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Auto geht vor der Stadthalle in Flammen auf – Staatsanwaltschaft klagt Bielefelder (56) an

Brandstifter bei der Tat gefilmt

Bielefeld (WB).

Ob Mülltonnen neben der Haustür, Lauben in Kleingartenanlagen oder die Altpapierpresse im Keller des Einkaufszentrums Loom: Vergangenes Jahr wurden quer durch Bielefeld Dutzende Feuer gelegt. Die Täter blieben bis heute fast alle unbekannt. In einem Fall von Brandstiftung hat die Staatsanwaltschaft jetzt jedoch Anklage erhoben.

Jens Heinze 

Ein Bielefelder (56) soll sich vor einem Schöffengericht verantworten, weil er im Bahnhofsviertel vor der Ausstellungshalle an der Stadthalle den geparkten Kleintransporter eines 42-jährigen Rietbergers angezündet haben soll. Foto: dpa

Ein Bielefelder (56) soll sich vor einem Schöffengericht verantworten, weil er im Bahnhofsviertel vor der Ausstellungshalle an der Stadthalle den geparkten Kleintransporter eines 42-jährigen Rietbergers angezündet haben soll.

Die Tat vom 10. Oktober vergangenen Jahres gegen 1 Uhr richtete großen Schaden an. Der Kleintransporter, ein VW Crafter, brannte vor Eintreffen der alarmierten Feuerwehr im Frontbereich aus und erlitt Totalschaden. Zudem wurden acht große Scheiben samt Fensterrahmen der Ausstellungshalle, dem heutigen Impfzentrum, von der Hitze des Feuers zerstört. „Am Auto entstand Schaden von etwa 25.000 Euro, an der Halle waren es 60.000 Euro“, sagte die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse.

Ein persönliches Motiv gab es den Ermittlern zufolge nicht

Der Brandstifter wurde dabei gefilmt, wie er zum Tatort radelt und dann mit einem Molotowcocktail das Fahrzeug des Cateringunternehmens aus dem Kreis Gütersloh in Flammen setzt. Es hätte in jener Nacht auch ein anderes Auto treffen können. Ein persönliches Motiv gab es den Ermittlern zufolge nicht. „Der Angeklagte und der Besitzer des Kleintransporters kannten sich nicht“, sagte Staatsanwältin Claudia Bosse.

Der jetzt angeklagte Bielefelder geriet anhand der Aufnahmen von der Tat schnell ins Visier der Brandermittler der Kripo. Nach Informationen dieser Zeitung ist der Mann polizeibekannt. Er wird verdächtigt, ein notorischer Pyromane zu sein und schon öfter gezündelt zu haben. Doch war dem 56-Jährigen bislang nie etwas nachzuweisen.

Das ist im Fall des auf Film dokumentierten Brandanschlags auf den Kleintransporter vor der Stadthalle offenbar anders. Als Kripoermittler am 19. November 2020 die Wohnung des Bielefelders durchsuchten, sollen unter anderem Bekleidung, die der Täter getragen hatte, und das Fahrrad, mit dem der Brandstifter durchs Bahnhofsviertel radelte, gefunden worden sein, sagte Staatsanwältin Bosse.

Der Bielefelder hat sich bislang nicht geäußert

Der beschuldigte Bielefelder hat sich zum Vorwurf der vorsätzlichen Brandstiftung bislang nicht geäußert. „Wir wissen das Motiv nicht. Der Angeklagte hat von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht“, erklärte die Staatsanwältin.

Wann der Prozess gegen den 56-Jährigen stattfindet, steht noch nicht fest. Wegen der Coronavirus-Pandemie werden von der Bielefelder Justiz aktuell vorrangig Haftsachen verhandelt. Für in U-Haft sitzende Angeklagte gilt nämlich der sogenannte Beschleunigungsgrundsatz des Gesetzgebers. Die Untersuchungshaft soll bis zum erstinstanzlichen Urteil nur im Ausnahmefall länger als sechs Monate dauern.

Das ist beim anstehenden Brandstifter-Prozess nicht der Fall. Der angeklagte Bielefelder befindet sich weiter auf freiem Fuß.

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