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43-Jähriger vergewaltigt beim Dienst in Bielefelder Senioreneinrichtung 84-Jährige

Altenpfleger muss ins Gefängnis

Bielefeld

Wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs einer hilfsbedürftigen Person hat ein Schöffengericht des Bielefelder Amtsgerichtes am Freitag einen ehemaligen Altenpfleger (43) zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Mann wurde für schuldig befunden, sich Anfang November 2019 an einer 84-Jährigen vergangen zu haben. Die Tat geschah in einem Seniorenheim in Sennestadt bei der morgendlichen Pflege der krebskranken Frau in ihrem Zimmer.

Jens Heinze

Symbolbild Schöffengericht. Foto: dpa

Der Angeklagte – er wurde von zwei Polizisten vorgeführt, weil er beim ersten Prozesstermin vor ein paar Wochen nicht erschienen war – sagte während der vierstündigen Verhandlung kein Wort zu den Vorwürfen. Dafür gaben eine Hauptkommissarin der hiesigen Kripo, die die missbrauchte 84-Jährige vernommen hatte, und Mitarbeiter des AWO-Heims umso tiefere Einblicke in das Geschehen im Herbst vor zwei Jahren. Das Opfer selbst konnte von Vorsitzender Richterin Astrid Salewski nicht mehr befragt werden. Die betagte Seniorin ist inzwischen verstorben.

Die Vergewaltigung im Herbst 2019 wurde bekannt, als sich die 84-Jährige Tage später einer Pflegehelferin des Heims anvertraute. Diese Mitarbeiterin informierte die Pflegedienstleitung, die wiederum sofort den damaligen Leiter der Senioreneinrichtung (ist jetzt in Rente) einschaltete. „Wir haben es mit Schutzbefohlenen zu tun. So etwas muss angezeigt werden“, bekräftigte der als Zeuge geladene ehemalige Chef, sofort Polizei und die Heimaufsicht alarmiert zu haben. Der Angeklagte, der als Aushilfe im Auftrag einer Zeitarbeitsfirma von Ende September bis Anfang Dezember 2019 zehn Wochen lang im Senioren-Zentrum tätig war, habe umgehend seinen Schlüssel abgeben müssen und sei des Hauses verwiesen worden.

Prozess gegen weiteren Altenpfleger vor dem Landgericht

Schlimmer Verdacht gegen einen ehemaligen Mitarbeiter einer namhaften mobilen Seniorenhilfe-Einrichtung: Der Bielefelder soll während seines Dienstes im Bielefelder Stadtteil Schildesche eine 88-jährige, allein stehende Rentnerin vergewaltigt haben. Die Tat am Morgen des 5. April vergangenen Jahres soll im Schlafzimmer der unter beginnender Demenz leidenden Seniorin stattgefunden haben. Seit Dezember wird dem inzwischen in U-Haft sitzendem Pfleger vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichtes der Prozess gemacht. Ende Februar wird das Urteil erwartet.

Die Vergewaltigung war nicht der erste sexuelle Übergriff des Altenpflegers, wurde beim Prozess bekannt. So soll der 43-Jährige, auf dessen Computer die Polizei nach einer Durchsuchung Pornobilder von Seniorinnen entdeckte, zuvor eine weitere Rentnerin in dem Sennestädter Heim sexuell bedrängt haben. Einen ähnlichen Vorfall soll es in einer zweiten Sennestädter Einrichtung gegeben haben, in dem der Mann tätig war.

Die Vernehmungsbeamtin der Kripo erinnerte sich im Zeugenstand, dass die vergewaltigte 84-Jährige eine „feine, ältere Dame“ gewesen sei: „Was sie mir erzählt hat, war klar und sehr glaubwürdig. Es war für sie eine unfassbare Demütigung.“

„Das ist so authentisch, dass wir gar keine Zweifel haben“, kommentierte Richterin Salewski in ihrer mündlichen Urteilsbegründung die schriftlich niedergelegte Aussage des Vergewaltigungsopfers.

Dem Antrag von Staatsanwalt Christoph Mackel, gegen den Altenpfleger ein lebenslanges Berufsverbot zu verhängen, kam das Gericht dagegen nicht nach. „Ein Berufsverbot wäre schön. Das geht aber nur in ganz engen rechtlichen Grenzen“, sagte die Richterin. Im Prinzip könne der Angeklagte, der jetzt von Hartz IV lebt, nie mehr in seinem erlernten Beruf arbeiten. Die Verurteilung stehe im Führungszeugnis, das Alten- und Pflegeheime von Bewerbern einfordern.

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