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Heimat-Preis für Historischen Verein – Die Geschichte erhellen

Aktuell und faktenbasiert

Bielefeld (WB).Für seine Beiträge zur Heimatpflege ist der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg am Donnerstag von Oberbürgermeister Pit Clausen mit dem Heimat-Preis ausgezeichnet worden. Verbunden damit ist ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro.

Sabine Schulze

Preisverleihung mit coronabedingter Distanz: Oberbürgermeister Pit Clausen, Dr. Jürgen Büschenfeld, Prof. Dr. Ulrich Andermann, Dr. Bärbel Sunderbrink und Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus (von links). Foto: Thomas F. Starke

Heimat – das ist für Oberbürgermeister Pit Clausen, wie er zugestand, ein schillernder Begriff, der ihn an Luis Trenker und den röhrenden Hirsch an der Wand denken lässt. Aber, so Clausen, der Begriff Heimat sei auch ak­tuell, zudem verbunden mit Werten und Haltungen. Und Heimatpflege beinhalte stets auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, mit Erfahrungen und eigenem Erleben. Insofern, würdigte der Oberbürgermeister, sei die Arbeit des Historischen Vereins hochpolitisch: Der Blick geht nicht nur rückwärts, sondern der Verein setzt sich auch mit der Zeitgeschichte auseinander. Geschichtsbewusstsein zu schaffen, genau hinzuschauen und aus Geschichte zu lernen – auch das ist ein Anspruch. Clausens Wunsch: „Weiter so! Geben Sie Impulse und Anstöße.“

Nicht rückwärtsgewandt

Für den Verein bedankte sich dessen Vorsitzender Prof. Dr. Ulrich Andermann für die Auszeichnung mit dem Heimat-Preis und schrieb ihn ausdrücklich den Leistungen seiner Vorgänger Eberhard Delius, Prof. Dr. Reinhard Vogelsang und Dr. Johannes Altenberend sowie den Mitgliedern, die Arbeitsgemeinschaften leiten, zu.

In der Tat ist der Begriff Heimat schon bei der Gründung am 27. Mai 1876 verankert worden: „Der Verein tritt für den Heimatgedanken und ein vertieftes Geschichtsverständnis in der Öffentlichkeit ein“, zitierte Andermann aus der Satzung. Veröffentlichungen (wie der Jahresbericht oder die halbjährlich erscheinenden Ravensberger Blätter), Vorträge, Tagungen, Führungen und Exkursionen tragen dazu bei.

Dr. Bärbel Sunderbrink, die eine „Vorstellungsrunde“ der Arbeitsgemeinschaften moderierte, betonte die faktenbasierte Arbeit des Vereins, der zudem bemüht ist, auch junge geschichtsinteressierte Menschen anzusprechen. Dazu trägt etwa Dr. Jürgen Büschenfeld bei, der an der Uni Bielefeld lehrt und forscht und Studierende in Projekte vor Ort einbindet. „Lokal- und Regionalgeschichte ist die vermeintlich ‘kleine Geschichte’, in der man aber das Große suchen und sehen kann“, stellte er klar. In den Ravensberger Blättern finden Studierende und Vereinsmitglieder ein Forum für Veröffentlichungen.

Handfeste Erfolge

Von der Römerzeit bis in die Zeitgeschichte reichen die Interessen des Vereins, Clausen zeigte sich über die Bandbreite beeindruckt. Altenberend stellte klar, dass der Historische Verein auch sehr viel Praktisches für die Stadt geleistet habe – oft gegen Widerstände: „Ohne den Verein gäbe es kein Historisches Museum, keinen Wiederaufbau des abgebrannten Bauernhausmuseums, keine Grabungen an der Welle, keine Sparrenburg in der jetzigen Form und keine Rekonstruktionen der Kapelle Jostberg oder der Grundmauern von Meyer zu Müdehorst!“ Für ihn resultiert daraus die Verpflichtung, sich weiter einzumischen und nicht nur auf Politik und Verwaltung zu vertrauen.

Insgesamt hat der Rat der Stadt im April einstimmig drei Heimat-Preise zugesprochen: Neben dem Historischen Verein in der Kategorie Heimatpflege wurden in der Kategorie Soziales die Bahnhofsmission und in der Kategorie Kultur das Alarm-Theater ausgezeichnet.

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