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Am Bielefelder Stadttheater ist der Probenbetrieb wieder angelaufen

Alles auf Grün – Proben in Zeiten von Corona

Bielefeld (WB). Der grüne Punkt gilt gemeinhin als Zeichen für Umweltverträglichkeit. In Zeiten von Corona fällt ihm bisweilen eine ganz neue Bedeutung zu: Auf der Bühne des Stadttheaters markieren grüne Punkte einen Abstandsbereich von zwei Metern.

Uta Jostwerner

Vorbereitungen: Bühnenarbeiter Kaare Lundsted klebt grüne Punkte auf den Boden der Stadttheater-Bühne. Foto: Sarah Jonek (Theater Bielefeld)

Schauspieler sollten diesen Abstand unbedingt wahren. Für Sänger gilt derzeit eine Sechs-Meter-Regelung, und Blasinstrumente müssen sogar einen Mindestab­stand von zwölf Metern einhalten. „Das ist im Orchestergraben nicht zu machen. Deshalb spielt die Band im Orchesterprobenraum. Die Musik wird live in die Inszenierung eingespielt, wobei Musicalkapellmeister Bill Murta über einen Bildschirm für alle Akteure auf der Bühne zu sehen ist. Die moderne Technik macht’s möglich“, erklärt Michael Heicks, der zur Zeit die Proben zum spartenübergreifenden Stück „Black Rider“ leitet.

Die Premiere sollte ursprünglich am 23. Mai im Stadttheater über die Bühne gehen – das Regiekonzept stand, das Bühnenbild war fertig. Dann kam der Shutdown und mit ihm das vorzeitige Ende der Spielzeit. Black Rider soll nun – so die Infektionszahlen nicht wieder in die Höhe schnellen – im Herbst an den Start gehen. Seit dem 11. Mai sind Proben an Theatern unter entsprechenden Hygiene- und Abstandsregelungen wieder erlaubt.

Höchste Zeit, eine Inszenierung in Angriff zu nehmen, die unter Corona-Auflagen etwas, aber nicht viel anders ausfallen wird als ursprünglich geplant. „Die Wände und Böden des Bühnenbildes werden von Maschinenzügen bewegt. Dafür brauchen wir schon mal keine Bühnenarbeiter. Des Weiteren arbeiten wir viel mit Videos“, sagt Michael Heicks. Das bewegte Bild kann Nähe erzeugen, wo körperlich keine Nähe erlaubt ist. „Wenn zum Beispiel Kätchen und Wilhelm sich finden, lassen wir sie über Video zusammenkommen“, erklärt Heicks.

Mehr als drei Tänzer dürfen sich nie im Tanzsaal befinden

Zu den Schauspielern und Sängern gesellen sich noch drei Tänzer und der Chor, der aktuell seine Texte bei den Proben nur spricht. Denn Gesang in Gruppen ist nach der neuen Coronaschutzverordnung vorerst noch untersagt. „Wenn alle Akteure auf der Bühne stehen, sind das zwölf Personen. Maximal dürfen es nicht mehr als 15 sein“, berichtet der regieführende Intendant.

Derweil laufen im Tanzsaal so genannte Recherchearbeiten für die Uraufführung von „Moby Dick“. Mehr als drei Tänzer gleichzeitig dürfen sich nie im Tanzsaal befinden. „Wir arbeiten in drei Gruppen. Eine ist morgens dran, die andere am Nachmittag und eine Gruppe schaut über Zoom den anderen zu, um sich über Bewegungsaufläufe zu informieren“, erzählt Spartenleiter Simone Sandroni, der zu den Klängen von Wagners Fliegendem Holländer die Jagd eröffnet.

Adrien Ursulet hängt an einem Tau und lässt sich von Alexandre Nodari auf dem wassergetränkten Boden hin- und herziehen. Da werden Urgewalten und lebensfeindliche Elemente spürbar, und dennoch kann der Abstand eingehalten werden. Proben und Inszenieren in Zeiten von Corona fordert die Kreativität aller Beteiligter mehr denn je heraus.

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