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Comedian Felix Lobrecht in der ausverkauften Bielefelder Stadthalle

Auf schmalem Grat

Bielefeld (WB). Er gilt als Senkrechtstarter der deutschen Comedyszene. 2015 noch als Poetry-Slammer in den Universitäten und Kneipen der Republik unterwegs, spielt Felix Lobrecht jetzt bundesweit in ausverkauften Hallen vor Tausenden Leuten – am Mittwoch in der Bielefelder Stadthalle.

Louis Ruthe

Felix Lobrecht beim Auftritt in Bielefeld. Foto: Louis Ruthe

Laut, direkt und ohne Skrupel gibt sich der 30-jährige Berliner aus dem Stadtteil Neukölln. Dass es Bielefeld nicht gebe, sei offensichtlich falsch, denn er sei ja nun dort und die 2000 überwiegend jungen Zuschauer auch. »Gut es ist halt extrem hässlich hier, aber Bielefeld existiert halt mit all seinen vielen abartigen Mankos«, begrüßt Lobrecht sein Publikum und schiebt hinterher: »Meine Meinung«. Trotz typischen Stadt- »Bashings« hat der Neu-Köllner von Anfang an die Lacher auf seiner Seite.

»Ich kann mich nicht alleine beschäftigen«, sagt Lobrecht. Wenn er aus Langeweile versuche, ein Buch zu lesen, schwirrten dauerhaft Stimmen wie »Felix liest ein Buch! Voll der Freak!« durch seinen Kopf. Allgemein könne er schlecht mit Langeweile umgehen. »Ich habe Zebrastreifen für mich entdeckt«, schmunzelte er. Immer wenn ein Auto komme, mache er sich langsam auf den Weg. »Immer schön den Blickkontakt zum Autofahrer halten und warten, dass er abstoppt.« Dann komme der große Moment: »Nett winken und einfach abdrehen.«

Nachdenkliche Töne zum Schluss

Dies sei ein typischer Fall für die Fülle seines »Karma-Kontos«, das er nach einer klassischen Nullrechnung führe. »Keine Sorge, wenn es heute rassistisch-homophob oder sonstiges wird, ich habe alle meine Gags mit der Witzepolizei um Kollegah und Xavier Naidoo abgesprochen«, bekundete Lobrecht und konnte sich sein typisches Gekicher nicht verkneifen.

Egal, ob der spießige Lebenswandel bei seinen Freunden mit Babys und Haus oder der schmale Grat bei ihm zwischen Jungbleiben und Hängenbleiben – Lobrecht nimmt sich in seinem Programm der Alltagsthemen an, verpackt diese humorvoll und mit der nötigen Ernsthaftigkeit, bleibt kritisch und spricht so vor allem das junge Publikum an. Zum Schluss schlägt der Berliner nachdenkliche Töne an. »Das hier ist mein Baby. Ich habe das, was ich immer haben wollte, und richtig Angst, das zu verlieren«, sagt er – und lässt das Mikro fallen.

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