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Frau soll Schwerverletzten nach Tat auf Gehweg gelegt haben – Prozess vor Schwurgericht

37-Jähriger stirbt nach Tritten

Bielefeld( WB). Ein Gewaltverbrechen mit tödlichem Ausgang im Bielefelder Drogenmilieu wird demnächst vor einem Schwurgericht verhandelt. Staatsanwalt Christoph Mackel hat Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge gegen eine 32-Jährige erhoben.

Jens Heinze

Spurensuche im Mai an der Gustav-Winkler Straße. Foto:

Die Frau soll einen Bekannten (37) aus der Rauschgiftszene von der sogenannten »Tüte« an ihrem Wohnort im Bielefelder Osten erst mit Tritten gegen Kopf und Rumpf lebensgefährlich verletzt und den Mann dann auf den Gehweg gelegt haben. Der Bielefelderin soll im Spätherbst oder frühen Winter der Prozess vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichtes gemacht werden.

Für großes Aufsehen gesorgt

Der Fall im Grenzbereich Hillegossen/Ubbedissen unweit der Autobahn 2 sorgte im Frühjahr für großes Aufsehen in der Stadt. Am Abend des 10. Mai entdeckte ein Zeuge den lebensgefährlich verletzten Viktor F. (37) auf dem Bürgersteig an der Gustav-Winkler-Straße. Wie lange das Opfer da schon im Freien gelegen hatte, lässt sich wohl nicht mehr genau rekonstruieren. Obwohl dem 37-Jährigen nach seinem Auffinden sofort medizinisch geholfen wurde, starb der Mann Stunden später in einem Krankenhaus. Todesursache: innerliches Verbluten nach massiver, stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Körper.

Ermittler einer achtköpfigen Mordkommission stießen damals schnell auf die nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Tanja Z. Die 32-Jährige und der Verstorbene kannten sich aus der Drogenszene. Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass Tanja Z. wegen Rauschgift- und Diebstahlsdelikten vorbestraft sei. Ausgerechnet am Tattag, dem 10. Mai, wurde der Frau wegen des Handels mit knapp acht Gramm Marihuana an der »Tüte« am Hauptbahnhof der Prozess gemacht. Tanja Z. kassierte dafür eine Geldstrafe.

Drei bis 15 jahre Haft drohen

Darauf kann die 32-Jährige bei der anstehenden Verhandlung vor dem Schwurgericht nicht mehr hoffen. Sollte sie verurteilt werden, drohen ihr zwischen drei und 15 Jahren Haft.

Vermutlich wird der Fall nie vollständig aufgeklärt. Die Angeklagte habe sich zum Tatvorwurf nicht geäußert, ein Tötungsvorsatz sei der Frau derzeit nicht zu beweisen, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Christoph Mackel. Das Motiv, warum Tanja S. an ihrem Wohnort offenbar völlig ausrastete und derart massiv auf Opfer Viktor F. eingetreten und den lebensgefährlich Verletzten dann vor das Haus geschleppt haben soll, ist unbekannt.

Viele Unbekannte gibt es auch bei der Rolle von Andreas Z. (44), dem Ehemann der Angeklagten. Während Tanja Z. zwei Tage nach dem Verbrechen verhaftet wurde und bis heute in der Justizvollzugsanstalt Brackwede sitzt, wurde der 44-Jährige von der Mordkommission wieder freigelassen. Welche Rolle Andreas Z. beim Verbrechen vom 10. Mai spielte, ob er auch zutrat und dann half, das Opfer auf den Gehweg zu zerren, steht bis heute nicht fest. Staatsanwalt Mackel: »Gegen den Mann wird weiter wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.«

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