1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Anwohner fürchten Verkehrschaos

  8. >

Polnische Gemeinde will in St. Liborius im Bielefeld ér Westen einziehen – bis zu 1000 Gottesdienstbesucher

Anwohner fürchten Verkehrschaos

Bielefeld (WB). Für 20 Jahre hat das Erzbistum Paderborn die St.-Liborius-Kirche im Bielefelder Westen an die Katholisch Polnische Kirchengemeinde verpachtet. Die Anwohner im Bielefelder Westen zwischen Melanchthon- und Meindersstraße sind entsetzt. Sie fürchten ein Verkehrschaos, weil an Sonntagen bis zu 1000 Gottesdienstbesucher aus ganz OWL erwartet werden.

Michael Schläger

Die St.-Liborius-Kirche soll künftig von der Katholischen Polnischen Kirchengemeinde genutzt werden. Der Einzugsbereich der Gemeinde reicht über ganz OWL. Die Anwohner befürchten wegen der auswärtigen Besucher ein Verkehrschaos. Foto: Thomas F. Starke

Pachtvertrag über 20 Jahre

Doch die Möglichkeiten von Politik und Verwaltung einzugreifen, sind gering. Das stellte sich Donnerstagabend in der Bezirksvertretung Mitte heraus. Arne Steinriede vom städtischen Bauamt legte dar, dass es für das Kirchengelände einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan gebe. Durch den sei auch der Plan der polnischen Gemeinde gedeckt, auf dem Areal einen Parkplatz mit 54 Stellplätzen zu errichten. So soll verhindert werden, dass die Gottesdienstbesucher in den ohnehin engen Wohnstraßen nach Abstellmöglichkeiten für ihre Autos suchen.

Auch das Amt für Verkehr sieht wenig Handlungsbedarf. Es entstehe kein Durchgangsverkehr im Quartier, sondern ein Zielverkehr. Und das vielleicht dreimal in der Woche. Angezeigt sei, die Zufahrt zum Parkplatz über die Meindersstraße und zusätzlich über die Melanchthonstraße zu führen. Von dort aus gibt es eine Stichstraße zum Kirchengelände, die bisher nur als Zufahrt zu den dort befindlichen Wohnhäusern dient.

Kritik an Verwaltung

Für diese Feststellungen gab es reichlich Kritik an der Verwaltung. Ein Anwohner der Stichstraße erinnerte daran, dass nach dem Aufstieg von Arminia Bielefeld in die Erste Liga auch bei den Spielen in der nahen Schüco-Arena mit zusätzlichem Verkehr zu rechnen sei. „Wir haben dann alle zwei Wochen Arminia-Heimspiele, zusätzlich drei Mal am Sonntag Gottesdienstverkehr“, rechnete er vor. Denn die Gemeinde möchte die Gottesdienstzeiten wegen des hohen Andrangs splitten. Beklagt wurde von den Anwohnern, die inzwischen 180 Protestunterschriften eingereicht haben, zudem die mangelnde Informationspolitik von Kirche und Verwaltung.

Dem schloss sich auch Peter Ridder-Wilkens (Linke) an. Es sei ein Unding, dass die Katholische Kirche nicht das Gespräch mit den Anwohnern gesucht habe. Dieter Gutknecht (Grüne) warf Planungsdezernent Gregor Moss vor, nicht mit der Kirche und der polnischen Gemeinde über die Problematik der engen Straße gesprochen habe. „Mit jedem Investor wird das gemacht, hier ist es versäumt worden.“ Gutknecht brachte auch ins Gespräch, auf dem Gelände das Altenheim zu errichten, das eigentlich an der Weihestraße im Stadtbezirk Schildesche neu entstehen soll und dort wegen des notwendigen Baumeinschlags umstritten ist. Hartmut Meichsner (CDU) geht davon aus, dass sich das Gemeindeleben nicht auf die Gottesdienste beschränken, sondern zahlreiche weitere Aktivitäten umfassen werde. Frederik Suchla (SPD) forderte, dass die Gemeindepläne in das ohnehin beauftragte Verkehrskonzept für den Bielefelder Westen eingebunden werden. Dessen Ziel ist es eigentlich, den Autoverkehr im Quartier zu reduzieren.

Verkehrsgutachten beschlossen

Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD) fasste die Diskussion und die von SPD und Linken gestellten Anträge zusammen. Einstimmig beschlossen wurde schließlich, dass für den Bereich ein Verkehrsgutachten erstellt werden soll. Dessen Resultate sollen in das neue Verkehrskonzept für den Westen einfließen. Außerdem wurde die Verwaltung aufgefordert, mit Erzbistum und der Polnischen Gemeinde ein Gespräch über die zu erwartenden Probleme zu führen.

Startseite
ANZEIGE