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Bielefelder Veranstaltungsbranche macht auf ihre Misere aufmerksam

Alle sitzen im selben sinkenden Boot

Bielefeld (WB).

Seit fast einem Jahr steht die Veranstaltungsbranche still. Davon betroffen sind nicht nur die Künstlerinnen und Künstler, sondern eine Vielzahl von Menschen, die im Hintergrund arbeiten: Fotografen, Thekenkräfte, Caterer, Floristen, Hoteliers und Gastronomen, Clubbetreiber, Sicherheitsunternehmer und viele mehr – sie alle sind betroffen und in ihrer Existenz bedroht.

Uta Jostwerner 

Das Kulturamt hat den Kulturgesichtern und den Kollegen von der Initiative Kultur Cookies einen Schauraum am Kesselbrink zur Verfügung gestellt. Darüber freuen sich Sigrid Förster (von links) Sandra Koch und Sarah Stücker. Foto: Bernhard Pierel

Um auf die prekäre Lage und auf die Stille in der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen, wurde im Herbst vergangenen Jahres die bundesweite Aktion „Kulturgesichter – ohne uns ist es still“ ins Leben gerufen. In einer konzertierten Aktion hatten sich Vertreter der Veranstaltungsbranche im Lokschuppen fotografieren lassen. Nachdem die Kulturgesichter in den sozialen Medien veröffentlicht wurden, sind sie nun auch im öffentlichen Raum auf großen Plakatwänden sowie im Schaufenster eines leerstehenden Ladenlokals an der Friedrich-Ebert-Straße 9 zu bewundern.

Zu sehen sind 182 Gesichter, die allesamt mit der Veranstaltungsbranche zu tun haben und coronabedingt seit knapp einem Jahr ohne Arbeit und Einnahmen sind. „Langsam wird die Situation gefährlich“, betont Sandra Koch, eine der zahlreichen Initiatorinnen des Projekts „Kulturgesichter“. Private Rücklagen seien aufgebraucht und noch immer nicht alle Hilfen ausgezahlt.

Mareike Wegener engagiert sich für die Initiative Kultur Cookies. Eine Vitrine am Kesselbrink ist mit Cookies geschmückt. Foto: Bernhard Pierel

„Und das Ganze kann sich noch über Monate hinziehen“, sagt Mareike Wegener, die sich bei den Kultur Cookies engagiert. Wie berichtet, handelt es sich dabei um eine Unterstützungsinitiative für die Kulturszene. Gemeint ist zum einen eine Internet-Plattform, über die Konzerte und Kulturveranstaltungen gestreamt werden können. Zum anderen hat die Bäckerei Lichtermann-Pollmeier einen Schokoladentaler kreiert, der in ihren Filialen für 2 Euro verkauft wird. Jeweils 50 Cent davon wandert in einen Kulturfonds, mit dem Kunst- und Kulturschaffende in der Zeit der wirtschaftlichen Not unterstützt werden sollen.

Um noch einmal auf diese Solidaraktion hinzuweisen, wurde neben dem Ausstellungsraum eine Glasvitrine mit Kultur Cookies geschmückt. „Wir wollen einfach wieder arbeiten. Es ist doch etwas anderes, ob man ein Konzert in einem leeren Saal oder vor Publikum gibt. Der Resonanzraum fehlt uns“, beschreibt Mareike Wegener ein weiteres Dilemma der Branche, die ganz besonders stark von der Interaktion zwischen Künstler und Publikum lebte.

Vertreter und Vertreterinnen der Veranstaltungsbranche aus Bielefeld sind auf den Plakaten zu sehen. Foto: Bernhard Pierel

„Wir alle sitzen im selben sinkenden Boot“, verdeutlicht Sarah Stücker, Mitinhaberin der Veranstaltungsfirma Provisuell, die sich auf Projektionen und Lichtshows spezialisiert hat. Sobald der Frühling einzieht, will Provisuell die Kulturgesichter an die Fassaden öffentlicher Gebäude projizieren. „Leider dürfen wir die Sparrenburg nicht mit einbeziehen. Das lässt Pit Clausen nicht zu. Da beißt man beim Oberbürgermeister auf Granit“, bedauert Sarah Stücker.

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