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Ingo Nürnberger und sein Mann Rico Zocher wollen erneut zum Standesamt

Bielefelder Sozialdezernent feiert Ehe für alle

Bielefeld (WB/MiS). Eigentlich feiern Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger (44) und sein Mann Rico Zocher (39) am 4. August ihren fünften Hochzeitstag. Vor bald fünf Jahren sind sie in Berlin eine Lebenspartnerschaft eingegangen. »Aber die Ehe, das ist doch noch einmal etwas anderes«, sagt Nürnberger.

Ingo Nürnberger. Foto: privat

Deshalb hat er am Freitagabend mit seinem Mann, der als Unternehmensberater arbeitet, nicht nur auf den Beschluss des Bundestages angestoßen. Seit bekannt ist, dass es wohl die Ehe für alle geben wird, stand für beide fest: »Jetzt gehen wir noch einmal zum Standesamt.« Sobald das möglich ist. Nürnberger rechnet nicht vor dem Jahresende damit. Eher dürften die rechtlichen Formalien nicht feststehen. Klar ist aber auch: »Dann gibt es noch einmal eine Party«, sagt Nürnberger. Ob wieder mit 120 Gästen wie damals in Berlin, das weiß er noch nicht. Es wird aber gefeiert.

Für homosexuelle Paare ist die Ehe für alle das letzte Stück gesellschaftlicher Anerkennung und Gleichbehandlung, das ihnen noch gefehlt hat. »Ich akzeptiere aber auch, wenn jemand das, etwa aus religiösen Gründen, anders sieht«, sagt Bielefelds Sozialdezernent. Bis auf das gemeinsame Adoptionsrecht ist auch schon die eingetragene Lebenspartnerschaft der Ehe weitestgehend gleichgestellt. »Aber jetzt gibt es noch einmal eine Aufwertung«, findet der Dezernent.

Nürnberger wuchs im niederbayerischen Pfarrkirchen auf, hatte anfangs eine Freundin. Doch eigentlich war er sich seiner Homosexualität bald bewusst. In Passau, wo Nürnberger das Abitur nachholte, dann das Coming Out. Als junger Mann engagierte er sich in der Homosexuellen-Initiative Passau, organisierte dort eine Veranstaltung zur »Ehe für alle«.

Offene Anfeindungen habe er in der Stadt, die als Inbegriff konservativer Provinz gilt, nicht erlebt. »Oder ich habe sie nicht wahrgenommen. Mir wären sie aber auch gleich gewesen.« Schließlich kam er zum Studium nach Berlin, lernte dort 2005 auch seinen Mann kennen. Sieben Jahre später ging’s dann zum Standesamt. Und bald wird dort wohl ein neuer Termin festgesetzt für den Bund fürs Leben.

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