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Schneemassen fordern Mobiel heraus – Busbetrieb läuft in Bielefeld langsam wieder an – Bahnen stehen bis Sonntag

Bürger sollen schaufeln helfen

Bielefeld

Ausnahmesituation bei den Verkehrsbetrieben Mobiel: Die beinahe arktischen Wetterverhältnisse haben den ÖPNV der Stadt Bielefeld komplett zum Erliegen gebracht. Seit drei Tagen stehen die Räder still. So lange schon ruhen fast alle der 125 eigenen Busse, 75 Fremdbusse und 76 Stadtbahnen unter Schnee und Eis in den Betriebshöfen anstatt Menschen zu befördern, die kein Fahrzeug haben oder dieses unter den derzeitigen Bedingungen nicht nutzen wollen oder können.

Markus Poch

So gut geräumt wie in Jahnplatz-Nähe sind nicht alle Straßen. Trotzdem fahren die ersten Mobiel- Foto: Bernhard Pierel

Der Stadtwerke-Tochter Mobiel ist es überaus unangenehm, ihren Fahrgästen derzeit kein angemessenes Angebot machen zu können, doch dafür gibt es Gründe. Und es gibt positive Nachrichten: Seit Mittwoch wagen sich die ersten Linienbusse aus der Innenstadt in Richtung Heepen vor. Außerdem werden auch Jöllenbeck, Sennestadt und Gütersloh versuchsweise über die Hauptachsen wieder angefahren (siehe Information rechts).

Dabei setzt das Unternehmen auf die Mithilfe der Bürger, die in Haltestellenbereichen wohnen: Sie werden gebeten, das Mobiel-Personal, externe Firmen und den Umweltbetrieb, der mit 450 Mitarbeitern sowie 46 Winterdienstfahrzeugen im Einsatz ist, beim Schneeschaufeln zu unterstützen. Es gehe im Wesentlichen um das Anlegen passierbarer Furten zwischen Haltestelle und Straße, so dass die Busse erreichbar sind.

Normalerweise dürften 30, 40 oder auch 50 Zentimeter Neuschnee die Straßen und Schienen einer Großstadt wie Bielefeld nicht auf diese Weise blockieren. „Wir waren an sich gut darauf vorbereitet“, sagt Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann. „Wir haben sogar im Vorfeld mehr Personal eingesetzt und die Stadtbahnen auch nachts fahren lassen, damit die Schienen frei bleiben.“

Aber solche Schneemassen in so kurzer Zeit bei gleichzeitig anhaltender Kälte bis zu zweistelligen Minusgraden hätten all ihre Bemühungen zunichte gemacht. Seit Jahrzehnten habe es eine solche Ausnahmesituation nicht gegeben. Obwohl der Druck von außen nun stetig wächst, stellt Uekmann unmissverständlich klar: „Experimente mit unseren großen, schweren Fahrzeugen kommen nicht in Frage.“ Deshalb sollen in Bielefeld – Stand jetzt – bis zum Sonntag keine Stadtbahnen fahren. „Die Sicherheit der Fahrgäste und der Fahrer hat oberste Priorität.“

Das Hauptproblem: Selbst tonnenschwere Stadtbahnwagen können den in Verwehungen manchmal meterhoch aufgehäuften Schnee nicht wegschieben. „Und wenn Schnee auf den Schienen verdichtet wird, besteht Entgleisungsgefahr“, betont Technischer Leiter Kai-Uwe Steinbrecher. Diese Gefahr sei auf der Brackweder Hauptstraße und der Detmolder Straße wegen ihrer Rillengleise besonders hoch.

Deshalb habe Mobiel die Notbremse gezogen. Der interne Krisenstab erarbeitete die folgende Strategie: Von den rund 60 Kilometern Gleisen, die auf Stadtgebiet im Freien liegen, sollen zunächst die auf dem Niederwall und der Detmolder Straße bis Sieker von Schnee und Eis befreit werden. Damit sind zwei spezielle Räumfahrzeuge beschäftigt. Der Schnee soll per Lkw aus der Stadt gebracht werden, um den Straßenraum nicht weiter zu verengen.

Ziel ist, „von den Stadtbahnen, die in Sieker inzwischen unter einem Eispanzer stehen, möglichst viele über Detmolder Straße und Niederwall in den Tunnel zu bringen“, erklärt Steinbrecher. Vom Tunnel aus wolle man sich dann Stück für Stück in alle Himmelsrichtungen vorarbeiten. Alle einmal in Betrieb genommenen Streckenabschnitte müssten fortan allerdings rund um die Uhr befahren werden, um nachträgliches Vereisen zu verhindern.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, versichert Kai-Uwe Steinbrecher. „Und wir greifen jeden Strohhalm, den wir zu fassen kriegen.“

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