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Anwalt Rostek: »Zulassung der Klage zweifelhaft« – SPD-Chefin reagiert auf Kritik

Anklage wegen Untreue: Brinkmann weist Schuld von sich

Bielefeld (WB/MiS). Seit dieser Woche ist bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Bielefeld  Anklage wegen Untreue und Betrugs gegen den früheren Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Brinkmann erhoben hat. Dabei geht es vor allem um die Bezüge des früheren Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Gottschlich. Die Anklagebehörde beziffert den Gesamtschaden auf 264 037 Euro.

Ex-Stadtwerke-Chef Wolfgang Brinkmann Foto: Schwabe

Am Freitag hat sich Brinkmann erstmals gegenüber dieser Zeitung zur Anklage geäußert. »Ich habe ein reines Gewissen«, sagte Brinkmann. Zu keinem Zeitpunkt habe er sich persönlich bereichert. Zur Höhe der Bezüge des früheren Betriebsratsvorsitzenden gebe es unterschiedliche Auffassungen.

Brinkmanns Anwalt ist der Bielefelder Strafverteidiger Dr. Holger Rostek. Aus seiner Sicht ist die Zulassung der Anklage gegen Brinkmann vor dem Landgericht »mehr als zweifelhaft«. Ein hinreichender Tatverdacht für Untreue und Betrug läge nicht vor, ein Vorsatz sei nicht erkennbar.

Es sei zu einfach, Brinkmann als Geschäftsführer allein für mögliche Mängel im Unternehmen verantwortlich zu machen. »Er muss auch dem Rat von Mitarbeitern vertrauen können.«

Zwei Monate hat Rostek nun Zeit, auf die Anklage zu erwidern. Dann wird das Landgericht entscheiden, ob es zur Verhandlung kommt. Gegebenenfalls müssten auch noch weitere Zeugen gehört werden. »Es ist nicht selten, dass das Gericht Anklagen der Staatsanwaltschaft nicht zulässt«, ist die Einschätzung des Anwalts. Die Prüfung müsse abgewartet werden. Und falls es doch zu einer Verhandlung käme, dürfte dies erst in einigen Monaten der Fall sein. Für Rostek ist aber klar: »Die Vorwürfe gegen meinen Mandanten sind nicht zutreffend.«

CDU und Linke hatten gefordert, dass Brinkmann nach der Anklageerhebung sein Amt als SPD-Schatzmeister ruhen lassen müsse, die Liberalen forderten dies für seine Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Kunsthalle. »Ich bin gebeten worden, mich für einige Ehrenämter zur Verfügung zu stellen«, sagte Brinkmann dazu. »Wenn diejenigen, die mich gebeten haben, sagen, ich solle mich zurückziehen, werde ich auf die Mitarbeit verzichten.« Bisher sei dies nicht der Fall gewesen. Bielefelds SPD-Vorsitzende Dr. Wiebke Esdar erklärte: »Ich bin mir mit dem Schatzmeister der SPD einig, dass wir alle Verantwortung dafür tragen, das Ansehen der SPD zu schützen. Dementsprechend werden wir uns auch verhalten.« Dabei sei die SPD nicht auf den öffentlich erteilten Rat der politischen Konkurrenten angewiesen.

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