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Folge 7: Kern-Stadtbezirk gehört bereits seit 1930 zu Bielefeld

Als Stieghorst die Grenzen veränderte

Bielefeld

1930 wurde Bielefeld zur Großstadt mit 120.000 Einwohnern. Grund: die Eingemeindungen von Gellershagen, Schildesche, Sieker und Stieghorst. „Ja, Stieghorst gehörte schon Jahrzehnte vor der Kommunalen Neuordnung zu Bielefeld“, sagt Gerhard Henrichsmeier (83), der bis zur Kommunalwahl 2020 viele Jahre Ratsmitglied und Bezirksbürgermeister war. Bereits 1975, in der allerersten Bezirksvertretung, war er Mitglied – und hat keine einzige Sitzung versäumt.

Von Burgit Hörttrich

Gerhard Henrichsmeier (83), langjähriges Ratsmitglied und Bezirksbürgermeister von Stieghorst, erinnert sich daran, dass nach der Kommunalen Neuordnung die Bezirksvertretungen an wechselnden Orten tagten, unter anderem in der alten Hillegosser Schule. Heute ist dort eine Außenstelle des Bezirksamtes Heepen untergebracht. Foto: Burgit Hörttrich

Alle Folgen der Serie 50 Jahre „Bielefeld-Gesetz“ - Vom Kreis zur Großstadt sind auf unserer Sonderseite zu finden.

Henrichsmeier weist aber darauf hin, dass nur das alte, ursprüngliche Stieghorst 1930 zu einem Bielefelder Stadtteil wurde: „Ubbedissen, Hillegossen und Lämershagen blieben selbstständig.“ Mit der Gebietsreform sei dann noch Obersieker dazu gekommen: „Sieker fiel an Mitte.“

Stieghorst sei als Wohnort gefragt gewesen, nachdem 1904 die Straßenbahn bis Sieker verkehrte. Politik gemacht für Stieghorst aber wurde weit weg im Bielefelder Rathaus. Henrichsmeier: „Deshalb bedeutete die Gebietsreform für uns mehr Eigenständigkeit durch eine eigene Bezirksvertretung.“

Ein eigenes Bezirksamt bekam Stieghorst aber nie: Verwaltet wird der Stadtteil vom Bezirksamt Heepen. Bis zur Einweihung der Gesamtschule habe die Bezirksvertretung denn auch keinen festen Tagungsort gehabt. Die Gemeinderäte von Hillegossen, Ubbedissen und Lämershagen trafen sich vor der Kommunalen Neuordnung in lokalen Gaststätten, die Stieghorster tagten in Schulen – immer im Wechsel.

Denn Schulen – die gab es in Stieghorst. Dafür habe schon sein Großvater August gesorgt, der von 1888 bis 1918 Gemeindevorsteher gewesen sei: „Der Gemeinderat kam in der Gaststätte Kriemelmann zusammen.“ Zweimal pro Woche sei sein Großvater zum Amt Heepen gegangen, um dort neue Unterlagen abzugeben. Gerhard Henrichsmeier: „Er hatte eine gestochene Handschrift.“

Nach der Eingliederung 1930 habe die Stieghorster Bevölkerung die Kommunale Neuordnung zum 1. Januar 1973 gelassen gesehen: „Letztendlich war das positiv für die Entwicklung, nach dem Beschluss waren hier eigentlich alle zufrieden.“ Ein eigenes „Bezirksrathaus“ habe man nie vermisst. Henrichsmeier: „Unverzichtbar aber ist die Außenstelle des Bezirksamtes Heepen hier vor Ort – Digitalisierung hin oder her.“ Für Henrichsmeier ist die Außenstelle nicht zuletzt auch ein „Ort für Gespräche“.

Serie „Vom Kreis zur Großstadt“

Er selbst habe 1969 zum ersten Mal als Stieghorster Vertreter für den Bielefelder Rat kandidiert. Das habe nicht geklappt. Erst zehn Jahre später wurde Henrichsmeier Ratsherr und konnte seinen Stadtbezirk in dem Gremium vertreten, um, wie er sagt, „das Beste für den Stadtteil zu erreichen“.

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