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Am künftigen Regenrückhaltebecken wird auf und unter Wasser gearbeitet

Bauarbeiten im Tauchgang

Bielefeld (WB). Ein Rettungsring an der Baumaschine, ein Boot in der Baugrube machen klar: diese Baustelle mitten in Bielefeld ist ungewöhnlich. Und wer durch den Bauzaun an der Teutoburger/Ecke Ravensberger Straße schaut, stellt fest, dass eines der spektakulärsten Bauvorhaben der Stadt sichtbar Fortschritte macht.

Peter Bollig

Von einer Schwimmplattform aus bohrt eine Spezialfirma 20 Meter tiefe Löcher in den Grund unter dem künftigen Regenrückhaltebecken an der Ravensberger Straße, um darin die Sohle des Beckens zu verankern. Bis dahin verhindert das eingelassene Wasser, dass Grundwasser den Boden der Grube hochdrückt. Foto: Bernhard Pierel

Dass nach dem Ende der Arbeiten nicht mehr viel von dem Gebäude zu sehen sein wird, liegt in der Natur der Sache. Auf dem Areal baut der Umweltbetrieb (UWB) ein unterirdisches Regenrückhaltebecken – das mit Abstand größte im Stadtgebiet, wie Henning Freitag, Teamleiter Planen und Bauen im UWB, verdeutlicht. 6000 Kubikmeter Wasser kann das Becken später fassen. Das nächstkleinere Bauwerk dieser Art, ein Überlaufbecken an der Turnerstraße, sei nur ein Drittel so groß.

Seit Monaten konnten Passanten beobachten, wie sich der Bagger tiefer und tiefer in die 40 mal 60 Meter große Baugrube gefressen hat, bis auf eine Tiefe von rund acht Metern. 250 Bohrpfähle bilden eine wasserdichte Wand. Seit einigen Tagen steht in dem so entstandenen Becken das Wasser drei bis vier Meter hoch – und das ist durchaus gewollt und notwendig, wie Henning Freitag betont. Denn an der Ravensberger Straße drückt von unten das Grundwasser und könnte den Boden der Grube hochschieben. Das eingelassene Wasser drückt nun dagegen. Man hätte auch den Grundwasserspiegel durch Abpumpen senken können, sagt Freitag. Dadurch hätte es aber an umliegenden Häusern zu Absenkungen und Rissen kommen können.

Der hohe Wasserstand in der Baugrube ist denn auch die große Herausforderung und eine Besonderheit. Selbst Tiefbauexperte Henning Freitag ist keine andere Baustelle in Bielefeld bekannt, in der so vorgegangen werden musste. Denn von jetzt an wird unter beziehungsweise auf dem Wasser gearbeitet. Boot und Rettungsringe dienen denn auch zur Absicherung dieser Baustelle.

Die Spezialfirma Bauer aus München hat eine Schwimmplattform zu Wasser gelassen. Ein Bohrfahrzeug darauf treibt 230 Löcher bis in 20 Meter Tiefe, in die Stahlstangen abgesenkt und mit Mörtel befestigt werden. Als Anker sollen sie später den Betonboden des meist leeren Rückhaltebeckens gegen den Grundwasserdruck an Ort und Stelle halten – „wie ein Dübel“, so Freitag.

Im Anschluss wird eine Stahlbewehrung auf den Grund gelegt und von Tauchern mit den Stahlankern verbunden, bevor Unterwasserbeton aufgeschüttet wird, um die Sohle des Beckens herzustellen. „Wenn der Beton ausgehärtet ist, wird das Wasser abgepumpt“, sagt Henning Freitag. Es folge der eigentliche Betonbau für Außenwände und Decke sowie die 60 Stützen, die den Deckel tragen. „Wir sind im Zeitplan“, erklärt Freitag: Ende 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Kurz vorher soll die Sanierung der Rohre zwischen Teutoburger Straße und Stauteiche beginnen, durch die unterirdisch der Lutterbach fließt. Von zwei Baugruben an der Ravensberger Straße und der Mühlenstraße aus werden neue Rohre in die alten eingeschoben, um sie zu sanieren.

Diese Variante rettet die Platanenallee an der Ravensberger Straße: Die Bäume hätten bei einer Kanalsanierung mit auf voller Länge offener Baugrube weichen müssen. Allerdings macht dieses Verfahren auch den Bau des Rückhaltebeckens notwendig, so der Tiefbauexperte. Denn die Leitungen für die Lutter werden nun enger. Für Starkregenereignisse braucht es das große Becken als Puffer, das sich Henning Freitag zufolge dann füllen wird, wenn bei einem hohen Wasserstand im Kanalrohr ein bestimmter Pegel überschritten wird.

Ende 2022 soll der Kanal saniert sein; im Grünzug an der Ravensberger Straße ist dann die Teiloffenlegung des Lutterbachs vorgesehen. Im Zuge der Planung wird sich dann auch zeigen, wie das Gelände über dem Regenrückhaltebecken gestaltet wird.

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