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Räumung in Wuppertal wegen mangelnden Brandschutzes löst landesweite Debatte aus

Auch in OWL werden Häuser überprüft

Wuppertal/Bielefeld (WB). Nach der Räumung eines Hochhauses in Wuppertal hat eine Diskussion über den Brandschutz begonnen. Auch in OWL werden Häuser überprüft.

Bernd Bexte

Die Stadt Wuppertal hat den etwa 60 Jahre alten Turm des Hochhauses wegen Feuergefahr gesperrt. Foto: dpa

Wie berichtet, mussten 72 Bewohner eines elfstöckigen Hauses in Wuppertal auf Anordnung der Stadt ihre Wohnungen verlassen. Das Gebäude soll eine ähnliche Fassadendämmung haben wie der Londoner Grenfell Tower, in dem vor zwei Wochen bei einem Feuer mindestens 79 Menschen starben. Die Stadt Wuppertal will jetzt alle 70 Hochhäuser auf ihrem Gebiet untersuchen. So wollen es auch andere Kommunen halten, etwa Münster, Recklinghausen und Bielefeld. Dort prüft die Bauaufsicht, an welchen Hochhäusern zuletzt an den Fassaden gearbeitet wurde und welche Stoffe verarbeitet wurden.

Nach Angaben der Feuerwehr Bielefeld geht es um 24 Gebäude. Falls es nicht in jüngster Vergangenheit eine Kontrolle gegeben habe, würden die Häuser nun vor Ende des eigentlich Prüfintervalls (fünf oder sechs Jahre) unter die Lupe genommen. Von der Stadt Paderborn – hier gibt es unter anderem das 50 Meter hohe Arosa-Hotel – war keine Stellungnahme zu erhalten.

Akuten Handlungsbedarf zur Überprüfung gebe es nicht

Die Stadt Herford will vorsorglich die Eigentümer von Immobilien mit vier und mehr Geschossen anschreiben und abfragen, ob die Dämmung vorschriftsgemäß erfolgt und zugelassenes Dämmmaterial verwendet worden seien. Einen akuten Handlungsbedarf zur Überprüfung von Gebäuden gebe es vor Ort aber nicht. In den meisten OWL-Kommunen gibt es überhaupt keine Hochhäuser. Als solche gelten Gebäude ab einer Höhe von 22 Metern. Nur bis dahin reichen die Einsatzgeräte der Feuerwehr. Ab 22 Metern sind nicht-brennbare Fassaden vorgeschrieben.

In Wuppertal dürfen die Mieter des betroffenen Hauses bis auf weiteres nicht mehr nach Hause zurückkehren. Die Stadt stellt Ersatzwohnungen bereit. Die Bewohner sollen erst zurückkehren können, wenn die Fassadendämmung aus brennbarem Isoliermaterial und einer hölzernen Unterkonstruktion entfernt worden ist. »Es ist eine einschneidende Maßnahme für die Menschen«, erklärt Baudezernent Frank Meyer. »Aber in Kenntnis von London wurde eine Neubewertung der Gefahrenlage notwendig.«

Christoph Schöneborn, Geschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in NRW (VdF), hält die Kontrollen für sinnvoll. »Es ist gut, dass die Bauaufsicht und die Brandschutzdienstellen aktiv werden«, sagt er dem WESTFALEN-BLATT. Viele Mängel seien auf den ersten Blick nicht sichtbar. Er warnt jedoch vor Panikmache. »Wir gehen nicht von weiteren Extremfällen wie in Wuppertal aus.«

Zwei baulich getrennte Rettungswege vorgeschrieben

Aber nicht nur Hochhäuser, auch Gebäude unterhalb der 22-Meter-Grenze könnten Risiken bergen. »Eigentlich müssten die auch untersucht werden.« Diese Häuser hat auch der Eigentümerverband Haus & Grund NRW im Blick. Hier sei die Politik in der Verantwortung. Bei vielen Gebäuden in NRW unterhalb der Hochhausgrenze sei brennbares Dämmmaterial verbaut, sagt Geschäftsführer Erik Uwe Amaya. »Die energetischen Modernisierungen waren politisch gewollt.«

Baufirmen hätten dabei Materialien verwendet, die brennbar, aber rechtlich zulässig seien. Für eine erneute Sanierung der Häuser ohne brennbare Dämmstoffe solle die Politik finanzielle Lösungen anbieten. Andernfalls sehe er hohe Kosten auf Vermieter und somit auch die Mieter zukommen.

Bei Hochhäusern sind zwei baulich getrennte Rettungswege vorgeschrieben, ein Treppenhaus mit Überdrucklüftung, damit es nicht verrauchen kann, und ab 30 Metern Gebäudehöhe ein Feuerwehraufzug, ebenfalls mit Überdrucklüftung.

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