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Mutmaßliche Brandstifterin streitet vor Bielefelder Amtsgericht alles ab

Bei den Nachbarn Feuer gelegt?

Bielefeld (WB/hz). Diesen Albtraum möchte keiner erleben: Eine Brandstifterin in der Nachbarschaft, die immer wieder zündelt. Genau das soll eine Bielefelderin (37) in einem Wohngebiet in der Innenstadt zwischen Herforder-/ und Beckhausstraße drei Mal getan haben.

Das Amtsgericht Bielefeld Foto: Thomas F. Starke

Am Mittwoch stand die Frau deswegen vorm Schöffengericht. „Sie hat mit allen drei Vorfällen nichts zu tun“, erklärte Verteidiger Claas Hendrik Schmitz für seine Mandantin, eine Hartz IV-Empfängerin.

Den größten Schaden von mehr als 130.000 Euro soll die 37-Jährige am frühen Morgen des 10. August vergangenen Jahres angerichtet haben.  Da wurde um kurz vor 2 Uhr ein Feuer auf der Terrasse einer Familie gegenüber der Wohnung der Angeklagten entdeckt. Die Frau soll nach den Ermittlungen der Kripo Benzin verschüttet und angezündet haben. Auf dem Benzinkanister wurden die Fingerabdrücke der 37-Jährigen gefunden, sagte Vorsitzende Richterin Astrid Salewski beim Prozess.

Der Schaden für die vom Brand betroffenen Nachbarn war verheerend. Als die Familie nach dem Feuer aus dem Türkeiurlaub zurück kehrte, stand sie vor dem Nichts. Flammen und Hitze hatten in der Brandnacht die Jalousien zum Schmelzen und die Fenster zum Platzen gebracht. Die gesamte Wohnung war nach massiven Rauch- und Rußschäden lange unbewohnbar. Der Gebäudeschaden betrug fast 130.000 Euro. Für ihren nicht versicherten Hausrat musste die Familie selbst zahlen.

Elf Tage später, am 21. August 2019, brannte es schon wieder in der Nachbarschaft der Angeklagten. Tatort war die Terrasse einer anderen Familie. Auf einem Schuhschrank stand Wäsche in Flammen. Das Feuer wurde zufällig vom Sohn (24) entdeckt, als er auf dem Balkon seiner Wohnung eine Zigarette rauchte und vom Obergeschoss auf die Terrasse der Eltern schaute. „Die Flammen schlugen bis zur Decke“, berichtete der Zeuge vor Gericht. Er sei sofort runter gerannt und habe Alarm geschlagen. „Meine Eltern hatten noch nichts bemerkt.“

Am 23. August gegen 23 Uhr soll die Angeklagte versucht haben, mit einem brennenden Taschentuch einen großen Müllcontainer ihres Wohnblocks anzuzünden. Zwei junge Männer beobachteten und filmten die 37-Jährige dabei. Trotzdem stritt die Frau die Tat ab. „Es können ja auch die beiden Jungs gewesen sein“, sagte sie.

Der Strafprozess wurde am ersten Verhandlungstag ausgesetzt. Vorsitzende Richterin Salewski will jetzt ein medizinisch-psychiatrisches Gutachten über die Schuldfähigkeit der Angeklagten einholen und deren Unterbringung in der Psychiatrie prüfen.

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