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Prozess am Landgericht gegen Bielefelder – Opfer ist 88 Jahre alt

Altenpfleger gesteht Vergewaltigung

Bielefeld

Ein ehemaliger Altenpfleger (35) hat vor dem Landgericht gestanden, während seines Dienstes eine heute 88 Jahre alte Rentnerin vergewaltigt zu haben. „Ich habe am 5. April eine schreckliche Tat begangen“, sagte der Bielefelder. Das Verbrechen geschah vergangenes Jahr in der Schildescher Wohnung der unter beginnender Demenz leidenden Seniorin.

Jens Heinze

Das Landgericht in Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Zweieinhalb Monate nach der Vergewaltigung stellte sich der Mann, der aktuell in Untersuchungshaft sitzt, der Polizei. „Mein Gewissen hat mich geplagt. Ich habe den Druck nicht mehr ausgehalten“, erklärte der Angeklagte den Richtern der 4. Großen Strafkammer. „Ich wollte das nicht. Es tut mir unendlich leid, einen alten Menschen so schwer geschädigt zu haben.“

Der ehemalige Altenpfleger einer namhaften mobilen Seniorenhilfe-Einrichtung („Ich habe 15 Jahre in dem Beruf gearbeitet und mir nie Fehler erlaubt.“) blieb dem Gericht allerdings eine schlüssige Erklärung für die Tat schuldig. Auf mehrfache Fragen des Vorsitzenden Richters Carsten Glashörster konnte der Bielefelder nicht sagen, warum er am Morgen des 5. April 2020 im Bett der Rentnerin über die 88-Jährige hergefallen war. Nach der Vergewaltigung habe er die Seniorin ins Badezimmer geführt und gewaschen, schilderte der Angeklagte seine Erinnerung an die Tat. Das Opfer habe nichts gesagt.

Er habe sich verleiten lassen und einen Moment nicht aufgepasst, versuchte der Angeklagte sich zu rechtfertigen. Dabei stritt der Mann ab, dass er sich zu der deutlich älteren Frauen hingezogen fühle. Er habe vor der Tat weder Drogen noch Alkohol konsumiert, beteuerte der 35-Jährige.

Zuvor hatte sich der Ex-Pfleger zu seinem bisherigen Lebenslauf geäußert. Demnach wuchs der Bielefelder als eines von 13 Adoptivkindern bei einem Akademiker-Ehepaar auf und wurde streng katholisch erzogen. Er habe eine schwierige Kindheit gehabt und mehrfach die Schule wechseln müssen, sagte der Angeklagte. Er sei von seinem Stiefvater wiederholt schwer verprügelt worden.

„Mein Vater hat mich so geschlagen, dass es in der Schule aufgefallen ist. Da hat man die Kriminalpolizei zu uns nach Hause geschickt.“ Der Mann sei mit seinen schulischen Leistungen nicht zufrieden gewesen. „Ich musste bis tief in die Nacht hin­ein lernen und jede schlechte Note fürchten, weil ich dafür Prügel bekommen habe“, sagte der Angeklagte dem Gericht.

Richter Glashörster deutete an, dass für den ehemaligen Pfleger statt einer Haftstrafe auch eine Unterbringung in der geschlossenen Gerichtspsychiatrie in Betracht kommen könnte. So soll der 35-Jährige bei der Polizei gesagt haben, dass er „Stimmen“ in seinem Kopf gehört habe, die ihm die Vergewaltigung der Rentnerin befohlen hätten.

Wegen „Stimmen“ im Kopf war der Bielefelder auch eine Zeit lang in der Bethel-Psychiatrie Gilead IV behandelt worden. Er habe sich fünf Tage nach der Vergewaltigung krank gemeldet und mit Alkohol betäubt, weil er wegen der Tat nicht mehr arbeiten konnte, sagte der Angeklagte. In der Bethel-Psychiatrie habe er den Ärzten später nur vorgespielt, „Stimmen“ zu hören, weil er sein Verbrechen nicht habe gestehen können.

Der Prozess am Landgericht wird fortgesetzt.

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