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Ravensberger Brauerei wird mit Projektentwickler einig und bleibt in Bielefeld

Bierhähne sprudeln doch bei Möller

Bielefeld

Eine überraschende Wendung in ihrer langfristigen Planung vermeldet die Ravensberger Brauerei („Flutlicht“-Bier): Das mit seiner Verwaltung im Bielefelder Stadtteil Brackwede ansässige Unternehmen, das bislang ohne eigene Brautechnik auskommt und seine Biere bei Westheimer in Marsberg herstellen lässt, zieht nun doch nicht an die Herforder Straße 285.

Markus Poch

Zwischen Kupferhammer (links) und Brockhagener Straße (rechts): Auf diesem Teil des Möller-Geländes im Bielefelder Stadtteil Brackwede will sich die Brauerei ansiedeln. Rechts oben ist die Rückseite des Real-Marktes erkennbar. Foto: Thomas F. Starke

Erst im Januar 2020 hatten Inhaber Mike Cacic und sein Geschäftspartner Christoph Harras-Wolff mitgeteilt, man werde sich mit der Brauerei in der Oldtimer-Werkstatt des Kfz-Mechanikermeisters Karl-Heinz Esdar einmieten, um Ostwestfalen künftig aus einer seiner Hallen mit Bier zu versorgen. Diese Idee ist nun überholt: Die Ravensberger Brauerei bleibt auf dem Möller-Gelände in Brackwede und braut auch dort.

Anfang 2022 will sie einen „maßgeschneiderten“ Neubau beziehen – mit Platz für sämtliche Brauanlagen, eine rustikale Probierstube, ausreichend Büros und der Mannschaft des befreundeten Getränkeherstellers Limoment als Untermieter.

Möglich macht das die Firma Möller Real Estate: Für etwas mehr als eine Million Euro stellt sie der Brauerei eine auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Halle auf ein freies Brachgelände zwischen Kupferhammer und Brockhagener Straße. „Wir freuen uns darüber, der Ravensberger Brauerei eine neue, langfristige Heimat am Kupferhammer bauen zu können“, sagt Geschäftsführer Denis Rauhut. „Damit erhält Bielefeld nach 100 Jahren endlich wieder eine eigene Brauerei.“

Das 1100 Quadratmeter große, zehn Meter hohe Gebäude soll sich 36 Meter entlang der Brockhagener Straße erstrecken. Zur Stromversorgung der Maschinen und des Fuhrparks ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach vorgesehen. Über eine große Fensterfront sollen die Braukessel einsehbar sein und Lust machen auf „handwerklich gebrautes Bier aus Bielefeld“, erzählt Mike Cacic.

Nach Vorstellung des 32-Jährigen benötigen sein Team und Brauerei-Entwickler Wilhelm Schoppmeier nach Fertigstellung der Halle zwei Monate Zeit, die rund eine Million Euro teure Brautechnik zu installieren und zu testen. Cacic ist optimistisch, dass schon im Frühling 2022 das erste vor Ort gebraute Bier aus den Zapfhähnen sprudelt.

„Dann kann er mit Fug und Recht behaupten, dass er Bielefelder Bier braut“, sagt Denis Rauhut schmunzelnd. Er spielt an auf einen Rechtsstreit mit der Wettbewerbszen­trale, der Mike Cacic 2017/2018 bundesweit Schlagzeilen beschert hatte. Auslöser waren seine Flaschenetiketten, die den Anschein erweckten, das Bier sei in Bielefeld hergestellt worden, was aber nicht der Fall war.

„Es wird eine Brauerei, die CO2- und geruchsneutral produziert. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke hat uns überzeugt“, argumentiert Julian von Möller aus Sicht der Industriellenfamilie Möller. Als Beiratsmitglied der Möller Real Estate setzt er auf die Kombination von Tradition und Innovation.

Aus der Bielefelder Brauerei-Geschichte ist nur wenig überliefert. Laut Dr. Jochen Rath, Leiter des Stadtarchivs, soll es seit den 1870er Jahren mehrere Bierproduzenten gegeben haben, darunter die Brauereien J. Reiff und Sparenberger. Wie groß sie waren und wie erfolgreich, ist unbekannt. Doch spätestens die Weltkriege haben die Branche in Bielefeld ausgelöscht.

Mike Cacic ist fest entschlossen, sie neu zu beleben. Der Vertrag sei in trockenen Tüchern, die Finanzierung gesichert. Ein weiterer Investor stehe kurz vor dem Eintritt in die GmbH. Baubeginn soll im zweiten Quartal 2021 sein.

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