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Rodelspaß – Risiko auf Kufen – Demo am Obersee – nachts minus 20,5 Grad

Bilderbuch-Winter und Eis-Ärger

Bielefeld (WB)

Minus drei Grad tagsüber. Das sind in diesen Tagen mit klirrender Kälte fast schon milde Temperaturen. Wenn dann noch wie am Samstag und Sonntag strahlender Sonnenschein und blauer Himmel hinzukommen, ist der Bilderbuch-Winter perfekt.

Michael Schläger 

Winteridyll mit Einschränkungen: Auf dem Teich im Bürgerpark war das Eislaufen eigentlich nicht erlaubt. Foto: Bernhard Pierel

Kein Wunder also, dass es am Wochenende viele Bielefelderinnen und Bielefelder nach draußen gezogen hat, den Rodelschlitten im Schlepptau oder die Eislaufschuhe angeschnallt.

Das Eislaufen jedoch auf einem der 300 zugefrorenen Seen, Teiche oder Tümpel der Stadt war eigentlich verboten. 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren im Einsatz, um die Einhaltung des Verbots zu überwachen. Manchmal wurden sie dabei von Eisläufern massiv angegangen.

Auf dem Obersee trafen die Ordnungsamts-Streifen am Samstag rund 90 Schlittschuhläufer an. Die verhielten sich teilweise renitent, mussten unter Androhung von Zwangsmitteln zum Verlassen der Eisfläche aufgefordert werden. Platzverweise wurden ausgesprochen. In einem Fall wurde wegen Verweigerung der Personalien Polizeiunterstützung angefordert und ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Auf einem Parkplatz an der Talbrückenstraße wurden von Unbekannten die Reifen eines Dienstwagens des Ordnungsamtes zerstochen.

„Am Samstag Nachmittag hatte ich das Gefühl, dass die Streifen des Ordnungsamtes die Segel gestrichen haben“, sagt „Seekrug“-Wirt Christian Schulz. Zu groß sei der Andrang am Obersee gewesen. Verstehen kann er das strikte Einschreiten nur bedingt. „Ich bin 24 Jahre hier am See. Das hat es in dieser Form in der Vergangenheit nicht gegeben.“

Im Bürgerpark musste am Samstag mehrfach kontrolliert werden. 250 Menschen waren zeitgleich im Park, bis zu 40 auf dem kleinen Teich.

Am Bockschatzteich in Brackwede hatten sich etwa zehn Personen aufs Eis begeben, die zudem noch gegen die Kontaktbeschränkungen der Corona-Schutz-Verordnung verstoßen hatten. Sie verließen auch nach mehrfacher Aufforderung die Eisfläche nicht. Stattdessen wurden die Mitarbeiter des Ordnungsamtes beleidigt und beschimpft. Ein weiteres Team wurde zur Unterstützung hinzugezogen. Fazit: Gegen drei Beteiligte wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Demonstriert wurde auch noch

Andernorts lief es friedlicher ab, etwa am Sennestadtteich, dem Teich im Johannistal und im Park am Lichtebach in Quelle. Hier stießen die Ansprachen des Ordnungsamtes auf Verständnis.

Die Eiswarnung der Stadt kam nicht unbegründet. Trotz des Wintereinbruchs am vergangenen Wochenende bewegten sich die Menschen tatsächlich „auf dünnem Eis“. Damit es hält, muss der Frost noch dauerhafter sein, so die Stadt. Einsatzkräfte der Feuerwehr nutzten das Winterwetter derweil, um die Rettung auf dem Eis zu proben.

War das Eisvergnügen zwiespältig, war das Rodelglück fast schon im Wortsinn „ungebremst“. Auf den einschlägigen Rodelpisten war ordentlich etwas los, am Tierpark Olderdissen, am Monte Scherbelino im Bielefelder Osten oder am Käseberg in Brackwede.

Demonstriert wurde auch noch. Rund 100 Menschen versammelten sich am Sonntag Nachmittag nach Polizeiangaben zu einer angemeldeten Demo am Obersee. Der Verlauf sei störungsfrei gewesen, wenngleich die Abstandsregeln nicht immer eingehalten worden seien. Die Demonstranten sollen aus der Querdenker- und Impfverweigererszene gekommen sein.

Auch das gehört zum Winter-Wochenende: Bei den Minusgraden hat Bielefeld in der Nacht zum Sonntag Platz zwei in NRW belegt. Die Wetterstation in Deppendorf meldete minus 20,5 Grad. Nur in Warburg war es mit 21,2 Gard noch frostiger.

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