Bund kürzt Vergütung für jede ausgegebene FFP2-Maske von sechs Euro auf 3,30 Euro

Apotheker sehen Vertrauen in die Politik erschüttert

Münster (WB)

Die Verteilung der FFP2-Masken kommt die Steuerzahler teuer zu stehen. In den Apotheken können sich Bürger, die zu den Risikogruppen gehören und entsprechende Coupons zugeschickt bekommen, die Masken gegen eine geringe Beteiligung abholen. Die Bundesregierung erstattet den Apotheken bisher sechs Euro pro Maske. Bei den 34 Millionen berechtigten Personen zahlt der Bund den Apotheken also 2,45 Milliarden Euro.

Andreas Schnadwinkel

Apotheker verdienen mit der Ausgabe der FFP2-Masken Geld. Zu viel Geld, finden Kritiker. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Daran regt sich heftige Kritik. Sogar bei einzelnen Apothekern. Hendrik Müller aus Obernkirchen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg hat im Dezember 40.000 Euro zusätzlich verdient. Sechs Euro erstattete der Bund pro Maske, 60 bis 70 Cent gab der Apotheker im Einkauf aus. „Die Vergütung von sechs Euro brutto ist völlig unangemessen und ein Skandal“, sagte der Apotheker der Zeitung „Die Welt“ und kündigte an, das Geld spenden zu wollen.

Auch die Opposition im Bundestag übt massive Kritik an dem Verfahren. „Ich halte diese sechs Euro als Erstattungspreis für absurd überhöht, weil wir es mit sehr, sehr deutlich niedrigeren Einkaufspreisen zu tun haben und der Aufschlag ausgesprochen hoch ist“, sagte die Grünen-Abgeordnete Maria Klein-Schmeink dem TV-Sender RTL.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat reagiert und die Erstattung für die Apotheken auf 3,30 Euro pro Maske gesenkt. Gelten soll das für alle Masken, die ab Mitte Februar ausgegeben werden. Das wiederum verärgert die Apotheker.

„Ab Mitte Dezember haben wir zusätzlich, gleichsam über Nacht, auch noch die Herkulesaufgabe angenommen, um aus dem Stand für 34 Millionen Risikopatienten FFP2-Masken zu beschaffen, diese vorzufinanzieren und abzugeben“, sagte Gabriele Regina Overwiening dem WESTFALEN-BLATT. Die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe betonte, dass die Apotheken „selbstverständlich auf Basis der zugesagten Vergütung und der Einkaufspreise im Dezember kalkuliert“ hätten.

Overwiening weiter: „Jetzt eine Honorarkürzung von etwa einem Drittel anzukündigen, ist für die Apothekerinnen und Apotheker ein fatales Signal und erschüttert ihr Vertrauen in die Zusagen der Politik.“

Unbestritten sei, dass die Einkaufspreise für FFP2-Masken gesunken seien. Das sei aber nicht zuletzt auch ein Ergebnis der millionenfachen Bestellungen aus den Apotheken im Dezember gewesen. „Wir haben mit für einen Preisverfall gesorgt, von dem jetzt viele andere profitieren“, sagte Overwiening.

Davon losgelöst gelte natürlich, dass die Versorgung von Risikopatienten und Grundsicherungsempfängern mit kostenfreien Schutzmasken ein richtiger und wichtiger Schritt sei, betonte Overwiening: „Sie zu gewährleisten, ist für die Apotheken auch ein Stück gesellschaftliche Verantwortung.“

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