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Bielefelder Kampagne "Fahrscheinfrei" fordert kostenlosen Nahverkehr

Aufruf zum Schwarzfahren

Bielefeld

Die neue Bielefelder Kampagne "Fahrscheinfrei" für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr hat am Freitag ihre erste Aktion gestartet. Um die 20 junge Akivisten trafen sich vorm Hauptbahnhof, um mit Bus und Bahn ohne gültige Fahrscheine quer durch die Großstadt zu fahren. 

Von Jens Heinze

Ein Teil der "Fahrscheinfrei"-Aktivisten vorm Eingang zur Haltestelle Hauptbahnhof. Foto: Jens Heinze

Ihr erstes geplantes Ziel: Der Sitz der Verkehrsbetriebe Mobiel in Sieker. Bereits im Vorfeld waren Plakate mit Forderungen der Kampagne an Bielefelder Haltestellen aufgetaucht. Bei den Schwarzfahrten am Freitag sollen Aktivisten in einer Stadtbahn weitere Slogans plakatiert haben.

Mobiel-Mitarbeiter beobachteten die Aktion und kündigten an, trotz der Schwarzfahrer deeskalierend wirken zu wollen. Das übliche Bußgeld von 60 Euro für eine Fahrt ohne Ticket solle nicht erhoben werden, hieß es.

Die Kampagne "Fahrscheinfrei", eine Initiative des Aktionsbündnisses Klimagerechtigkeit Bielefeld, gibt es seit dem Ende der Sommerferien, sagte Kampagnen-Sprecherin Lea Büllesbach vor dem Aufbruch der Gruppe mit Megaphon, Plakaten und Flugblättern in eine Stadtbahn. Man wolle bis zur Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, weiter auf das Hauptziel eines kostenlosen öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)  aufmerksam machen.

"Um die Folgen des Klimawandels zu minimieren, brauchen wir eine Mobilitätswende - und zwar sofort", heißt es auf Flugblättern der "Fahrscheinfrei"-Aktivisten. Ein Großteil der Treibhaus-Emissionen stamme aus dem motorisierten Individualverkehr. Die Bilanz habe sich seit mehr als 30 Jahren nicht verbessert. Trotzdem subventioniere die Politik Autobauer und Fluggesellschaften in Milliardenhöhe, anstatt dem ÖPNV Vorfahrt zu gewähren.

Wie diese Vorfahrt aussehen soll, skizzierte Kampagnen-Sprecherin Lea Büllesbach. Der ÖPNV müsse attraktiver und zugänglicher sein, unabhängig von Einkommen, Geschlecht oder  körperlichen Einschränkungen. Busse und Bahnen sollten - auch nachts - in dichtem Takt fahren, damit niemand "eine Stunde lang alleine an einer Haltestelle sitzen muss". Haltestellen sollten keine Angsträume sein, müssten besser ausgeleuchtet und sicherer sein, so die Sprecherin.

Aktivisten schlagen Gesprächsangebot aus

Die Kampagne "Fahrscheinfrei" fordert, dass Mobilität keine Ware sein darf. Um der Klimakrise zu begegnen, müsse der ÖPNV flächendeckend ausgebaut und Zugangsbarrieren abgebaut werden. "Wir fordern daher eine Öffnung von Bussen und Bahnen für alle Menschen - auch ohne Geld für einen Fahrschein", fordern die Aktivisten einen "guten und ausgebauten ÖPNV mit besseren Arbeitsbedingungen".

Die Kampagne wolle "Handlungsbedarf aufbauen", kündigte Lea Büllesbach eine Podiumsdiskussion zum Thema am kommenden Donnerstag, 9. September, von 19 Uhr an im historischen Saal der Volkshochschule im Ravensberger Park an. Vertreter des städtischen Amtes für Verkehr, des Verkehrsclubs Deutschland VCD und einer Initiative aus Bremen seien eingeladen worden.

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