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Oliver Stritzkes Film „Menschsein“

Begegnungen auf Augenhöhe

Bielefeld (WB/pan). „Als Kind hatte ich Angst vor Menschen mit Behinderung”, sagt Dennis Klein im Voice Over zu Beginn seines Filmes. Warum? Wegen fehlender Berührungspunkte, weil sie ihm fremd waren, vermutet der Pädagoge, der gemeinsam mit dem Bielefelder Regisseur Oliver Stritzke den Film „Menschsein“ realisiert hat.

Dr. Faraj Remmo (links) übergab bei der Bielefelder Vorführung an Oliver Stritzke stellvertretend für die Filmcrew eine Dankesskulptur, die vor ihm auch schon Stephen Hawking, Jürgen Habermas und zuletzt die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk als Ehrung für besondere Verdienste erhalten haben. Foto: Panhorst

Für die Dokumentation ist der Pädagoge Dennis Klein um die Welt gereist, um sich die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung in den verschiedenen Regionen der Welt anzusehen.

Dennis Klein bereiste 23 Nationen, um seine eigene koloniale Perspektive zu hinterfragen, um zu schauen, ob und wie in anderen Ländern Inklusion geschieht. “Was hat Menschsein mit Behinderung zu tun?” ist dabei die Frage, die im Zentrum der Dokumentation steht.

Er begleitet darin die Menschen in ihrem Alltag, begegnet ihnen auf Augenhöhe und bleibt dabei nicht der unsichtbare Mann hinter der Kamera, sondern interagiert mit den Gefilmten. In seinen Kommentaren thematisiert Klein seine Verunsicherung, seinen Wunsch zu helfen, und seine eigenen Gefühle und Emotionen.

Dass aus der ursprünglich für YouTube gedachten Clipsammlung ein Film wurde, hat er zwei Menschen zu verdanken. Der eine ist der Schauspieler Frederick Lau, den Klein zufällig in Vietnam auf einem Bahnsteig traf. Als Klein ihm von seinen Plänen erzählte, riet Lau ihm dazu, das Projekt nicht ohne professionelle Unterstützung durchzuziehen, um dessen Potenzial nicht zu verschenken. Klein suchte sich also Hilfe – und fand sie bei Oliver Stritzke. Der übernahm Regie und Schnitt und arbeitete mit Klein sechs Jahre lang an dem Projekt. „Wir waren zwei Spinner, aber wir wollten diese Geschichten erzählen und sie verbreiten“, erzählt Oliver Stritzke. Der heute in Berlin lebende freiberufliche Cutter und Regisseur entdeckte seine Leidenschaft für den Film in seiner Jugend bei einem Projekt auf dem Bielefelder Oberstufenkolleg. Deswegen war es dem 41-Jährigen auch besonders wichtig, die Dokumentation in seiner ehemaligen Heimatstadt zu zeigen, wo er nun in der Kamera den Film selbst vorstellte.

Mehr als 300 Stunden Material hat er gesichtet, um den 90-minütigen Film zu produzieren. „Dennis ist gereist und ich hab ihn virtuell begleitet“, erklärt Stritzke die Rollenaufteilung der beiden Filmemacher. Obwohl der Film nun fertig ist und bundesweit in den Kinos läuft, lässt ihn das Grundthema nicht los. „Ich werde weiter an dem Menschsein arbeiten, da gibt es noch viel zu tun in unserer Gesellschaft. Es ist ein universelles Thema, das man aus ganz verschiedenen Perspektiven betrachten kann“, verrät der Filmemacher über seine Zukunftspläne.

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