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Vizepräsident der Landeskirche, geht in den Ruhestand

Alberz Henz: »Die Zeit war beglückend«

Bielefeld (WB). Acht Jahre war Albert Henz Theologischer Vizepräsident der westfälischen Landeskirche mit Sitz in Bielefeld. Ende des Monats scheidet der 63-Jährige aus dem Amt. Im Gespräch mit Bernd Bexte zieht er Bilanz.

Albert Henz im Landeskirchenamt in Bielefeld: Der Stellvertreter von Präses Annette Kurschus geht in den Ruhestand. Acht Jahre war er Theologischer Vizepräsident der Landeskirche. Zuvor war der Iserlohner neun Jahre Superintendent des dortigen Kirchenkreises. Henz ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Neuer Vize der Landeskirche wird Ulf Schlüter (Dortmund). Foto:

Acht Jahre waren Sie im Amt. Eine lange Zeit?

Albert Henz: Vor allem eine intensive Zeit. Daher sind die acht Jahre rückblickend eigentlich schnell vergangen.

Als Sie 2010 in Ihr Amt kamen, sah die Welt noch anders aus. Wie haben die Veränderungen die Arbeit der Kirche geprägt?

Henz: Als ich anfing, hatten wir medial ein schlechtes Image. Das hing mit Missbrauchsvorwürfen, Staatsleistungen, Kapitalertragssteuer zusammen. Aber es ist anders geworden. Das hat zu tun mit dem Engagement in der Flüchtlingshilfe, das weiterhin sehr stark ist. Das hat uns zumindest zu Beginn der starken Zuwanderung 2015 positive Schlagzeilen gebracht. Diese Zeit war für mich beglückend. Ähnlich war es mit dem Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr. Da hat es viel Interesse gegeben und auch Zustimmung. Die Gottesdienste an dem Tag waren voll wie an Heiligabend, so etwas hatten wir schon lange nicht mehr.

Aber gerade beim Thema Flüchtlinge hat sich die Stimmung gedreht. Wie merken Sie das?

Henz: Es gibt bei vielen Ängste vor Überfremdung. Da kommt dann die Rückfrage aus der Gesellschaft ›Was trägt eigentlich auch aus unseren eigenen Traditionen?‹. Das war vorher kein Thema. Ja, und jetzt ist die Stimmung tatsächlich gekippt. Wir müssen klar machen, dass es immer noch eine ganze Menge Menschen gibt, die selbst helfen wollen und wissen, dass wir Migration brauchen und gestalten müssen – die aber gleichzeitig die Probleme nicht verschweigen. Da haben wir als Kirche in der Diskussion eine Rolle der Vermittlung, und wir werden auch gehört.

»Die Kirche in jedem Dorf kann es nicht mehr geben«

Haben Sie sich zu Beginn Ihrer Amtszeit Ziele gesetzt, die Sie erreichen wollten und haben Sie die erreicht?

Henz: Wir haben unsere Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut und intensiviert – vor allem auch online. Mir war auch wichtig, dass wir parteipolitisch nicht zu einseitig unterwegs sind. Das ist uns in der Zusammensetzung unseres politischen Ausschusses gelungen. Uns ist es aber nicht gelungen, in der jetzt aufgeheizten Diskussion zum Thema Flüchtlinge eine differenzierte Diskussion durchzusetzen. Auch das Thema Klima ist noch eine große Baustelle. Beim eigenen Gebäudemanagement sind wir allerdings gut vorangekommen. Auch die Frage, was ist für uns als Kirche unverzichtbar und wo müssen wir uns verändern, ist zwischendurch ein bisschen ins Stocken geraten, da es nach großen Kirchensteuereinbrüchen 2004 und 2005 in den letzten Jahren ja deutlich besser lief. Aber zurzeit werden die Weichenstellungen für die Zukunft gerade wieder neu und intensiv diskutiert.

Also geht es weiter ums Schrumpfen?

Henz: Das ist so. Wir haben sinkende Mitgliederzahlen. Die Kirche in jedem Dorf kann es nicht mehr geben. Damit dürfen wir aber nicht nur resignativ umgehen. Denn das Festhalten am Bestehenden verzehrt viel Energie. Es geht um Haltungen und neue Formate, um mit Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen in Kontakt zu kommen, gerade mit den jüngeren. Vielen Gemeinden sind da aber schon jetzt auf einem guten Weg.

Und auf Landeskirchenebene? Wird man da auch mit anderen zusammenrücken müssen?

Henz: Ich gehe davon aus, dass sich da in Nordrhein-Westfalen vorerst nichts ändern wird. Aber die Zusammenarbeit ist ja bereits viel intensiver geworden, wir haben beispielsweise eine gemeinsame Pfarreraus- und -fortbildung.Was es in der politischen Debatte schwierig macht, ist die Tatsache, dass es in NRW drei evangelische Landeskirchen und fünf katholische Bistümer gibt und die immer wieder miteinander ins Gespräch kommen müssen. Das kann mühsam sein, auch für die Abstimmung mit der Politik.

»Man würde viele Traditionen aufgeben«

Also wäre eine evangelische Landeskirche für NRW praktikabler?

Henz: Ja und nein. Praktikabler vielleicht, aber es gibt schon entscheidende Mentalitätsunterschiede und man würde viele Traditionen aufgeben. Es wäre aber tatsächlich gut, wenn wir in Westfalen, Lippe und dem Rheinland noch verbindlichere Formen der Absprache finden könnten.

Wie hat sich das Verhältnis zur katholischen Kirche entwickelt?

Henz: Deutlich positiv. Da hat auch das Reformationsjubiläum nicht gebremst, wo es doch Ängste gab, damit würde die katholische Kirche abgewatscht. Auf dem gemeinsamen Weg zum jetzt beginnenden konfessionsübergreifenden Religionsunterricht haben wir beispielsweise gut mit dem Erzbistum Paderborn sowie den Bistümern Münster und Essen zusammengearbeitet. Wir haben aber auch viele ökumenische Akzente von Seiten der Basis erlebt. Ich gehe übrigens davon aus, dass sich die Bischöfe in unserer Region in der Frage der Eucharistie konfessionsverschiedener Paare anders verhalten werden, als dies zurzeit von Rom vorgegeben wird.

Was werden Sie künftig mit ihrer neu gewonnenen freien Zeit anfangen?

Henz: Ich werde mich musikalisch mehr betätigen. Ich spiele Klavier, aber auch etwas Gitarre, Orgel und neuerdings Trompete. Ich werde mich aber auch in einem kirchlichen Altenheim in meiner Nachbarschaft in Iserlohn engagieren. Ich möchte dort ein Gottesdienstangebot aufbauen, das zu einem kirchlichen Ort für das ganze Quartier werden kann. Außerdem möchte ich für unsere Kirchenzeitung ›Unsere Kirche‹ einige Texte schreiben und kirchliche Reisen anbieten. Und natürlich werde ich mit meiner Frau häufig unsere Kinder besuchen, die über ganz Deutschland verteilt leben.

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