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Spendedienst Bethel wirbt für mehr Spender

»Blut wächst nicht auf Bäumen«

Bielefeld-Bethel (WB). 16 Spender haben sich am Montag Vollblut abnehmen lassen im Blutspendezentrum Bethel. »Eine solche Menge können wir schon bei einem einzigen schweren Motorradunfall benötigen«, sagt Dr. Klaus Leimkühler. Allerdings von einer einzigen Blutgruppe – nicht, wie gestern, von vier verschiedenen.

Hendrik Uffmann

Dr. Klaus Leimkühler und MTA Svenja Düning zeigen, wie eine Blutspendesituation aussieht. Die eigentliche Spende von 500 Millilitern Blut dauert nur etwa fünf bis zehn Minuten. Das Gerät links im Bild  wird für Thrombozytenspenden benötigt. Foto: Hendrik Uffmann

Für solche Fälle – aber längst nicht nur – werden deshalb kontinuierlich und vor allem mehr Spenden benötigt, sagt Leimkühler, leitender Arzt des zum Evangelischen Klinikum Bethel gehörenden Blutspendedienstes.

Und das vor allem auch jetzt in den Sommerferien. Zwar spüren sie die »Delle« an Spenden in der Einrichtung nicht ganz so stark wie bei anderen Spendediensten, doch sei der Rückgang in Urlaubszeiten auch in Bethel spürbar. Zumal es immer mehr Länder gebe, in den der Westnilvirus vorkomme, zum Beispiel in Südfrankreich, Österreich oder in den Balkanstaaten. »Und das heißt, dass Menschen, die dort im Urlaub waren, nach ihrer Rückkehr vier Wochen warten müssen, bevor sie das nächste Mal Blut spenden«, so Leimkühler.

Vollblut-Bedarf nur zur Hälfte gedeckt

Ohnehin sei die Zahl der Blutspender seit Jahren in ganz Deutschland rückläufig. Fast 6000 Vollblutspenden habe das Zentrum noch vor sechs bis sieben Jahre jährlich verzeichnet, inzwischen sind es 3500 bis 4000. Und die Situation werde sich in einigen Jahren weiter zuspitzen, sagt Klaus Leimkühler voraus.

Fakten zur Blutspende

- Pro Vollblutspende werden 500 Milliliter abgenommen.

- Nicht mit nüchternem Magen spenden. Getränke gibt es vor Ort.

- Eine Spende dauert fünf bis zehn Minuten, etwa 30 Minuten Ruhezeit sind anschließend empfohlen.

- Männer können maximal sechs Mal pro Jahr Blut spenden, Frauen vier Mal.

- Pro Vollblutspende gibt es eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro.

- Spender können im Klinik-Parkhaus drei Stunden gratis parken.

Denn momentan gebe es verhältnismäßig wenig Menschen im Alter von etwa 75 Jahren – eine Bevölkerungsgruppe, bei der häufiger Blutprodukte benötigt werden. »Die Schere zwischen Spendern und Empfängern wird aber in fünf bis sechs Jahren deutlich weiter auseinander gehen«, vermutet der Arzt.

Dabei werden Blutprodukte in den verschiedensten Bereichen benötigt. Das Vollblut wird unter anderem bei Operationen gebraucht. Darüber hinaus gibt es beim Blutspendedienst Bethel aber auch Plasma- und Thrombozytenspenden. Thrombozyten sind die roten Blutplättchen, die zum Beispiel Leukämiepatienten brauchen, aber auch andere Krebskranke, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen. Und auch frühgeborene Babys bräuchten häufig Blutspenden.

Ziel des Blutspendedienstes in Bethel sei es, den Bedarf in den zum EvKB gehörenden Kliniken selbst zu decken. Mit den bis zu 4000 jährlichen Vollblutspenden gelinge dies aber nur etwa zur Hälfte, die übrigen Blutkonserven müssten zugekauft werden«, sagt Leimkühler. Besser sieht es bei den Thrombozytenspenden aus. Die etwa 800 Spenden pro Jahr deckten etwa 90 Prozent des Bedarfs ab.

Arbeitsfähigkeit der Kliniken nicht gefährdet

Die Arbeitsfähigkeit der Kliniken sei nicht gefährdet, betont der Arzt. »Aber wir wollen ja auch, dass es so bleibt.« Benötigt werden deshalb weitere Spender – vor allem solche, die regelmäßig kommen. Denn Blutprodukte sind nur begrenzt lagerbar – eingefrorene Plasmaspenden bis zu zwei Jahre, Vollblutspenden 42 Tage und Thrombozytenspenden sogar nur fünf Tage. »Ein regelmäßiges Spendenaufkommen ist deshalb wichtig«, sag Svenja Düning, die als Medizinisch-Technische Assistentin die Spender betreut.

Angst vor einer Spende müsse niemand haben, der sich gesund fühle und zuvor ausreichend gegessen und getrunken habe, erklärt  Leimkühler. »Und es tut auch nicht mehr weh als bei einer Blutabnahme beim Arzt.« Eine starke Motivation zur Spende sei vorhanden, wenn es im Familien- oder Freundeskreis einen Menschen gebe, der auf Blutprodukte angewiesen sei. Und viele Spender, die zum ersten Mal kommen, würden wieder kommen. »60 bis 70 Prozent werden zu Stammspendern.«

Und in manchen Fällen dient die Sende auch der Gesundheit des Spenders, weil das Blut auf diese Weise kontinuierlich auf Krankheiten untersucht wird. Und es gebe Studien, die belegten, dass regelmäßiges Blutspenden noch eine weitere positive Wirkung habe, sagt Klaus Leimkühler: »Es kann langfristig den Blutdruck senken.«

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