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CDU-Europaparlamentarier aus Bielefeld an Vorbereitungen für Staatsakt beteiligt

Brok: »Das war Helmut Kohls Wunsch«

Bielefeld (WB). Kaum ein deutscher Politiker war bis zum Tod Helmut Kohls noch so nah am Altkanzler wie Elmar Brok. Der CDU-Europaparlamentarier aus Bielefeld trägt auch zu den Vorbereitungen des Trauerakts am kommenden Samstag in Straßburg und Speyer bei. Über den Streit in der Familie Kohl hat Andreas Schnadwinkel mit Elmar Brok gesprochen.

Ein Mitarbeiter des Bundespresseamtes trägt sich in Bonn ehemaligen Bundeskanzleramt in das Kondolenzbuch für Helmut Kohl ein. Foto: dpa

Wie sind Sie in die Trauerfeierlichkeiten eingebunden?

Elmar Brok : Ich habe zwar den Kontakt zum ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez hergestellt und stehe im Kontakt zum Trauerhaus, aber ansonsten bin ich nicht an den Vorbereitungen beteiligt.

Macht Sie der Streit in der Familie Kohl traurig?

Brok : Die ganze Sache ist sehr betrüblich. Die größte Schuld daran tragen nach meiner Einschätzung die Söhne, die schon seit längerer Zeit keine gute Rolle spielen. Diese für die Medien inszenierte Show vor der Haustür in Ludwigshafen war nicht schön.

Ist Maike Kohl-Richter die Vollstreckerin des letzten Willens von Helmut Kohl, oder ist der europäische Trauerakt ihre Idee?

Brok : Das war Helmut Kohls Wunsch. Natürlich trifft jetzt Maike Kohl-Richter bei den Vorbereitungen die Entscheidungen, aber die Art der Beisetzung mit dem Trauerakt in Straßburg ist sein letzter Wille. Helmut Kohl wollte damit auch in seinem Tod noch ein großes europäisches Zeichen setzen. Die Beisetzung mit der Fahrt von Straßburg nach Speyer über den Rhein ist ein starkes Symbol von europäischer Dimension.

Wollte Kohl auch eine historische Dimension?

Brok : Ich glaube das. Die Kriege in Europa waren über 1000 Jahre die Kriege zwischen Frankreich und Deutschland um das Mittelreich der Karolinger, um den mittleren Teil des Fränkischen Reichs. Für den Historiker Helmut Kohl war die deutsch-französische Freundschaft der Kern der europäischen Einigung, um einen Krieg auf immer unmöglich zu machen.

Was sagen Sie zu der Kritik daran, dass der Trauerakt nicht in Deutschland stattfindet?

Brok : Das ist kleinkariert. Wer das kritisiert, versteht die Dimension des politischen Lebenswerks von Helmut Kohl nicht.

Kritik gibt es unterdessen auch, weil EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker von einem »europäischen Staatsakt« spricht, obwohl die EU kein Staat ist.

Brok : Auch das ist kleinkariertes und bürokratisches Denken. Es wird von Staatsakt gesprochen, damit jeder versteht, worum es am 1. Juli in Straßburg geht. Natürlich ist die EU formal kein Staat, aber mit dem Trauerakt bekommt die Notwendigkeit der europäischen Einigung ein weiteres Symbol.

War Helmut Kohl seinem Land, das ihm so viel zu verdanken hat, am Ende böse?

Brok : Nein, überhaupt nicht. Er hat Deutschland und die Menschen geliebt. Der Trauerakt in Straßburg ist kein Zeichen gegen Deutschland, sondern ein Zeichen für Europa – und vor allem für Deutschland in Europa. Kohl war immer klar, dass es die deutsche Einheit ohne ein einiges Europa nicht gegeben hätte.

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