg. Das soll er auch in Zukunft tun.

Dietmar Kemper

Der Schnellbus S30 verbindet die Kreise Paderborn und Höxter miteinander. Paderborns Lokalpolitiker wollen an ihm festhalten. Foto: Jörn Hannemann

Vehement haben sich die Mitglieder des Umwelt-, Klima- und Mobilitätsausschusses in ihrer Sitzung am Mittwochabend für den Erhalt der Schnellbuslinie S30 ausgesprochen. Im Gegensatz zum Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter (NPH) halten sie die Verbindung über Buke für unentbehrlich.

„Wollen Sie die Beibehaltung der Schnellbuslinie nach Bad Driburg oder nicht?“, fragte NPH-Geschäftsführer Marcus Klugmann. Der Nahverkehrsverbund habe „deutliche Kostensteigerungen“ zu verkraften und stecke im „Dilemma von Angebot und Finanzierung“. Die Deckung der Kosten sei „an vielen Stellen im Regionalverkehr nicht gegeben“, sagte Klugmann. Man wolle den Fokus auf den Schülerverkehr richten und hier Kapazitäten ausweiten.

Um Kosten zu sparen, schwebt dem NPH offenbar neben der Aufgabe oder Umstrukturierung von Linien wie der S30 eine stärkere Verzahnung mit dem Paderborner Verkehrsunternehmen Padersprinter an.

Der Schnellbus S30 gehört zum Linienbündel 10 Egge, in dem auch die Verbindungen R31 (Altenbeken bis Dahl) und R44 (Dahl bis Dringenberg) mit Anschlüssen an den Papersprinter enthalten sind. Hinein fallen zudem die Schulstandorte Bad Driburg, Paderborn, Neuenheerse, Altenbeken, Peckelsheim und Willebadessen. Für die Laufzeit von 2023 bis 2031 schweben dem NPH in dem Linienbündel mehrere Alternativen vor, mal mit S30, mal ohne, mal mit 30- und mal mit 60-Minutentakt. In der Vergangenheit fuhr der S30 jede Stunde vom Paderborner Hauptbahnhof los.

Die Stadtverwaltung hält die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für unbefriedigend. Sie kritisiert: „Es wird keine eindeutige Planung für das Linienbündel 10 vorgenommen. Stattdessen werden zwei Varianten mit mehreren Untervarianten vorgegeben. Dabei bilden die Varianten und Untervarianten ein sehr breites Spektrum ab, welches von einer Verschlechterung bis zu einer Verbesserung des ÖPNV-Angebots im Status Quo reicht – ohne eine Festlegung zu treffen.“ Paderborns Verkehrsplaner Harald Bock bemängelte in der Sitzung: „Es ist uns nicht klar, wie die Finanzierung laufen soll.“ Die Kosten der Varianten seien unbekannt.

Die Mitglieder des Ausschusses hatten bereits in ihrer Sitzung am 20. April den NPH für geplante Linienänderungen kritisiert. Konkret wurden die Auflösung der Regionalbuslinie R20 von Hövelhof nach Paderborn und der Wegfall von Direktverbindungen zur Universität in den Linienbündeln 2 (Bad Lippspringe/Hövelhof), 6 (Paderborner Hochfläche) und 12 (Büren/Salzkotten) moniert.

Am Mittwochabend machten die Politiker deutlich, dass sie eine Verbesserung statt Verschlechterung des ÖPNV wünschen. „Wir haben ein hohes Interesse an der Erreichbarkeit aus dem Umland“, sagte Bernd Schulze-Waltrup (CDU). Umstiege führten zu Fahrgastverlusten, glaubt er und wandte sich gegen den Wegfall der Schnellbuslinie. Frank van Koten (FDP) befürchtet, dass von einer Verschlechterung der Angebote in Paderborn andere, besser angebundene Städte profitieren.

Dass ein attraktiver ÖPNV Kreis und Stadt mehr kosten wird, nimmt Jonathan Weickart (Bündnis 90/Grüne) in Kauf. Statt den Flughafen zu subventionieren, solle lieber mehr Geld in diesen Bereich investiert werden, meint er. Ulrich Koch von der SPD betonte: „Wer glaubt, den ÖPNV kostendeckend betreiben zu können, hat am Abend schon keinen mehr.“ Bei Umstrukturierungen und Betreiberwechseln müsse sichergestellt werden, dass die Jobs der Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen und die Höhe ihres Gehalts erhalten bleiben. „Es ist gar nicht einfach, Busfahrer zu finden“, weiß der Ausschussvorsitzende Klaus Schröder.

Einstimmig sprachen sich die Fraktionen dafür aus. „mindestens den Status Quo im Fahrplan des Linienbündels 10 aus 2021 zu erhalten“. Qualitative und quantitative Verbesserungen im Nahverkehr müssten das Ziel sein, um mehr Fahrgäste anzulocken, und die Stadt Paderborn müsse an der Ausgestaltung der Ausschreibung beteiligt werden. „Ich hoffe, dass dieses deutliche Signal ankommt“, sagte Schröder mit Blick auf den NPH.

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