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Lebensgefährlich Verletzten auf Gehweg gelegt: Schwurgericht schickt Frau in Haft

Busengrapscher löst tödliche Tat aus

Bielefeld (WB). Im Frühjahr vergangenen Jahres sorgte eine Gewalttat in der Stadt für Aufsehen: Nachdem ein Bielefelder (37) in einer Wohnung zusammengetreten worden war, schleifte eine Frau (32) den lebensgefährlich Verletzten auf den Gehweg vors Haus und ließ den Mann liegen. Gestern urteilte das Schwurgericht über den Fall, bei dem das Opfer einen Tag nach der Tat starb.

Jens Heinze

Die Angeklagte brach bei der Urteilsverkündung mehrfach in Tränen aus. Rechts ihr Verteidiger Alexander Klemme. Foto: Bernhard Pierel

Wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge muss die 32-Jährige Bielefelderin für fünf Jahre und sechs Monate in Haft. Das Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass die Frau am 10. Mai 2017 – vermutlich mit ihrem Ehemann (44) – den volltrunkenen 37-Jährigen mit sogenannten Punker-Stiefeln an den Füßen in ihrer Wohnung zusammengetreten hatte. Dann schleppte sie den lebengefährlich Verletzten auf den Gehweg vor das Haus an der Gustav-Winkler-Straße in Hillegossen.

Als Zeugen die Frau ansprachen, flüchtete sie mit den Worten »einkaufen zu gehen« und ließ das Opfer liegen. Obwohl die Zeugen sofort Notarzt und Rettungsdienst riefen, starb der 37-Jährige am Tag nach der Tat im Klinikum Rosenhöhe an innerlichen Blutungen. Eine der sieben Trittverletzungen gegen Kopf und rechte Körperseite war so massiv, dass die Bauchspeicheldrüse riss.

Zwei Mitgefangenen detailliert von der Tat erzählt

Motiv für die Tat war, dass bei einem Trinkgelage der 37-Jährige der Gastgeberin zweimal an die Brust gefasst hatte. Das war Anlass für die 32-Jährige und ihren Mann, auf den Bielefelder einzutreten, nachdem der alkoholbedingt auf den Boden gefallen war.

Nach der Urteilsverkündung eröffnete Vorsitzender Richter Christoph Meiring der zur Drogen- und Alkoholikerszene im Bahnhofsviertel gehörenden Angeklagten den Haftbefehl. Wegen drohender Fluchtgefahr angesichts der mehrjährigen Haftstraße wurde die Frau umgehend in ein Gefängnis gebracht. Sie saß zwar zwischenzeitlich in Untersuchungshaft, wurde aber wegen eines monatelangen juristischen Gezerres um die strafrechtliche Bewertung des Falls zwischen Staatsanwaltschaft und Landgericht wieder in Freiheit entlassen.

»Sie sind für den Tod des Opfers zur Rechenschaft zu ziehen«, lautete in der Urteilsbegründung einer der ersten Sätze des Vorsitzenden Richters an die wegen Drogen- und Gewaltdelikten mehrfach vorbestrafte 32-Jährige. Die Angeklagte hatte während des mehrtägigen Prozesses kein Wort zum Tod des Opfers gesagt. Überführt wurde die Frau letztlich, weil sie in der Untersuchungshaft zwei Mitgefangenen detailliert von der Tat erzählt hatte. Eine dieser Zeuginnen belastete die Angeklagte vor Gericht schwer.

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