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Bielefelder Studentin gewinnt Andrea-Heininger-Award – Namensgeberin an Krebs gestorben

Ausgezeichnete App

Herford/Hiddenhausen (WB). Mit 49 Jahren hat Andrea Heininger den Kampf gegen den Krebs verloren. Die Frau aus Hiddenhausen starb am 1. Juni 2018. Doch ihr Name lebt weiter. Zum ersten Mal wurde jetzt der Andrea-Heininger-Award verliehen – eine Auszeichnung für die beste Online-Idee aus OWL.

Moritz Winde

Da ist das Ding: Irina Singer ist die erste Preisträgerin des Andrea-Heininger-Award. Die 24-jährige Studentin der Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Bielefeld hat eine App für Filmfreunde entwickelt. Foto: Moritz Winde

Erste Preisträgerin ist Irina Singer, Studentin der Wirtschaftspsychologie an der Bielefelder Fachhochschule. Nachdem die 24-Jährige davon erfuhr, dass sie die Jury mit ihrer Film-App begeistern konnte, sei sie total aus dem Häuschen gewesen. »Wahnsinn!«

Wer kennt es nicht: Bei der großen Auswahl an abrufbaren Online-Filmen ist die Entscheidung oft schwierig. Mit Irina Singers Anwendungssoftware soll es einfacher werden, innerhalb der vielen Streaming-Dienste Filme zu finden, die zum eigenen Geschmack passen – sozusagen Tinder für Filme. »Außerdem kann das Konzept auch auf andere Formate wie Live-TV übertragen werden. Dadurch sind noch mehr Individualisierung und Interaktivität möglich. Mehr kann ich aber noch nicht verraten«, sagt die junge Frau.

Aktuell laufen bereits Markt- und Wettbewerbsanalysen, um eine rechtlich sichere Grundlage für die Umsetzung der App zu schaffen. Mit dem Award fördern und unterstützen die Initiatoren, Coupling Media – Andrea Heininger führte jahrelang das Unternehmen – und Creditreform Herford & Minden, ungewöhnliche Ideen für die digitale Welt.

»Irina Singer erhält ein individuell geschnürtes Paket an Beratungsleistungen und professioneller Unterstützung im wirtschaftlichen, rechtlichen und Marketing-Bereich im Wert von 8000 Euro«, erklärt Coupling-Media-Chefin Stefanie Jany.

In der Markthalle hat’s gefunkt

Witwer Marc Heininger überreichte die Trophäe im Herforder Denkwerk. Er war sichtlich gerührt. »Ich finde die Aktion ganz, ganz toll. Und auch Andrea wird sich im Himmel sicher mit uns freuen. Sie hatte immer ein großes Herz für junge Leute und brannte für neue Ideen«, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

Fast auf den Tag genau zehn Monate ist es her, dass Andrea Heininger gestorben ist. Marc Heininger sagt, sie sei seine Jugendliebe gewesen. Nach der Schule aber habe man sich aus den Augen verloren. »Wir haben uns dann im Juni 2011 bei einer Ü-30-Party in der Herforder Markthalle wiedergesehen. War wohl Schicksal, es hat sofort gefunkt.« Seit jenem Abend waren die beiden ein Paar.

Im März 2017 die Diagnose, die alles auf den Kopf stellt: Andrea Heininger hat Blasenkrebs. »Sie hatte immer über Beschwerden geklagt. Wir dachten aber alle, es sei eine harmlose Blasenentzündung. Mit Medikamenten ging’s dann auch wieder. Erst eine Spiegelung brachte Klarheit«, erinnert sich der Oetinghauser.

Ja-Wort am Sterbebett

Als das Ergebnis der Untersuchung feststand, begann der Kampf: Der Krebs hatte bereits gestreut. Es folgten Operation und Chemotherapie. Im November 2017 schien es, als sei die Krankheit besiegt. »Wir wollten am 9. Mai 2018 im Denkwerk heiraten. 150 Gäste hatten wir eingeladen«, sagt Marc Heininger.

Dazu kam es aber nicht mehr. »Andrea ging es von Woche zu Woche schlechter. Der Tumor war im Bauchfell. Wir mussten die Feier absagen.« Geheiratet wurde dann aber doch noch – und zwar am 12. Mai im Klinikum. Superintendent Michael Krause leitete am Sterbebett die Zeremonie. »Ein bewegender Moment.«

Den Ehering trägt Marc Heininger an einer Kette um den Hals. In dem Ring sind Andreas Name und eine kleine Maus eingraviert. »Sie war schließlich meine Maus und wird es für immer bleiben.«

Eine Erfolgsgeschichte

Mit diesem Erfolg hat kaum einer gerechnet: Was mit einem Kreis von zwölf Marketing-Profis und Online-Händlern begann, ist zu ausgebuchten Dauerbrennern geworden. »Heute sind die Kapazitäten im Denkwerk mit 150 Anmeldungen regelmäßig ausgelastet«, sagt Coupling-Media-Geschäftsführerin Stefanie Jany beim 15. Netzwerktreffen E-Commerce.

Und Dirk Markus, Marketingleiter bei Creditreform Herford & Minden, ergänzt: »Wir mussten sogar 40 Leuten absagen, so groß war das Interesse.« Die Unternehmen organisieren die Treffen, die zweimal jährlich stattfinden. Dabei geht es darum, Erfahrungen auszutauschen und Branchenthemen zu diskutieren.

Der Erfolg dürfte auch den zumeist prominenten Rednern geschuldet sein – wie in der vergangenen Woche Felix Thönnessen. Der Buchautor und Existenzgründungs-Experte coachte bereits Teilnehmer der Fernsehshow »Die Höhle der Löwen«. Sein Credo: »Von erfolgreichen Startups lernen – Mut zu neuen Wegen und kreativem Marketing«.

Der Preis ist nach Andrea Heininger benannt, die mit 49 Jahren starb. Sie führte jahrelang das Unternehmen Coupling Media. Foto: privat
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