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IG Metall fordert Verhandlungen ein – Unternehmen kritisiert Vorgehen

Bei Miele wächst die Unruhe

Gütersloh/Bielefeld (WB). Einstellungsstopp, künftig wegfallende Stellen in OWL und geplante Einsparungen: Beim Gütersloher Hausgerätehersteller Miele wächst die Unruhe. Die IG Metall bekräftigte mit Aktionen an allen deutschen Standorten ihre Forderung nach Tarifverträgen zur Standortsicherung . Das Unternehmen reagiert zurückhaltend.

Oliver Horst

Blick in die Waschmaschinenfertigung bei Miele am Stammsitz Gütersloh. Hier sollen spätestens 2025 weniger Menschen arbeiten. Foto: Oliver Schwabe

Die Gewerkschaft verteilte gestern früh vor allen neun deutschen Werken Flugblätter an die Mitarbeiter und in Bielefeld auch Brezeln als Zeichen der Solidarität mit 60 Miele-Beschäftigten des Dienstleistungszentrums München. Der Standort soll – wie 2014 angekündigt – im Rahmen der Zentralisierung des Innendienstes am Stammsitz als letzter zum Jahresende geschlossen werden. Allen Mitarbeitern wurde ein Wechsel nach Gütersloh zu gleichen Konditionen angeboten. Die IG Metall fordert aber, den Standort zu erhalten. Der Konflikt sei vor einer Einigungsstelle gelandet.

Etwa 200 Stellen gefährdet

Weitere Ankündigungen der Geschäftsleitung sorgten derweil besonders in den Werken in Gütersloh und Bielefeld für Verunsicherung, sagt Ute Herkströter von der IG Metall Bielefeld. An beiden Standorten ist von einem Stellenabbau in den nächsten Jahren die Rede. Ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie das Unternehmen betont. Wegen Arbeitsteilung zwischen dem Geschirrspülerwerk in Bielefeld und dem Pendant im tschechischen Uničov könnten etwa 180 von 1900 Stellen in Bielefeld bis 2021 wegfallen. In Gütersloh, wo insgesamt 5400 Menschen arbeiten, soll es in der Waschmaschinenproduktion spätestens ab 2025 weniger Stellen geben, wenn das noch im Bau befindliche Werk im polnischen Ksawerów im Vollbetrieb ist. Eine Zahl sei derzeit nicht seriös zu nennen, sagte jüngst Firmenchef Markus Miele.

Wegen schwächelnder Geschäfte nach Rekordjahren mit Höchstwerten bei Umsatz (zuletzt 4,1 Milliarden Euro) und Beschäftigung (20.098 Mitarbeiter zum 30. Juni 2018) hatte Miele im Januar einen Einstellungsstopp verhängt und angekündigt, auslaufende Verträge nicht zu verlängern. Das soll offenbar die Kosten kurzfristig um 20 Millionen Euro senken. Langfristig will Miele durch die im November eingesetzte Unternehmensberatung McKinsey Einsparungen von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr erreichen bei rund vier Milliarden Gesamtkosten – also etwa 2,5 Prozent.

»Standortsicherungstarifvertrag« führe deshalb in die Irre

»Die Beschäftigten nehmen eine andere Gangart bei Miele wahr«, sagt Herkströter. Thomas Wamsler von der IG Metall Gütersloh-Oelde spricht von einem »erheblichen Kulturwandel. Die Ankündigungen der Geschäftsleitung hinterlassen Wirkung bei der Belegschaft und es wird nichts getan, dem entgegenzuwirken.« Deshalb wolle die IG Metall jetzt in Verhandlungen über Standortsicherungstarifverträge eintreten – vordringlich für Gütersloh und Bielefeld, langfristig für alle deutschen Werke. »Wir wollen die Zukunft mitgestalten statt von Miele vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden und dann nur über den Stellenabbau zu verhandeln«, sagt Herkströter. Dafür brauche die IG Metall Zugang zu Geschäftsdaten.

Miele teilte gestern mit, seit 120 Jahren ein »vorbildlicher Arbeitgeber« zu sein – und auch jetzt die »notwendigen Maßnahmen für eine nachhaltige Stärkung aller Standorte mit Augenmaß« und enger Einbeziehung des Betriebsrates umsetzen zu werden. »Vor dem Hintergrund ist die Art und Weise, wie aktuell versucht wird, einen Keil zwischen Führung und die Belegschaft bei Miele zu treiben, nicht hilfreich.« Es stehe kein einziger deutscher Produktionsstandort zur Diskussion. Der Begriff »Standortsicherungstarifvertrag« führe deshalb in die Irre und schüre unbegründete Ängste. Falls die IG Metall »Ideen für zukunftsgerichtete Kostenstrukturen« habe, werde sich Miele Gesprächen nicht verschließen.

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