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Neubau am jetzigen Standort – Andere Flächen sind »vom Tisch«

Bielefelder Hauptfeuerwache soll am Stadtholz bleiben

Bielefeld (WB). Die Hauptfeuerwache soll nach WESTFALEN-BLATT-Informationen am jetzigen Standort am Stadtholz gebaut werden. Zuvor genannte Alternativen wie das Gelände der früheren FH an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße oder der ehemalige Containerbahnhof seien »vom Tisch«, berichtet Feuerwehrchef Hans-Dieter Mühlenweg.

Burgit Hörttrich

Carsten Kroll (stehend, links) und Hans-Dieter Mühlenweg (stehend, rechts) stehen in der Leitstelle, in der unter beengten Bedingungen gearbeitet werden muss. Der Neubau der Leitstelle hat für die Feuerwehr-Führung erste Priorität. Foto: Oliver Schwabe

Es ist eng. Auf den 100 Quadratmetern Fläche, die die Leitstelle der Feuerwehr zur Verfügung hat, ist es nie ruhig. Dort gehen sämtliche Anrufe auf der Nummer 112 ein, werden pro Jahr 54.000 Einsätze (2017) koordiniert.

Der Geräuschpegel ist häufig hoch. Es kann sein, dass auf der einen Leitung ein Katzenhalter besänftigt werden muss, dessen Liebling nicht mehr von einem Baum herunter kommen will, auf der anderen Leitung versucht wird, Anweisungen zu geben, wie ein Mensch reanimiert werden kann.

Für Feuerwehrchef Hans-Dieter Mühlenweg und seinen Stellvertreter Carsten Kroll ist die Leitstelle der Hauptwache Am Stadtholz das vordringlichste Problem, das beseitigt werden muss. Eigentlich, sagt er, eigentlich sei es der Plan gewesen, eine neue, großzügigere Leitstelle mit mehr Disponentenplätzen Ende 2020 einweihen zu können. Das aber sei trotz des hohen Handlungsdrucks nicht mehr machbar. Denn die neue Leitstelle ist Bestand der Neubauplanungen für die gesamte Hauptwache in voraussichtlich vier Bauabschnitten.

Neu gebaut werden solle, so Mühlenweg, am heutigen Standort. Knapp 71 Millionen Euro könnte die Erneuerung der Hauptfeuerwache kosten. Das geht aus einer ersten Schätzung eines Planungsbüros hervor.

Zahl der Beschäftigten um 50 Prozent gestiegen

Trotzdem könne ein Konzept, ein »Masterplan«, für die künftige Hauptwache noch nicht erarbeitet werden. Denn für das Projekt würde zwingend die Fläche zwischen dem heutigen Gelände der Feuerwehr und dem Bahndamm benötigt. Das wird als sogenanntes Grabeland genutzt, liegt auf der Trasse der B 66 neu (Ostring bis Ostwestfalendamm). Regionalrat und die Paprika-Koalition im Bielefelder Rat (SPD, Grüne, Bürgernähe/Piraten) hatten gegen eine Freihaltung der Trasse votiert, die unter anderem CDU und IHK gefordert hatten. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 wurde die B 66 neu zurückgestuft in die Rubrik »nicht vordringlicher Bedarf«. Aber, so Mühlenweg: »So lange das Projekt noch im Bundesverkehrswegeplan aufgeführt ist, können wir nicht darüber verfügen. Da gibt es Abstimmungsbedarf.«

Die Hauptwache, 1958 eröffnet und vor 20 Jahren um eine Fahrzeughalle erweitert, sei an allen Ecken und Enden zu eng und entspreche nicht mehr den Anforderungen. Besonders eben die Leitstelle, aber auch die Räume für den Krisenstab, die Einsatzleitung und die Fahrzeughalle seien zu beengt. Rund 100 Mitarbeiter seien vor Ort tätig: 70 tagsüber, 32 Einsatzkräfte nachts.

Die Zahl der Beschäftigten sei seit dem Jahr 2000 um mehr als 50 Prozent gestiegen, die der Fahrzeuge um 37 Prozent, und die Anzahl der Einsätze habe sich mehr als verdoppelt.

»Damit wir uns nicht die Zukunft verbauen.«

Nach Einschätzung eines Planungsbüros reicht das Grundstück am Stadtholz plus B 66 neu-Trassenabschnitt für eine neue Hauptwache aus. In einem ersten Bauabschnitt sei eine neue Leitstelle mit Räumen für den Krisenstab vorgesehen. Im zweiten Abschnitt könnte ein Neubau für die Freiwilligen Feuerwehren Mitte und Ost entstehen, verbunden mit einer Zusammenlegung. Dort wäre dann auch Platz für die Jugendfeuerwehr. Im dritten Abschnitt würde der Altbau mit der Leitstelle durch einen Neubau ersetzt, im vierten Abschnitt könnte im Innenhof ein neues Werkstattgebäude entstehen. Nach ersten Schätzungen liegen die Kosten bei insgesamt 71 Millionen Euro.

Mühlenweg lehnt es ab, aus Zeitdruck bereits jetzt eine neue Leitstelle in einem neuen Gebäude errichten zu lassen: »Damit wir uns nicht die Zukunft verbauen.« Der Standort der Hauptwache, liege so zentral, dass auch Sonderfahrzeuge, die dort stationiert sind, in kürzester Zeit zu ihren Einsatzorten in Bielefeld gelangen könnten.

Die Feuerwachen in Bielefeld seien so verteilt, dass die sogenannte Hilfsfrist ab Notrufannahme bei maximal zehn Minuten liege.

Mühlenweg und Kroll hoffen darauf, dass eine »zügige Entscheidung« über die Einbeziehung der Bundesstraßentrasse getroffen wird. Sie weisen auf die zusätzlichen Hilfsplätze. Von dort gibt es keinen Sichtkontakt zur eigentlichen Leitstelle. Kroll: »Zu den für uns üblichen Einsatztagen kommen ja immer auch sogenannte Spitzenlagen, zum Beispiel bei Unwetter wie Starkregen.« Dann werde die Situation in der Leitstelle noch schwerer erträglich, der Stressfaktor steige. Kroll: »Es gibt erheblichen Optimierungsbedarf, auch in der Anpassung der Betriebsabläufe. Das aber ist in den heutigen Räumen nicht möglich.«

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