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Fünf Jahre langer Rechtsstreit in Bielefeld

Unbrauchbares Brautkleid: Gericht spricht Klägerin Schadensersatz zu

Bielefeld

Fünf Jahre lang hat sie um ihr Recht gekämpft. Jetzt hat es Manuela Wolke (51) schwarz auf weiß per Urteil vom Amtsgericht Bielefeld in der Hand: Für ihr falsch geliefertes Brautkleid bekommt sie Schadensersatz.

Von Jens Heinze

Am 17. Januar 2018 wurde zum ersten Mal im Amtsgericht Bielefeld die Schadensersatzklage um das Brautkleid von Manuela Wolke verhandelt. Im Vordergrund mit der weißen Bluse ihre Anwältin Nicola Meise.  Foto: Bernhard Pierel

„Wenn eine Braut ihr Brautkleid nicht bekommt, ist das das Schlimmste, was ihr passieren kann“, sagt Manuela Wolke im Rückblick auf ihre Hochzeit am 15. Juli 2017. Dort trug sie ein Ersatzkleid. Das Brautkleid, das sie sich ausgesucht hatte, sei unbrauchbar gewesen, sagt die heute 51-Jährige.

Zum Anprobieren nach Polen

Sie war dafür vor mehr als fünf Jahren sogar extra zum Aussuchen und zur Anprobe bis zur Brautmodefirma ins polnische Wrocław (Breslau) gefahren, nachdem der erste Kauf in einem Bielefelder Brautmodegeschäft geplatzt war. Was Manuela Wolke damals noch nicht wusste: Die Betreiberin des Brautmodegeschäfts in der Bielefelder Altstadt war eine Betrügerin, die Geld von Bräuten kassierte, aber nicht lieferte.

Betrug in Bielefeld: Falsches Kleid per Post

Was dann allerdings von der polnischen Brautmodefirma an sie verschickt worden sei, habe nicht gepasst und sogar beim Tragen gekratzt. Bestelltes Zubehör sei zudem nicht oder falsch geliefert worden, erinnert sich Manuela Wolke an das Drama rund ums Hochzeitskleid vor mittlerweile mehr als fünfeinhalb Jahren. „Ich habe bis einen Tag vor der Hochzeit im Juli 2017 gehofft, dass das richtige Kleid kommt.“

Aber die Hoffnung platzte, Manuela Wolke heiratete in einem eilig beschafften Ersatzkleid. Den Kaufpreis für das ursprüngliche Brautkleid habe sie aber nie wiederbekommen, sagt die Geschäftsfrau.

„Der Schmerz, nicht in meinem Traumkleid geheiratet zu haben, sitzt immer noch“, sagte Manuela Wolke mehr als fünf Jahre nach ihrer Hochzeit. Und fügt mit Blick auf die aus ihrer Sicht unerfüllten Lieferzusagen hinzu: „Es kann nicht sein, dass jemand ein Kleid verspricht, es sich bezahlen lässt und dann nicht liefert.“

Manuela Wolke. Foto: Bernhard Pierel

Die Bielefelder Anwältin Nicola Meise hat Manuela Wolke vor dem hiesigen Amtsgericht und vor dem hiesigen Landgericht im Rechtsstreit mit der polnischen Brautmodefirma vertreten. „Das ganze Verfahren läuft seit Oktober 2017“, sagt die Juristin. Bis dahin, erklärt die Rechtsanwältin, hätten Manuela Wolke und die Chefin der polnischen Brautmodefirma sich bereits hunderte Mails und Messenger-Nachrichten rund ums Thema Brautkleid geschrieben.

Diese umfangreiche, auf englisch geführte Kommunikation zwischen den streitenden deutsch-polnischen Parteien hätte von Dolmetschern für den Rechtsstreit vor Gericht erst aufwendig übersetzt werden müssen, benennt sie einen Grund für die lange Verfahrensdauer.

Brautkleid-Prozess: Klägerin bekommt Schadensersatz

Nach dem Prozessauftakt am 17. Januar 2018 habe außerdem lange habe Unklarheit geherrscht, ob das Verfahren hier oder in Polen zu führen sei.  Per Zwischenurteil des Bielefelder Amtsgerichtes sei im März 2019 schließlich entschieden worden, dass deutsches Recht greife.

Dagegen sei die polnische Brautmodefirma vor dem Landgericht in Berufung gegangen, berichtet Anwältin Meise vom langen Rechtsstreit weiter. Dann sei Corona gekommen. Erst zwei Jahre später, im März 2021, habe das Landgericht die Berufung der Brautmodefirma zurückgewiesen. Mitte November dieses Jahres verkündete schließlich ein Amtsrichter in Bielefeld, dass Manuela Wolke 2045,25 Euro Schadensersatz plus Zinsen für den geplatzten Traum von der Heirat in ihrem Wunsch-Brautkleid erhält. 

Die betrogenen Bräute von Bielefeld

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, sagt die Rechtsanwältin der um ihr Traumkleid gebrachten Braut. Manuela Wolke rechnet fest damit, dass die polnische Brautmodefirma erneut Berufung zum Landgericht einlegen wird. „Das ziehe ich aber durch“, versichert die 51-Jährige, auch in der zweiten Instanz auf ihrem Recht zu bestehen. Denn ihr geht es bei der ganzen Sache um eines: Gerechtigkeit.

Bielefeld: Klägerin bleibt auf 15 Prozent der Gerichtskosten sitzen

Was sie allerdings nicht versteht, ist die Auflage des Amtsgerichtsurteils, 15 Prozent der Gerichtskosten bezahlen zu sollen. Die 51-Jährige rechnet mit einer nicht unerheblichen Summe: „Die Übersetzungen haben ja schon ein Vermögen gekostet.“

Egal, wie der nächste Zivilprozess am Landgericht ausgehen wird, das Thema Brautkleider begleitet Manuela Wolke weiter. Sie hat sich mit einem mobilen Brautmodestudio selbstständig gemacht. „Ich komme zur Braut nach Hause“, erklärt sie ihr Geschäftsmodell.

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