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Seniorenrat Bielefeld legt Tätigkeitsbericht über seine Arbeitsbereiche in der vergangenen Legislaturperiode vor

Besser Älterwerden in Bielefeld

Bielefeld

Ob die „Nette Toilette“ oder die Notfalldose – ohne die erfolgreiche Arbeit des Seniorenrates wären diese hilfreichen Dinge Bielefeldern nicht zugänglich. Der Seniorenrat vertritt die Interessen der 90.000 Bielefelder, die 60 Jahre und älter sind. Wie der jetzt vorliegende Tätigkeitsbericht des Gremiums darlegt, blickt der Seniorenrat mit seinen Arbeitskreisen auf eine arbeitsintensive sechsjährige Legislaturperiode zurück.

Uta Jostwerner

Für die Interessen älterer Menschen setzt sich der Seniorenrat der Stadt auf vielfältige Weise ein. Foto: dpa

„Mittlerweile haben wir ein gutes Standing und sind bei allen politischen Parteien und Gremien anerkannt“, sagt der Vorsitzende Dr. Wolfgang Aubke. So würden 90 Prozent aller Initiativanträge, die der Seniorenrat auf den Weg bringe, positiv beschieden. Auf Antrag des Seniorenrates wurde 2017 etwa ein neuer Altenbericht veröffentlicht. Die nach Stadtbezirken differenzierte Datenerhebung erlaubt zwar eine gezielte Analyse der Angebote und Defizite im Sinne einer Fortentwicklung der Seniorenpolitik in Bielefeld, konnte bislang aber noch nicht umgesetzt werden. „Wir hoffen, dass die mittlerweile vom Sozialdezernat eingerichtete Arbeitsgruppe ‚Altern Gestalten‘, bei der auch der Seniorenrat mitwirkt, dieses Defizit beseitigen kann“, sagt Aubke.

Unter der Leitung von Iris Huber hat sich der Arbeitskreis Gesundheit und Soziales intensiv mit dem Thema Armut im Alter auseinandergesetzt. Unter anderem wurde die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur besseren Bekanntmachung des Rechtsanspruchs auf Grundsicherung zu erarbeiten. „Sie wird von nur 50 Prozent aller Berechtigten in Anspruch genommen, sei es aus Scham oder Unwissenheit“, weiß Iris Huber. Themen auf der Agenda des Arbeitskreises sind unter anderem der Einsatz für eine bessere hausärztliche Versorgung sowie ein Trainingsprogramm Online-Banking für Senioren, das in Kooperation mit der Sparkasse Bielefeld entwickelt wurde.

Als „Dauerbrenner“ bezeichnet Friedhelm Donath (AK Stadtentwicklung) das Thema „Öffentliche Toiletten“. Zwar konnte in Kooperation mit der Dehoga im November 2019 die „Nette Toilette“ in Bielefeld eingeführt werden, wonach die 20 teilnehmenden Gaststätten den Toilettengang gewähren. Gleichwohl möchte sich der Seniorenrat in seiner kommenden Legislaturperiode für ein stadtweites Konzept mit öffentlichen Toiletten einsetzen.

Der Arbeitskreis Wohnen im Alter setzt sich für eine Imageverbesserung der stationären Pflegeeinrichtungen und gegen die Nutzung der Begrifflichkeit „Ambulant vor stationär“ ein. „Es kann nicht sein, dass Pflegeheime mit dieser Aussage abgewertet werden“, betont Arbeitskreis-Leiterin Heidi Schmidt. Die vom Gesetzgeber vertretene Aussage „Ambulant vor stationär“ könne nicht festlegen, welche Versorgungsform bei Pflegebedürftigkeit die bessere sei. Dies hänge immer vom Einzelfall ab, so Heidi Schmidt. Um das Thema nachhaltig anzugehen, wurden Kontakte mit entsprechenden Landes- und Bundesministerien geknüpft.

Grundsätzlich plädiert Schmidt für eine gute Vorbereitung, um auch im Alter selbstbestimmt leben und entscheiden zu können.

Der Arbeitskreis Kultur, Weiterbildung und Sport hält Kontakt zu den Einrichtungen und setzt sich für zusätzliche Angebote für Senioren ein. Der AK berät und begleitet Institutionen kritisch, so auch beim Umbau der Oetkerhalle.

„Viele Ziele konnten in den vergangenen Jahren erreicht werden“, resümiert Aubke. In den Bereichen haus- und kinderärztliche Versorgung, öffentliche Toiletten, Digitalisierung und Nahverkehr seien die Belange älterer Menschen hingegen noch nicht hinreichend berücksichtigt, so der Vorsitzende. Mit diesen Themen wird sich somit der nächste Seniorenrat beschäftigen müssen, der am 14. Februar 2021 gewählt wird. Aubke: „In einer älter werdenden Kommune brauchen wir viele engagierte Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich einzusetzen.“

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