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Müllverbrennungsanlage investiert 800.000 Euro in neuen Wärmetauscher

50 Megawatt mehr für die Fernwärme

Heepen(WB). Das Bielefelder Fernwärmenetz erhält einen deutlichen Leistungsschub. Am Mittwoch bugsierten Techniker in Millimeterarbeit einen neuen Wärmetauscher in eine Halle der Müllverbrennungsanlage, der Ende des Jahres ans Netz gehen soll.

Hendrik Uffmann

Am Kranhaken »schwebt« der 16 Tonnen schwere Wärmetauscher durch die Öffnung, die ins Hallendach geschnitten wurde. Foto: Uffmann

Dort gibt es aktuell zwei Wärmetauscher, die mit der Abwärme der Müllverbrennunsganlage das Wasser für die Fernwärme erhitzen. Jede von ihnen hat eine Wärmeübertragungsleistung von 42,5 Megawatt. Zusammen erzeugen sie 60 Prozent der Fernwärme in der Stadt.

Der neue Wärmetauscher liefert künftig weitere 50 Megawatt. Gebraucht werden diese für eine sichere Versorgung vor allem im Winter, falls es in einer der Anlage eine Störung geben sollte. Darüber hinaus bereiten sich die Stadtwerke damit auch auf den wachsenden Bedarf an Fernwärme vor, sagt Birgit Jahnke, Sprecherin der MVA . »Wir haben in jüngerer Zeit auch große Abnehmer wie das Johanneswerk und einen Möbelmarkt angeschlossen. Und die Nachfrage nach Fernwärme steigt.« 800.000 Euro investiert die Müllverbrennungsanlage in die neue Anlage.

Um den neuen, 16 Tonnen schweren und gut sieben Meter langen Wärmetauscher in die Betriebshalle zu befördern, war am Mittwochmorgen Präzisionsarbeit gefragt. In der Nacht war der Lkw mit der Anlage aus Rheinland-Pfalz nach Bielefeld zur MVA am Schelpmilser Weg gerollt, wo bereits zwei Autokräne aufgebaut waren.

Knifflige Arbeit

Die Vorbereitungen für die Montage hatten jedoch schon viel früher begonnen, erklärte Alexander Krenzer, Projektleiter des MVA-Betreibers Interargem. Denn um das zylindrisch geformte Ungetüm einbauen zu können, war zuvor ein etwa zwei mal zwei Meter großes Loch in die Hallendecke aus Beton geschnitten worden, »und dafür waren wiederum umfangreiche Berechnungen des Statikers notwendig«, erläuterte Krenzer.

Um die Stabilität der Decke möglichst wenig zu beeinträchtigen, war die Luke im Dach möglichst klein gehalten worden. Was die Arbeit des Montageteams kniffliger machte. Denn einschließlich der angeschweißten Halterungen, auf denen der Wärmetauscher schließlich lagert, hat dieser ebenfalls einen Durchmesser von fast zwei Metern. Mit viel Fingerspitzengefühl dirigierten Kranfahrer und Techniker den Stahlkoloss dennoch reibungslos durch die Öffnung.

Eine kleine Verzögerung gab es schließlich nur, da die Stützen, auf denen der Wärmetauscher gelagert wird, noch einmal gedreht werden mussten, damit die zur Verschraubung vorgesehenen Bohrungen passten. Doch nach nur gut eineinhalb Stunden war die Anlage dann an ihrem Platz.

Zwei alte Wasserbehält entfernt

Angeschlossen werden müssen nun allerdings noch die Rohrleitungen, Armaturen, Messungen und Kondensat-Pumpen, so Alexander Krenzer. »Außerdem haben wir zwei alte Wasserbehälter entfernen müssen, die durch einen neueren Flachtank ersetzt werden«, erklärte der Projektleiter. Vermutlich Ende Dezember soll die neue Anlage dann einsatzfähig sein.

Der Dampf, der bei der Verbrennung des Abfalls entsteht, wird mit einer Temperatur von rund 140 Grad in den Wärmetauscher eingeleitet und in dessen Innern durch viele parallele Rohrleitungen geführt. Um diese Rohrleitungen herum befindet sich das Fernwärmewasser, das so erwärmt wird und mit etwa 130 Grad Celsius in das Netz fließt. »In den Haushalten kommt es fast mit dieser Temperatur an«, so Krenzer.

Aktuell werden in Bielefeld etwa 25.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt, sagt Birgit Jahnke. Außerdem produziert die MVA eine Strommenge, die zur Versorgung von etwa 58.000 Haushalten ausreicht.

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