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Neun Gymnasien stellen um auf G9 – zwei bleiben bei G8

Bielefelds Eltern haben weiter die Wahl

Bielefeld (WB). G8 oder G9? Wer sein Kind aufs Gymnasium schicken möchte, hat in Bielefeld weiterhin die Wahl.  Landesweit ist das die große Ausnahme. Nächsten Mittwoch beginnen die Anmeldungen für die sieben städtischen Gymnasien und die anderen weiterführenden Schulen.

Michael Schläger

Wechselstimmung: Die meisten Bielefelder Gymnasien setzen wieder auf das Abi nach neun Schuljahren. Foto: dpa

In NRW wollen nur wenige Gymnasien beim Abi nach acht Jahren bleiben – in Bielefeld gleich zwei: das  Max-Planck-Gymnasium und der Gymnasialzweig der Georg-Müller-Schule, einer christlichen Schule in freier Trägerschaft. Dort haben die Anmeldungen bereits stattgefunden. 70 Eltern haben ihre Kinder für G8 angemeldet, zehn mehr als aufgenommen werden können. »Das ist kein Unterschied zum Vorjahr«, sagt Leiter Karsten Lauenroth.

Kaum Veränderungen bei den Anmeldungen – davon geht auch Andrea Kleist, seit Schuljahresbeginn Chefin des städtischen Max-Planck-Gymnasiums, aus. 142 Kinder wurden im vergangenen Jahr am Max-Planck-Gymnasium aufgenommen. Bereits im September hatte sich die Schulkonferenz für die Beibehaltung von G8 ausgesprochen. »Wir sind ein Ganztags-Gymnasium«, betont Kleist. »Unsere Stundentafel ist so ausgelegt, dass es am Ende keinen Unterscheid zu einem neunjährigen Gymnasium gibt.«

»Mehr Zeit, neue Möglichkeiten«

»Wir haben mehr Zeit, und es gibt neue Möglichkeiten für den Unterricht«, sagt Dr. Julia Litz, Direktorin des Ceciliengymnasiums. Ihre Schule kehrt wie alle übrigen städtischen und drei nichtstädtische Gymnasien (Marienschule. Hans-Ehrenberg-Gymnasium, Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen) zu G9 zurück. Im Vergleich zum früheren G8 stünden bis zu 1000 Unterrichtsstunden zusätzlich zur Verfügung. Gleichzeitig könne der Stundenplan entzerrt werden.

In der künftigen Sekundarstufe I sind auf sechs Schuljahre verteilt 180 Wochenstunden vorgeschrieben. Das entspräche sechs Unterrichtsstunden pro Tag – und ermöglichte einen Halbtagsbetrieb. Darüber hinaus können acht Schulstunden zur Profilbildung genutzt werden.

»Damit können wir eigene Schwerpunkte setzen«, sagt Litz. An ihrer Schule sind dies die Orchesterklasse, die Europaklasse (mit Französisch und Englisch ab Klasse 5) und ein naturwissenschaftlicher (MINT-)Schwerpunkt. Am Ratsgymnasium kann der Start mit Latein ab Klasse fünf weiter angeboten werden. Für alle gilt: Der reguläre Unterricht in der zweiten Fremdsprache muss nicht wie bei G8 schon in der sechsten Klassen beginnen.

»Ein Jahr mehr Lebensbildung«

Mehr Zeit, auch für Aktivitäten außerhalb der Schule in Sportverein oder Musikschule, ist für viele Eltern der ausschlaggebende Grund, ihr Kind an einer G9-Schule anzumelden. Andrea Kleist hält dagegen, dass in ihrem Ganztagsbetrieb die Kinder die Hausaufgaben, die dort Lernaufgaben heißen, weitestgehend in der Schule erledigen könnten. Und: Acht Jahre Gymnasien bedeuteten »ein Jahr mehr Lebensbildung.« Schon bisher machten viele anschließend ein Freiwilliges soziales Jahr, gingen auf Reisen. Auch das Argument, acht Jahre seien nur etwas für Überflieger, hält Kleist für verfehlt. Auch die Schwächeren würden gefördert.

»Unterm Strich sind die Unterschiede gar nicht so gewaltig«, meint Jörg Neumann, Direktor des Gymnasiums Heepen und Sprecher der Bielefelder Gymnasialdirektoren. Sein Tipp: Die Eltern sollten ihre Entscheidung nicht so sehr von G8 oder G9 abhängig machen, sondern vielmehr vom individuellen Angebot der Schulen. »Damit fährt man am besten.«

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