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Bis zu 50 Prozent Absagen in Ostwestfalen-Lippe – Sorge vor Nebenwirkungen?

Breite Ablehnung von Astrazeneca-Impfstoff

Bielefeld/Paderbo...

In mehreren Impfzentren in OWL kann ein erheblicher Teil des Corona-Impfstoffs aktuell nicht genutzt werden, weil Impfberechtigte kurzfristig absagen. Die Ablehnung trifft ausschließlich das Serum des Herstellers Astrazeneca.

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Der Astrazeneca-Impfstoff ist umstritten. Foto: imago images/ZUMA Wire

Dr. Theodor Windhorst, Leiter des Impfzentrums Bielefeld, schätzt die Quote der Ablehner dort auf 30 Prozent. „Die Menschen erscheinen zum Impftermin, fragen uns, welchen Impfstoff wir für sie haben, und wenn wir Astrazeneca sagen, gehen sie wieder.“

Seit Mittwoch werde dieser Impfstoff in Bielefeld Feuerwehrleuten und Mitarbeitern ambulanter Pflegedienste angeboten. Windhorst: „Wer ihn nicht möchte, muss damit rechnen, dass er noch ein Jahr oder länger warten muss, bis es vielleicht genügend Impfstoff für eine freie Auswahl gibt.“ Die Dosen, die jetzt nicht gespritzt würden, könnten 60 Tage aufbewahrt werden. „Deshalb machen wir uns keine Sorgen, dass wir keine Abnehmer finden“, sagt der Arzt.

Er könne sich nicht erklären, warum so viele Menschen diesen Impfstoff ablehnten, sagt Windhorst. „Wir wissen, dass er wirksam ist und vor schweren Corona-Verläufen schützt.“ Er wirke auch gegen die britische Mutante. „Nur über eine mögliche Wirksamkeit gegen die südafrikanische Variante kann man nach Auskunft von Professor Drosten noch nichts sagen, weil die Daten noch fehlen.“

Keine Festlegung für immer

Wer sich jetzt mit dem Serum von Astrazeneca impfen lässt, kann sich später im Leben trotzdem mRNA-Impfstoff etwa von Biontech spritzen lassen. „Gegebenenfalls kann man sich später nachimpfen lassen – aber erst, wenn genug mRNA-Impfstoff für alle bereitsteht,“ sagt der Virologe Dr. Thomas Hoppe.

Im Paderborner Impfzentrum sind nach Angaben des Leiters Dr. Gregor Haunerland am Montag und Dienstag Termine von Mitarbeitern ambulanter Pflegedienste kurzfristig abgesagt worden – oder die Impflinge seien einfach nicht gekommen. Die Quote habe bei etwa 50 Prozent gelegen. Für Montag und Dienstag seien zusammen 120 Termine für priorisierte Berufsgruppen geplant gewesen. 40 Impfdosen blieben über.

Begleiterscheinungen wie Schüttelfrost seien völlig normal, sie seien der Beweis dafür, dass sich der Körper mit dem Virus auseinandersetze, sagt Haunerland.

Solche Symptome seien auch nach der zweiten Impfung mit dem Serum des Herstellers Biontech bekannt, sagt Dr. Anke Richter-Scheer vom Impfzentrum des Kreises Minden-Lübbecke, wo es bisher keine Probleme mit Impf-Ablehnern gebe.

Im Impfzentrum des Kreises Herford hat Leiter Dr. Frank Walhöfer eine etwa ebenso hohe Ablehnungsrate wie in Bielefeld festgestellt. Seine Beobachtung: „Nach 50 Prozent der Impfungen kommt es zu heftigen Nebenwirkungen. Die fallen dann so stark aus, dass jemand dienstunfähig geschrieben werden muss.“ Das spreche sich herum, vor allem in den Pflegeberufen.

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