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Gerade vom K2 zurück, bricht die Bielefelderin Anja Blacha ins nächste Abenteuer auf

Alleine zum Südpol

Bielefeld (WB). Samstag geht’s los. Zu Fuß, auf Skiern. 1400 Kilometer durch Schnee und Eis. Alleine, mit einem schweren Schlitten im Rücken. 60 Tage lang. Bis zum Südpol.

Christian Althoff

»Mich reizt die unendliche Weite der Antarktis«, sagt die Bielefelderin Anja Blacha. Am Samstag bricht sie zu ihrem nächsten Abenteuer auf, bei dem sie auch gefriergetrocknetes Essen (unten rechts) verspeisen wird, das mit geschmolzenem Schnee aufgekocht und mit Butter verfeinert wird. Foto:

»Klar sind meine Schwester und meine Eltern besorgt«, sagt die Bielefelderin Anja Blacha (29), die seit 2016 in Zürich lebt. »Sie fürchten, dass ich im Notfall nicht schnell genug Hilfe bekomme.«

Als 27-Jährige ging es auf die höchsten Berge aller Kontinente

Anja Blacha arbeitet beim Schweizer Telekomunternehmen Swisscom, aber in ihrer Freizeit ist sie Abenteurerin. Keine, die ihren Verstand ausschaltet. Sie plant, sie trainiert, sie weiß um Risiken. Als 27-Jährige erklomm sie die höchsten Berge aller Kontinente , und im August bezwang sie als erste Deutsche den K2 .

Jetzt ist der Südpol dran. »Mich reizt die unendliche Weite der Antarktis. Da gibt es keine Lebewesen. Da ist alles so flach, dass man kein Echo hört«, sagt die Frau, die ihrer Vita zufolge in Mannheim, Berkeley, Südkorea und London Wirtschaft und Philosophie studiert hat.

In den Bergen sei ihr Leben von Steinschlägen und Lawinen bedroht, sagt Anja Blacha, in der Antarktis sei es das Wetter. »Da gibt es keinen Schutz. Ich muss im Ernstfall schnell einen Schneewall errichten und mein Zelt sichern.«

Im russischen Frachtflugzeug auf die Berkner-Insel

Die 29-Jährige ist bereits in Chile. Ein russisches Frachtflugzeug nimmt sie und ihre Ausrüstung am Samstag mit auf die Berkner-Insel. Von dort lässt sich die Westfälin mit einer »Twin Otter«, die ein Fahrwerk aus Skiern hat, an die Küste der Antarktis fliegen. »Das wird ein besonderer Moment sein, wenn die Maschine wieder wegfliegt und ich alleine in der Weite zurückbleibe«, sagt Anja Blacha.

Kamera, Satellitentelefone und Notsender dicht am Körper

Im Gegensatz zu anderen Abenteurern hat sie keine Lebensmitteldepots auf der Strecke anlegen lassen und eine besonders lange Route gewählt. Alles, was sie voraussichtlich braucht, hat sie dabei – Kamera, Satellitentelefone und Notsender dicht am Körper, um die Akkus zu wärmen. Und alles andere wie das Solar-Panel zur Stromerzeugung, Medikamente und Essen auf dem Schlitten. Die Frau hat das stundenlange Ziehen einer Last seit Jahresbeginn trainiert. In Grönland mit einem Schlitten und in Zürich mit drei Autoreifen, die sie hinter sich herschleifte. Auch mal drei bis vier Stunden lang. »Einmal hat ein Taxifahrer gestoppt, der glaubte, ich hätte eine Panne.«

Ins Gepäck kommen Schneebrille, Satellitentelefone, GPS-Empfänger, Kompass und Notfallsender. Foto:

Eine Fotostrecke zu Anja Blachas Abenteuer auf dem K2

Etwa 100 Kilogramm wiegt der Schlitten samt Ladung. Zwei Drittel macht das Essen aus. Für jeden Tag ein Kilogramm plus sechs Reserverationen. Alles ist genau berechnet. »Zum Frühstück gibt’s Haferflocken mit Kokosmilch, die decken 20 Prozent meines Tagesbedarfs an Kalorien.« Während des Marsches isst Anja Blacha Nüsse und getrocknete Früchte, die 50 Prozent des Bedarfs decken sollen. »Und abends koche ich gefriergetrocknetes Essen, das ich mit Butter verfeinere.« Außerdem steckt ein Stück Christstollen im Gepäck – für Weihnachten.

Temperaturen können bis auf minus 45 Grad fallen

Über der Antarktis geht die Sonne nie unter, weshalb sich Anja Blacha ihre Zeit frei einteilen kann. Im Moment ist dort Sommer – mit Temperaturen von minus acht Grad, die aber auf bis zu minus 45 Grad fallen können. »Warme Kleidung ist essentiell«, sagt die 29-Jährige. Auf dem Körper trägt sie Sachen aus Merinowolle, die wärmt und Geruchsbildung bis zu einem bestimmten Grad unterbindet. Denn für Wechselsachen ist kaum Platz.

Ihre Positionsdaten wird Anja Blacha jeden Stunde an eine Sicherheitsorganisation durchgeben. Und häufiger, wenn sie ein Gebiet mit Gletscherspalten durchquert. Jeden Abend meldet sie zudem ihren Vorrat an Brennstoff und Lebensmitteln. »Wenn die Leute zwei Tage nichts von mir hören, starten sie eine Rettungsaktion«, sagt sie.

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