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Verkehrsversuch: Feuerwehr rechnet mit Zeitverzögerungen und Umwegen – Polizei prüft neue Situation

Auf dem Jahnplatz wird es eng für die Retter

Bielefeld  (WB). Der Jahnplatz ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in der Stadt für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Wie gehen die Einsatzkräfte damit um, dass künftig auch für sie je Fahrtrichtung eine Spur entfällt? »Es wird sicherlich zu Zeitverzögerungen kommen«, sagt stellvertretender Feuerwehrchef Hans-Dieter Mühlenweg.

Jens Heinze

Wenn die Feuerwehr über den Jahnplatz muss. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Hintergrund: Es gibt Tage, da fährt gefühlt alle fünf Minuten ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn in eine Richtung. Der Löschzug der Berufsfeuerwehr ist wegen eines Brandmelderalarms unterwegs nach Bethel, Rettungswagen und Notarzt kommen aus Richtung Gilead-Kliniken oder sind mit Patienten im Auto auf dem Weg dahin, die Streifenwagenbesatzungen der Polizei eilen zu einem Unfall. Und manchmal sieht man die Elitepolizisten vom SEK in ihren PS-starken Zivilwagen.

»Wir müssen erst einmal schauen und prüfen, wie wir damit zurecht kommen«, sagt Polizeisprecher Michael Kötter zum Verkehrsversuch . Nicht nur rund um den Jahnplatz werde es enger, sondern auch im Bereich des Polizeihochhauses am Kesselbrink. Die zeitweise Sperrung der Herforder Straße zum Willy-Brandt-Platz mit Umleitung über die Friedrich-Verleger-Straße Mitte Juli wegen Umbauarbeiten für den verkehrsberuhigten Jahnplatz dürfte die seit langem von Staus und zäh fließendem Verkehr gekennzeichnete Situation rund um den Kesselbrink weiter verschärfen. Das wird die Einsatzfahrten der Streifenwagenbesatzungen nicht beschleunigen.

Umwelt- und Busspuren nutzen

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst setzen darauf, dass sie im eiligen Einsatzfall entweder die neuen Umwelt- und Busspuren am Jahnplatz nutzen können oder die Autofahrer nach rechts darauf ausweichen, wenn sie im Rückspiegel Blaulicht sehen.

Stellvertretender Feuerwehrchef Mühlenweg sagte, dass die Berufsfeuerwehr die Einsatzfahrten im Bereich Jahnplatz in den kommenden drei Monaten auswerten und in einer Stellungnahme an das zuständige Amt für Verkehr schicken werde. »Unser größtes Problem ist, dass wir nicht mehr links vom Jahnplatz in den Niederwall abbiegen können.«

Es müssten Umwege über die August-Bebel-Straße und rechts zum Niederwall abzweigende Straßen in Kauf genommen werden. Das koste Zeit, »aber die Hilfsfristen werden eingehalten«. Von Vorteil sei zudem, dass die Disponenten in der Leitstelle am Stadtholz in die Ampelschaltung eingreifen können – die Feuerwehr hat freie Fahrt bei Grünlicht, die Verkehrsteilnehmer von kreuzenden Straßen müssen bei Ampelrot warten. Mühlenweg: »Wir können uns den Weg von der Wache bis zur Hauptstraße freischalten.«

»Frühzeitig den Ostwestfalendamm anfahren«

Heiner Hofmann, Geschäftsführer der Bielefelder Rettungsdienstgesellschaft, setzt ebenfalls auf die Nutzung der Umwelt- und Busspuren für die Rettungs- und Krankenwagen seiner Firma. Die sogenannte gGmbH, wichtigster Partner für die Feuerwehr beim Rettungsdienst mit einer großen Wache an der Artur-Ladebeck-Straße, »hat das Feuerwehramt angeschrieben, um die Busspuren am Jahnplatz nutzen zu können«. »Wir haben schon seit längerem unseren Mitarbeitern empfohlen, möglichst frühzeitig auf den Ostwestfalendamm aufzufahren«, weist Hofmann auf eine Ausweichroute hin.

Eines lehnt er entschieden ab: Dass die Besatzungen von Rettungs- und Notarztwagen bei Einsätzen mit Blaulicht und Martinshorn entgegen einer Einbahnstraße fahren. Das lasse die Straßenverkehrsordnung zwar zu, sei aber auf Einbahnstraßen rund um den Jahnplatz wie der Friedrich-Verleger- oder der Friedrich-Ebert-Straße zu gefährlich. Hofmann: »Dafür sind die Straßen viel zu lang. Autofahrer rechnen nicht damit, dass ihnen plötzlich Rettungs- und Notarztwagen entgegen kommen.«

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