Bei Sturmtief „Eugen“ aus dem Nest geweht, kauerte der Eulen-Nachwuchs in Gellershagen unter einem Auto

Bielefelder Polizisten retten kleinen Waldkauz

Bielefeld (WB)

Bielefelder Polizisten haben einer kleinen Eule das Leben gerettet. Als Sturmtief „Eugen“ am Dienstag über die Teuto-stadt hinwegfegte, war der Jungvogel offenbar von einer kräftigen Sturmböe aus dem sicheren Nest geweht worden.

Michael Delker

Nach der Rettung musste sich der kleine Waldkauz in Quarantäne begeben – wegen der Vogelgrippe. Foto: Michael Hakenhold

Zu diesem tierischen Einsatz gerufen wurde Michael Hakenhold mit einem Kollegen. Mit Wildvögeln kennt sich der Polizeihauptkommissar („Ich habe eine Affinität zur Natur“) aus. Er ist ausgebildeter Jäger. Vor zwei Jahren rettete er im Dienst schon einmal eine junge Schleiereule, die stark entkräftet in der Knobelsdorffstraße entdeckt worden war.

Die jüngste Hilfe für ein Wildtier führte Michael Hakenhold und seinen Kollegen an die Pfälzer Straße in Gellershagen. „Hilflos und stark unterkühlt wurde die Eule während eines anderen Einsatzes mitten in einem Bielefelder Wohngebiet unter einem Auto kauernd aufgefunden“, berichtet der Polizeihauptkommissar. Das war am Dienstag gegen 9.45 Uhr, als Sturmböen durch die Stadt fegten. Die junge Eule muss dabei aus ihrem Nest geweht worden sein.

Im Polizeiwagen konnte sich der kleine Waldkauz erstmal aufwärmen. Foto: Michael Hakenhold

In freier Wildbahn würden sich die Elterntiere in solchen Situationen weiterhin aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern und ihn so bis zu ihrem Flüggewerden begleiten. „In einem stark frequentierten Wohngebiet bedeutet diese Situation jedoch den sicheren Tod für so ein Tier“, berichtet der Jäger. Selbst in freier Wildbahn würden auf diese Art und Weise 36 Prozent der geschützten Vogelart sterben.

Daher wurde der kleine „Ästling“ behutsam vom kalten und nassen Boden aufgenommen und zunächst mit in den warmen Streifenwagen genommen. „Hier genoss er sichtlich die Wärme der ihn haltenden Hand“, berichtet Hakenhold. Über das Veterinäramt der Stadt sei dem kleinen Nachtvogel ein Platz in der Aufzuchtstation des Tierparks Olderdissen vermittelt worden.

Zuvor habe sich die Eule, die übrigens als Waldkauz identifiziert wurde, wegen der Vogelgrippe (H5N1) bei einem Tierarzt in Quarantäne begeben müssen. „Leider grassiert diese für Vögel tödlich verlaufende Infektion immer noch jährlich mit den wiederkehrenden Zugvögeln in den Überfluggebieten“, sagt der Polizeihauptkommissar. Nach einem hoffentlich negativ verlaufenden Schnelltest dürfe der kleine Nachtgreif dann in die Aufzuchtstation des Tierparks Olderdissen übersiedeln.

Der Waldkauz war in Deutschland übrigens „Vogel des Jahres 2017“. Die Tiere können bis zu 20 Jahre alt werden.

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