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Uraufführung: Theater Bielefeld präsentiert das Bilderbuch „Herman und Rosie“ als Jazzmärchen

Beste Freunde

Bielefeld (WB). Es ist eine Geschichte von Hotdogs, Musik und lauen Sommernächten in einer großen Stadt, in der sich selbst die nächsten Nachbarn nicht mehr kennen. Es ist auch eine Geschichte vom Singen auf dem Dach und von Bonbons, die in den Zähnen kleben. Aber vor allem ist es die Geschichte von Herman und Rosie. Herman, das Krokodil, liebt es, nachts auf dem Dach Oboe zu spielen, muss aber als Telefonverkäufer arbeiten. Rosie, das Reh, liebt es, Jazz zu singen, muss ihr Geld aber als Spülerin in einem Restaurant verdienen. Die Leidenschaft der beiden für die Musik wird sie auf ungeahnte und zauberhafte Weise zusammenführen.

Uta Jostwerner

Ruven Weithöner (Trompete) und Sebastian Büscher ließen sich im Duett vernehmen. Foto: Hendrik Uffmann

Die Rede ist von dem Kinderbuch „Herman und Rosie“ des australischen Illustrators und Autors Gus Gordon. Als es vor einiger Zeit der Konzertpädagogin Britta Grabitzky in die Hände fiel, war klar: „Die Geschichte schreit nach Musik. Daraus muss ein Jazzmärchen entstehen.“

Komponist Matthias Klause

Der Auftrag ging an den Pianisten und Komponisten Matthias Klause vom Bunker Ulmenwall. Unter seiner Feder entstand die musikalische Illustration einer Geschichte über Freud und Leid und darüber, wie man in einer von Anonymität und Verdrängungswettbewerb gekennzeichneten Großstadt besteht, ja sogar einen Freund beziehungsweise eine Freundin findet.

Die Uraufführung erlebten Kinder, Eltern und Großeltern jetzt im Rahmen der Kinderkonzerte im Stadttheater. Es ist eine Geschichte, die nach dem gleichen Prinzip wie „Peter und der Wolf“ erzählt wird, nur eben mit den stilistischen Mitteln des Jazz.

Das Krokodil Herman wird mit einer markanten Saxophonmelodie charakterisiert. Das zarte Reh Rosie erhält sein musikalisches Gesicht in Form einer zärtlichen Klaviermelodie. Ein melancholisches Trompetensolo steht für die Einsamkeit des Individuums inmitten des bunten Großstadttreibens. Fahrradklingel und Hupe verkörpern den Geräuschpegel der Großstadt. Echt witzig und gelungen: Die Dialogfetzen zwischen gestopfter Trompete und Saxophon, die das Geplaudere am Telefon lautmalerisch wiedergeben.

Ausstellung im Stadttheater

Während Sebastian Büscher (Sax), Ruven Weithöner (Trompete), Manuel Bürgel (E-Bass), Barny Bürger (Schlagzeug) und der Komponist daselbst am Klavier für den nötigen Swing sorgten, erzählte Britta Grabitziky – mit rollenspezifisch verstellten Stimmen – die Geschichte von Herman und Rosie. Ein spannendes Hörvergnügen, das sich gut auf einer CD machen würde.

Für visuelle Veranschaulichung sorgten die Bilder von Schülerinnen und Schülern des Maria-Stemme-Berufskollegs, die großformatig an die Bühnenhinterwand projiziert wurden. Die fantasievollen Originale sind aktuell im Foyer des Stadttheaters zu bewundern.

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