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Neues Alpin-Zentrum des Alpenvereins an der Meisenstraße ist seit Samstag in Betrieb

Bielefelds neuer Hausberg ist eröffnet

Bielefeld  (WB). Er war ein Foto-Finish: In der Nacht auf Freitag waren per Bulli die letzten Griffe aus Kassel herangeschafft worden, am Freitag um 12.30 Uhr gab es grünes Licht vom Ordnungsamt für den Gastronomiebetrieb, knapp 24 Stunden später „hingen“ die Kletterer an den Wänden – mit einer Feier hat die Bielefelder Sektion des Deutschen Alpenvereins am Samstag ihr neues Alpin-Zentrum an der Meisenstraße eröffnet.

Hendrik Uffmann

David Leins (23) war am Samstag der erste, der die neue Boulder-Halle getestet hat . Foto: Hendrik Uffmann

Der erste, der nach der Freigabe pünktlich um 12 Uhr eine der beiden Boulder-Hallen testete, war David Leins. Seit fünf Jahren klettert der 23-Jährige, bislang im „Speicher I“, den der Bielefelder DAV zur Kletterhalle umgebaut und 15 Jahre lang betrieben hatte. „Die neuen Hallen sind super. Und ich bin sehr gespannt, wie die Wände hier technisch sind“, sagte er, bevor er sich mit sicheren Griffen und kraftvollen Bewegungen in der 4,50 Meter hohen Boulder-Wand empor arbeitete. Denn jede Anlage habe ihren eigenen Stil, erklärte David Leins, „deshalb gibt es hier viel zu entdecken“.

Das neue Alpin-Zentrum bedeutet für den Bielefelder Alpenverein ein Neustart auf ganzer Linie. Nach langen Diskussionen hatte der 3850 Mitglieder starke Verein die Weichen für das Projekt gestellt, das 4,9 Millionen Euro brutto gekostet hat und bedeutet, dass die Geschäftsstelle, die nun ebenfalls ihren Sitz in dem Gebäude an der Meisenstraße hat, seit 120 Jahren erstmals nicht mehr in der Innenstadt ist.

456 Tage habe die Bauzeit schließlich betragen, so dass der Zeitplan, aber auch der Kostenrahmen eingehalten worden seien, sagte Volker Wilde vom vierköpfigen Vorstand des Vereins bei der Eröffnungsfeier, zu der neben Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) auch Josef Klenner, Präsident des Deutschen Alpenvereins, und Detlef Kuhlmann, Präsident des Bielefelder Stadtsportbundes, gekommen waren.

„Unfassbar schön“

Wie viel Arbeit die termingerechte Fertigstellung des Projekts auch noch in den letzten Tagen und Wochen gekostet hat, war am Samstag auch Daniel Quast vom Vorstand der Bielefelder DAV-Sektion deutlich anzumerken. „Deshalb ist es unfassbar schön, jetzt hier bei der Eröffnung zu stehen“, sagte Quast sichtlich erleichtert.

DAV-Präsident Josef Klenner zeigte sich beeindruckt von dem Alpin-Zentrum. Und dieses sei auch ein Beitrag zum Klimaschutz, für den sich der DAV einsetze. „Hier kann jetzt mitten in der Stadt geklettert werden und Ausbildung stattfinden. So können viele lange Autofahrten vermieden werden.“

Pit Clausen sprach von „Science Fiction“, die Realität geworden sei. „Als ich das erste Mal von den Plänen gehört habe, konnte ich mir ein Alpin-Zentrum in Bielefeld nicht vorstellen. Jetzt hat der Verein es geschafft und ich bin begeistert“, sagte der Oberbürgermeister – um allerdings mit Blick auf die Höhe der Boulder-Wand auf die nächste Hürde hinzuweisen. „Jetzt kann ich mir nur nicht vorstellen, wie man dort hochklettern kann.“

„Kathedrale des Klettersports“

Stadtsportbund-Präsident Detlef Kuhlmann sprach von einer „Kathedrale des Klettersports“, die ein Leuchtturm-Projekt auch über Bielefelds Grenzen hinaus sei, „vielleicht sogar in ganz Deutschland“.

Dass er damit nicht ganz falsch liegt, bewiesen am Samstag Rainer Beckensträter und Yvonne Herbermann, die am Eröffnungstag aus Beckum gekommen waren, um die neue Kletterhalle zu testen. „Sieht gut aus“, lautete Beckensträters erste Einschätzung. Und Yvonne Herbermann lobte „die Helligkeit durch das Tageslicht“. Und auch Bianca Gläß und ihre Tochter Hannah (17) aus Bielefeld gaben gute Noten. „Ich bin begeistert“, erklärte Hannah, die durchaus schon Vergleichsmöglichkeiten hat. „Ich kletter quasi schon mein ganzes Leben lang.“

Wann die Außenkletterwand, die aus Kostengründen zurückgestellt werden musste, errichtet werden kann, stehe noch nicht fest, sagte Daniel Quast. „Aber auch dabei lassen wir nicht locker.“

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