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Auch Naturschutzgebiete betroffen - Autobahnnaher Streckenneubau in Porta Westfalica, Vlotho und Bad Salzuflen?

Bahn lüftet Geheimnis um Suchgebiete für ICE-Trasse

Herford/Vlotho

Mit der Veröffentlichung der Grobkorridore für die ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld hat die Bahn nach Jahren der Mutmaßungen und Spekulationen die Katze aus dem Sack gelassen. Die am Dienstagabend präsentierte Raumwiderstandskarte zeigt erstmalig gelb markiert die Bereiche innerhalb des Suchraums, in denen aus Sicht der Planer eine ICE-Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Bielefeld verlaufen könnte und in denen im kommenden Jahr genauere Untersuchungen vorgenommen werden.

Von Johannes Pietsch

In den gelben Gebieten will die Bahn nach einer neuen Trasse für den ICE suchen. Foto: Pietsch

Das, was den Teilnehmern und auch den zahlreichen Zuschauern am Bildschirm im Rahmen der öffentlich durchgeführten Online-Veranstaltung vorgestellt wurde, dürfte im Raum Schaumburg, im Auetal, in Porta Westfalica, Vlotho, Herford und Bad Salzuflen für Schockmomente gesorgt haben: Denn wer geglaubt hatte, speziell sein Heimatbereich sei auf Grund unzweifelhaft vorhandener Raumwiderstände wie Naturschutz- oder Trinkwasserschutzgebiete von einem ICE-Trassenneubau ausgeschlossen, erlebte ein böses Erwachen.

Tatsächlich zeigt die von den Bahn-Planern erarbeitete Raumwiderstandskarte zwischen den Endpunkten Hannover und Bielefeld innerhalb des Suchraums mehrere durchgezogene, sich teilweise kreuzende gelbe Bereiche. Sie stellen, wie Bahn-Umweltplanerin Tania Meyer-Glubrecht ausführte, die Bereiche dar, in denen nun innerhalb der kommenden Monate näher nach konkreten Trassenkorridoren gesucht werde. Ein besonders breiter Streifen erstreckt sich dabei von Wunstorf über Stadthagen bis nach Bückeburg, ein weiterer südlich davon über Bad Nenndorf durch das Auetal bis nach Porta Westfalica.

Beide sind über zwei wesentlich dünnere Äste mit dem Bereich Vlotho-Bad-Oeynhausen verbunden und von dort weiter nach Herford/Bad Salzuflen und bis nach Bielefeld. Mehrere weitere Grobkorridore verlaufen im Süden über Kalletal und Extertal sowie von Lindhorst Richtung Südwesten über den Bückeberg ins Auetal.

Wo fährt der ICE in ein paar Jahren durch Ostwestfalen? Foto: Johannes Pietsch

Besonders auffällig ist, dass die gesamte Autobahn 2 vom Mittellandkanal bei Dedensen bis südlich von Bad Salzuflen von einem Grobkorridor umgeben ist. Dies dürfte vor allem im Auetal, Porta Westfalica, Vlotho und Bad Salzuflen Befürchtungen vor einem autobahnnahen Streckenneubau schüren.

Eva von Löbbecke, die erste Vorsitzende des Fördervereins Bückeburger Niederung, nach einem Blick auf die Karte

Aber auch in und rund um Bückeburg dürften die Sorgen nicht geringer werden: Ausgenommen von den gelb markierten Bereichen der Grobkorridore sind hier ausschließlich die Kernstadt sowie im Westen Röcke und Teile von Evesen und im Süden ein Streifen bis nach Kleinenbremen und Wülpke. Der gesamte Norden und Osten Bückeburgs ist hingegen komplett Bestandteil des großen nördlichen Grobkorridors, darin sogar der Flugplatz des Internationalen Hubschrauber-Ausbildungszentrums sowie das komplette Naturschutzgebiet Bückeburger Niederung.

In einer ersten Stellungnahme zeigte sich die erste Vorsitzende des Fördervereins Bückeburger Niederung, Eva von Löbbecke, fassungslos: Es sei völlig unverständlich, dass ein Grobkorridor durch einen Raumwiderstand verlaufe, für den selbst aus Sicht der Bahn höchstmögliche Schutzwürdigkeit gelte.

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