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Wegen des Lockdowns bricht der Umsatz des Bielefelder Mini-Weihnachtsmarktes ein

Budenzauber auf Sparflamme

Bielefeld (WB).

Der Bielefelder Weihnachtsmarkt wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Ein paar Stände gibt es trotzdem. 15 Anbieter durften seit dem 1. Dezember ihre Produkte in der Bielefelder Innenstadt verkaufen. Doch wegen des harten Lockdowns mussten einige der von Bielefeld Marketing bereit gestellten Hütten mit Kunsthandwerk und anderen Dingen schon wieder ihre Pforten schließen.

Kerstin Panhorst 

Mit fehlenden Kunden hat auch Elsbeth Laffontin-Wimmert zu kämpfen, sie will aber weiter die Stellung halten. Foto: Kerstin Panhorst

Der Budenzauber wurde noch kleiner: Nur der Verkauf von Lebensmitteln zum Mitnehmen ist noch gestattet. Süßwaren wie Mandeln und Lebkuchen, Kräuterbonbons und schokolierte Früchte gibt es noch an einigen Ständen in der Bahnhof-, Niedern- und Obernstraße.

Der Mini-Weihnachtsmarkt sollte ein Lichtblick für einige in der Corona-Krise hart getroffene Schausteller werden, doch diese Hoffnung hat sich nicht wirklich erfüllt. Die Geschäfte sind geschlossen, die Besucher bleiben größtenteils aus. Noch bis zum 23. Dezember dürften die Buden geöffnet bleiben, doch zwei der Schausteller haben schon am Samstag ihre Stände abgebaut. „Bei uns läuft es nicht so. Wir haben eine andere Hütte und einen anderen Standort und dürfen auch nichts zum Probieren anbieten. Außerdem ist die Wetterprognose schlecht, bei Regen bleiben die Besucher noch mehr aus, und die Ware könnte nass werden“, erklärt Tanja Krummacker, die vor dem Karstadt-Haupteingang ihre naturbelassenen Gewürze und Tees angeboten hat. Sie und die Familie Jelitte an der Altstädter Nicolaikirche bauten bereits am Samstag ihre Zelte ab.

„Vor dem Lockdown war das Geschäft völlig in Ordnung, aber danach ist es schon dünn geworden. Wir machen aber nicht deshalb früher zu, sondern wegen der Familie“, erzählt Volker Jelitte. Für ihn und Bruder Patrick war der Mini-Weihnachtsmarkt „nur Schadensbegrenzung, wir haben ja das ganze Jahr nichts verdient“. Die Stammkunden halten ihnen aber die Treue, so wie Stefanie Bleck: „Ich bin heute extra aus Gütersloh gekommen, um hier Cappuccino- Mandeln zu kaufen für meinen Schwiegervater, die hole ich jedes Jahr“.

Die anderen sieben Schausteller haben einstimmig entschieden, die Zeit bis zum 23. voll auszunutzen. „Das ist immer noch besser als Zuhause zu sitzen und Däumchen zu drehen“, sagt Marion Laffontin, die an der Obernstraße ihre gebrannten Mandeln verkauft, während ihre Tochter Elsbeth Laffontin-Wimmert im Stand an der Bahnhofstraße vor dem Loom die Stellung hält. Seit 38 Jahren bietet der Familienbetrieb seine Waren auf dem Bielefelder Weihnachtsmarkt an. „Die Bielefeld Marketing hat sich auch in diesem Jahr so viel Mühe gegeben, da können wir trotz der schwierigen Lage nicht die Flinte ins Korn werfen“, sagt Marion Laffontin.

Aufgeben will auch Yalcin Pirhan nicht. In Ela‘s Gourmethütte bietet er italienische und französische Köstlichkeiten wie Cannoli und Nougat an. „Es tut auch meiner Seele gut, hier zu stehen, wir alle machen das mit Herzblut und brauchen den Kontakt zu den Kunden. Und wenn ich abends nach Hause gehe, habe ich wenigstens das Gefühl, dass ich etwas erledigt habe“, sagt der Schausteller, für den der Weihnachtsmarkt die erste Veranstaltung in diesem Jahr überhaupt ist. Die meisten Standbetreiber leben derzeit von ihrem Ersparten oder den staatlichen Hilfen. „Wir haben vielleicht 10 Prozent Umsatz von dem, was wir in normalen Jahren haben“, schätzt Frank Oberschelp, der seine Kräuterbonbons vor dem Schuhhaus Görtz verkauft.

Schräg gegenüber bietet die seit 40 Jahren fest zum Weihnachtsmarkt gehörende Familie Scorziello gebrannte Mandeln und kandierte Äpfel an. „Unsere Stammkundschaft unterstützt uns, und es kommen auch so noch einige vorbei, die etwas für Weihnachten für den bunten Teller holen“, erzählt Julia Scorziello. „Und was tut schließlich gut in der Krise? Etwas Süßes natürlich!“

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